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Updike
John Updike: „The Happiest I've Been”
The New Yorker, 3. Januar 1959 – John LinksJohn Literatur
Je älter man wird, desto sehnsüchtiger (und verklärter?) blickt man auf die kurze Zeit zwischen Schulabschluss und Erwachsensein zurück, wenn man so um die zwanzig Jahre alt ist. John Updike führt es in „The Happiest I've Been” vor.
Der Ich-Erzähler John Nordholm (Ähnlichkeiten mit dem Autor sind sicher beabsichtigt) läßt uns das Abenteuer einer langen Nachtfahrt nach den Weihnachtsferien von seinem Heimatort Olinger, Pennsylvania, nach Chicago miterleben.
Sein Freund Neil Hovey holt John zuhause ab und will ihn nach Chicago mitnehmen. Aber schon kurz nach der Abfahrt besucht er, mit Verweis auf den starken Verkehr auf der Turnpike (Autobahn) eine Party bei Larry Schuman. Man ahnt (bei Updike liest man vieles im Subtext), dass die Party schon immer in Neils Plan für den Abend stand. Nach der Party geht es noch zum Ausklingen in das Haus Margarets, eines der Mädchen auf der Party, zusammen mit deren Freundin.
In dieser Nacht wird John mit viel Gewöhnlichem konfrontiert, das durch Updikes Kunst zum Außergewöhnlichen wird. In seiner Rückschau befindet John: "The party was the party I had been going to all my life”, andrerseits beschreibt er die Nacht so: "In everything that followed there was this sense of my being picked up and carried somewhere."
Das Außergewöhnliche ist – um nur das Wichtigste zu benennen – dass im Laufe der Nacht zwei Menschen an Johns Seite einschlafen und damit ausdrücken, dass sie ihm vertrauen. Er wird als verantwortungsvoller Erwachsener wahrgenommen. Im letzten Satz stellt John den guten Ausgang der Reise einer Nacht fest: „And there was knowing that twice since midnight a person had trusted me enough to fall asleep beside me.”

Umgang mit Regeln
Für Kinder und Jugendliche werden Grenzen und Regeln aufgestellt, die man nicht überschreiten oder durchbrechen darf. Sie hängen auch John nach und in soweit ist er noch jugendlich. So gibt der Grossvater John bei der Verabschiedung nach Chicago den Rat: „Nev–er trust the man who wears the red necktie nund parts his hair in the middle”. In gewisser Weise passt die Beschreinung auf Neil. Von Neil verleitet (und gefahren) fahrt John nicht direkt nach Chicago (wie seine zurückgelssenen verwandten meinen). John macht sich später sorgen, ob er in seiner Stadt noch auf diesen Abwegen gesehen. Den Getränkenachschub für die Party zu besorgen bereitet ebenfalls Schwierigkeiten und Gewissensbisse: in Pennsylvania darf man erst mit 21 Jahren alkoholische Getränke kaufen. John ist offensichtlich einiges darunter.
Doh nicht alle sehen die legalen und moralischen Grenzen so eng. Als Mr. Schulman sein Haus verläßt mahnt er die Jugendlichen : “Be good, and if you can’t be good, be careful.”

Neil
Einiges wäre zu Neil zu überlegen. Er verbringt die Party indem er pausenlos „Dark Eyes” von Gene Krupa anhört. (Zuvor hatten sie noch „Loch Lomond” und „Cherokee” von Benny Goodman gehört.). Das zeigt vor allem, dass während des Koreakriegs (Neil ist kurz davor zum Kriegseinsatz eingezogen zu werden) von den Jugendlichen noch gemäßigter Jazz gehört wurde. Obwohl bei John Updike vieles aus den Details erschlossen werden kann und er wohl jedes Wort bewusst einsetzt, ist fraglich, ob er bewusst „Dark Eyes” gewählt hat. Es ist als Otchi-Tchor-Ni-Ya russischen Ursprungs (John Links). Immerhin sind auch „Loch Lomond” (schottisch) und „Cherokee” (indianisch; wenn auch vom weißen Bandleader Ray Noble) nicht typische Songs für die US-amerikanische Mittelklasse.
Etwas angetrunken wirft Neil John vor, dass dieser zu denjenigen gehört, die immer glücklich sind. Er stehe auf der anderen Seite. Dieser Vorwurf steht etwas merkwürdig da, weil kein großer Standesunterschied zwischen Neil und John zu vermerken ist. Auf der nächsten Station des nächtlichen Ausflugs treibt es Neil mit einem Mädchen und gehört so gesehen zu den Glücklichen des Abends.

William Thackeray
Während der Party in Schumans Haus fischt sich John ein Buch von William Thackeray aus dem Regal. Statt sich mit den Mädchen abzugeben beginnt er im Band II von The History of Henry Esmond zu lesen. Thackeray zitiert in seinem Gedicht "A Credo" Martin Luther:
Then sing as Martin Luther sang,
As Doctor Martin Luther sang:
“Who loves not wine, woman, and song,
He is a fool his whole life long!”

Das Luther-Zitat würde gut zur Story passen.
„The Happiest I've Been” (deutsch: Glücklicher war ich nie) ist ein kurzes Roadmovie und ein knapper Bildungsroman; auf alle Fälle eine der besten Geschichten von John Updike.
„The Happiest I've Been” erschien zuerst am 3. Januar 1959 in The New Yorker, später in der Kurzgeschichtensammlung The Same Door.
Links
UpdikeJTbartman: Updike, “The Happiest I’ve Been” (1959), Pleonasm, September 30, 2016
UpdikeJim Higgins: Reading the John Updike stories: 'The Happiest I've Been'
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Updike UpdikeJohn Updike: The Same Door.  Kindle Edition. Print-Ausgabe: 241 Seiten


Updike UpdikeChristopher Carduff, Hg.: John Updike: The Collected Stories. Library of America, 2013. Gebunden, 1872 Seiten

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John Updike: The Early Stories: 1953-1975. Random House, 2004. Taschenbuch, 864 Seiten Updike
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