| John
Steinbeck: Russische Reise [A Russian Journal] Mit Fotografien von Robert Capa. Frankfurt am Main: Edition Büchergilde, 2011. Gebunden, 297 Seiten. Susann Urban, Übs. – |
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| Zu Beginn des "Kalten Kriegs" und der McCarthy-Ära
(Kommunistenhatz in den USA ab 1947) unternehmen der Nobelpreisträger
John Steinbeck und der Fotograf Robert Capa eine Reise in
die Sowjetunion.
Sie war aus vielerlei Gründen ungewöhnlich. Nun liegt ihr Reisebericht A Russian Journal erstmals in deutscher Übersetzung vor. |
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In
den Zwanzigern und Dreißigern reisten einige
hoffnungsvoll in die UdSSR. Mit einer Delegation der Labour-Party
besuchte Bertrand
Russell 1920 die Sowjetunion. Oskar
Maria Graf
bereiste das Land 1934 im Anschluss an einen
Schriftstellerkongress; in den Fünfzigern reiste beispielsweise
Jean-Paul
Sartre.
John Steinbeck und Robert Capa traten die Reise im Auftrag der "New York Herald Tribune" an. Was man über das Land und die Leute im Westen wusste waren eher Gerüchte als Tatsachen. Die beiden Reisenden wollten ausdrücklich die einfachen Leute und ihr Leben kennenlernen und dokumentieren. Zum überwiegenden Teil gelang dies. |
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| Zwar kämpften Steinbeck und Capa – wie der Leser
erwartet – mit Bürokratie, geheimer Überwachung und offiziellen
Einladungen. Sie verstanden es aber all diesen Handicaps auszuweichen
und verbrachten viel Zeit mit den sowjetischen Bürgern. Feste, Gelage
und Ansprachen werden ausgiebig beschrieben. Die Besuche in Fabriken
und Kolchosen nutzten Steinbeck und Capa um Eindrücke zu sammeln, auf
ihren zahlreichen Reisen im Land trafen sie immer Russen und
Angehöriger anderer
Volksstämme, die etwas über die USA erfahren wollten. So lernten alle
über die jeweiligen Länder. Und keinen heutigen Leser verwundert es,
dass die Leute aus dem Volk überall friedlich mit den anderen Völkern
zusammenleben wollen. Zwanzig Jahre später brachten es die Young
Rascals
in die Hitparaden: "All the world over,
so easy to see
People everywhere just wanna be free" Für deutsche Leser ist lehrreich: überall wo die beiden Amerikaner hinkamen fanden sie die Zerstörungen der deutschen Wehrmacht und Luftwaffe. Und ... vor allem wurde ihnen deutlich (und auch von den Leuten deutlich gesagt): die Deutschen führten dort nicht nur Krieg sondern eine grausame Vernichtung. Fünfzig Jahre später gab's eine Wehrmachtsausstellung, einiges davon hätte man schon 1948 erfahren können, wenn der Reisebericht übersetzt worden wäre. Aber das war wohl nicht erwünscht, da er nicht in das West-Ost Block-Schema passte. |
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| Allerdings gewinnt man den Eindruck, dass die US-Besucher letztlich doch nicht so frei agieren und fotografieren konnten, wie sie es sich erhofft hatten. In Gefängnisse, Lager oder auch nur prekäre soziale Einrichtungen kommen sie nicht. Fotografieren durften sie nur mit Erlaubnis. | |
| Die Übersetzung ist an manchen Stellen etwas schludrig. "Es bestehen Ähnlichkeiten mit der amerikanischen Kleinstadtmoral von vor einer Generation" (S. 46) liest sich holprig, um nur ein Beispiel zu nennen. In Kiew und Tiflis gibt es "Kliffs", da sagt man deutsch Felsen dazu. Das war jetzt doch noch ein zweites Beispiel. [1] | |
| Die Fotos sind ohne Bildunterschrift, doch entsteht der Zusammenhang meist mit dem Text. Einen hervorragenden Fotoband darf man nicht erwarten. | |
| Über sechzig Jahre mit zahlreichen Umwälzungen sind in die Lande gezogen. Vieles im Bericht wird auch heute noch zutreffen, manches ist überholt. Außer der verspürten Bürokratie bleiben die dunklen Seiten der UdSSR ausgeblendet. Dafür gibt es heute andere Informationsquellen. Bemerkens- und lesenswert ist der dokumentarische Bericht auch heute noch. Denn immer noch beherrschen Vorurteile die Beziehungen zwischen den Völkern, aber auch zwischen den Gruppierungen innerhalb eines Landes. Was man näher kennt, schätzt man besser ein. Die Russische Reise ist ein Appell an die Verständigung zwischen den Völkern und Menschen. | |
| [1] Ich wurde im Feb. 2012 darauf hingewiesen, dass in Norddeutschland das Wort "Kliff" doch gebräuchlich ist. | |
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| John
Steinbeck: A Russian Journal. Susan
Shillinglaw, Einleitung; Robert Capa, Fotos. London: Penguin,
1999. Taschenbuch, 240 Seiten |
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