| John Steinbeck: Of Mice and Men New York: Bantam, 1963. 118 Seiten |
| Die Wanderarbeiter George Milton und
Lennie Small steuern eine neue Arbeitsstelle an. Am Salinas (Fluß in
Kalifornien, südlich von Soledad) übernachten sie noch einmal. George
instruiert Lennie, wie dieser sich zu verhalten hat, da Lennie "small" an Geist
ist. Er ist von überragender Statur und Arbeitskraft, sein Sinnen ist aber
nur aufs Essen und noch stärker auf Dinge zum Streicheln gerichtet. Unter
seinen großen Händen zerbrechen oder sterben sie oftmals; so die
Mäuse, die Lennie hatte. Auf der Farm sind ganz verschiedene Typen versammelt: Slim, ruhig und verständig; Carlson, selbstbezogen und herzlos; Curley, der Sohn des Boss: aggressiv und brutal; Curleys Frau, einsam, ehrgeizig und unzufrieden; Candy, alt, eine Hand fehlt; Crooks, der ausgestoßene Afro-Amerikaner. Der Traum von Lennie und George von einer Selbstversorgerfarm findet bald Anklang. Candy will das Ersparte seine Lebens (der Großteil stammt aus seiner Abfindung für den Verlust der Hand) beisteuern, Crooks seine Arbeitskraft. Doch der Traum wird nicht realisiert. Curleys Frau bändelt mit Lennie an, der will ihre Haare fühlen, sie sträubt sich und die Episode eskaliert: Lennie bricht ihr das Genick. Bevor der Täter vom rasend wütenden Curley gelyncht wird, gibt ihm George den Gnadenschuß. Stil Steinbeck wählte eine direkten und dialogreichen Stil. Er legte die Novelle bewußt auf eine spätere Dramatisierung an. Die Uraufführung der Theaterversion erfolgte bereits im November 1937 in New York, in Deutschland in Bad Nauheim 1947. Die Sprache ist einfach, doch sorgfältig konstruiert. Die Dialogpassagen sind meist im Arbeiterslang gehalten. Eine häufig verwendete Technik in Of Mice and Men ist die Vorausahnung und Parallisierung. Das beginnt auf der ersten Seite, wo der Frühling noch die Trümmer des Winters erkennen läßt ("the debris of the winter's flooding", S. 1). Lennie hat eine tote Maus versteckt, später wird er ein Hundejunges töten. Das Paar Candy und sein Hund ist geradezu ein Parallelfall zu George und Lennie. Candy bringt es nichts übers Herz seinen langjährigen Kamerad zu töten, er erkennt aber dann: "I shouldn't ought to of let no stranger shoot my dog" (S. 67). George wird sich an diese Erkenntnis halten. Er tötet Lennie mit derselben Waffe, mit der schon der Hund einen gezielten Nackenschuß erhielt. Struktur Of Mice and Men besteht aus sechs Kapiteln, den Akten eines Dramas angepasst. Die Orte sind zirkulär angeordnet: Flußufer - Arbeiterschlafhaus - Zimmer von Crook - Scheune - Flußufer. Dadurch verstärkt sich der Eindruck, der Wiederholung. Allerdings wird forthin George alleine unterwegs sein. Seine Lage hat sich verschlechtert. Die Handlung spielt an einem Wochenende von Donnerstag bis Sonntag. Den Titel Of Mice and Men entnahm Steinbeck dem Gedicht von Lennie Small hat Ähnlichkeit mit Monk in der gleichnamigen Erzählung William Faulkners ( Kritik Howard Levant ( Nur durch die starke Typisierung konnte Steinbeck Of Mice and Men als Kammerspiel mit knapp über hundert Seiten schreiben. Der zweite Vorwurf ist dadurch abzuschwächen, daß diese voreilenden Motive nie aufdringlich wirken. Sie verraten bei der ersten Lektüre wenig, schaffen aber eine spannende Ahnung. Die Parallelisierung des Gnadentods für den Hund mit Lennies Tod mag beim zweiten Lesen makaber vorkommen. Der Vorwurf träfe umso stärker auf die Leitmotivtechnik beispielsweise in Richard Wagners Opern zu. |
| Themen |
| The American Dream Ein immer wieder variiertes Thema in der amerikanischen Literatur ist der amerikanische Traum. Die Arbeiter träumen von einem Stück Land und einer Farm, die Redewendung hier ist: "an' live off the fatta the lan'". Der Ausdruck: "the fat of the land", bedeutet, daß sie von ihrem Stück Land alleine leben wollen. Sie brauchen nichts weiter um glücklich zu sein. Jeder sagt, daß viele diese Vision haben, aber keiner erreicht sie. Trotzdem fassen und verfolgen die Leute diesen Traum, ja sie geben ihr langjähriges Erspartes dafür, um ihn zu realisieren. In F. Scott Fitzgerald: The Great Gatsby (u.v.a. Symbiose und Verläßlichkeit Steinbeck beschäftigte sich mit Meeresbiologie, in der die Symbiose, das Zusammenleben artverschiedener, aneinander angepasster Organismen zu gegenseitigem Nutzen, eine wichtige Rolle spielt. Biologisch sind George und Lennie sehr verschieden, sie ergänzen sich deshalb ideal. Zwar meint George oft, er käme ohne Lennie bestens zurecht ("if I was alone I could live so easily", S. 12 u.a.), Lennie ohne ihn nicht, doch sein Verhalten spricht dagegen. Er braucht Lennie um der Einsamkeit (ein weiteres wichtiges Thema, besonders für Curleys Frau) zu entgehen. Sie agieren wie Geist und Körper. Der Körper Lennie befolgt Befehle fast automatenhaft und kommt so einem Zombie (exakte Kopie eines Menschen ohne Bewußtsein) gleich. So lacht ihn Curleys Frau aus: "O.K., Machine. I'll talk to you later. I like machines" (S. 88). Dies wirft die Frage nach der Verantwortung Lennies für sein Handeln auf. Das zweite symbiotische Paar ist Candy mit seinem gealterten Hund. Auch diese Beziehung wird in Of Mice and Men zerstört. Paradise Lost, Bibel In den beiden Flußszenen betont Steinbeck die Natur. Er zählt einige Tierarten und Pflanzen auf. Zu Beginn ist es die heile Welt, das Paradies, in der Anschlußszene ist diese zerstört. Das letzte Wort hat der gefühlskalte Carlson, der wieder mal nicht begriffen hat. In beiden Szenen hebt der Autor die Wasserschlange hervor (S. 8, S. 109) und spielt damit noch stärker auf die Schöpfungsgeschichte an. Curleys Frau ist dann Eva und Schlange in einer Person. Sie führt letztlich zur Vertreibung Lennies und Georges aus dem Paradies. George Milton ist eine Verneigung vor John Milton (9.12.1608 London 8.11.1674 London; englischer Dichter), dessen »Paradise lost« (1667-74; deutsch: »Das verlorene Paradies«) zu Steinbecks Lieblingsbüchern zählte. In der Sekundärliteratur wird auch die Beziehung zwischen George - Lennie und Kain - Abel besprochen. George tötet seinen als Bruder angenommenen Lennie, Kain seinen Bruder Abel. Die Namen der Außenseiter Candy, Crooks und Curleys Frau (ein Vorname wird nie genannt; sie ist der Prototyp) beginnen mit "C", wie Cain, dessen Nachfahren sie symbolisieren. Außenseiter "Underdogs" sind ein bedeutendes Thema nicht nur in der amerikanischen Literatur ( Curleys Frau bemerkt: "They left all the weak ones here" (S. 84) und gleich darauf: " ... a bunch of bindle stiffsa nigger an' a dum-dum and a lousy ol' sheep" (S. 88). Den "dogs" geht es nicht gut in Of Mice and Men, den "underdogs" erst recht nicht. |
| Verfilmungen |
| 1939 Of Mice and Men, Regie:
Lewis Milestone, Lennie: Lon Chaney Jr., Geore: Burgess Meredith, Curleys Frau:
Sherilyn Fenn. USA 106 Min. 1981 Of Mice and Men, Regie: Reza Badiyl, Lennie: Randy Quaid, George Robert Blake. 150 Min. 1992 Of Mice and Men, Regie: Gary Sinise, Lennie: John Malkovich, George: Gary Sinise, Curleys Frau: Betty Field. USA 115 Min. Oper Carlisle Floyd: Of Mice and Men, Weltpremiere: 22. Januar 1970, Seattle Opera, Seattle, WA Hörspiel 1948 Von Mäusen und Menschen, Radio Bremen, Aufnahme: 12.11.1948, Erstsendung: 22.11.1948 George: Eberhard von Gagern; Lennie: Erst Peter Horn; Curleys Frau: Erika Brümmer; Regie: Gert Westphal. Auf 2 CDs, Litraton Hamburg 1998 |
| Links |
| Sekundärliteratur |
| Bjornson, Gerhild: "Of Mice and Men".
Kindlers Literaturlexikon, S. 6916 French, Warren: John Steinbeck. Boston: Twayne, 1975. Goodman, Michael: Lektürehilfen John Steinbeck "Of mice and men". Stuttgart: Klett, 1990 Levant, Howard: The Novels of John Steinbeck. A Critical Study. Columbia, Missouri: University of Missouri Press, 1974 |
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| Steinbeck, John: Of Mice and
Men. Penguin, 2004. Broschiert, 105 Seiten
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| Steinbeck, John: Of Mice and
Men, Sparknotes. Spark, 2004. Taschenbuch, 61 Seiten
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| John Steinbeck, Martin Stephen:
John Steinbeck "Of Mice and Men". Langenscheidt-Longman, 1997.
Broschiert
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| Holger Biedermann: Von Ratten und Menschen.
Frankfurt: Fischer, 2003. Broschiert
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| Fred Lang: Von Mäusen, Menschen und anderem Getier. Gedichte und Geschichten. Michael Schardt Verlag. Taschenbuch | ||
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| Francesco Santoianni: Von Menschen und Mäusen.
Europäische Verlagsanstalt 1997. Gebunden, 300 Seiten
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