| Berndorff, Hans Rudolf. Das Reich des Piraten
Avery Berlin: Freitag, 1982. 188 Seiten |
| In der Kleinen Bibliothek des
Aussteigers und Abenteurers erschien 1982 der Band über John Avery. Er
wird vom Leben nicht gerade gerecht behandelt und so reift in ihm die Idee
einer gerechten Gesellschaft. Er heuert ebenso Ausgestossene - manche kurz vorm
Galgen -, wird zum Piraten und segelt nach Madagskar. Zuvor kapert er auf hoher
See ein indisches Schiff und entführt einige Frauen. Das Unternehmen gegründet auf Ungerechtigkeit muss natürlich scheitern. Die Verwicklung bis dahin sind recht interessant, zumal wenn man weiß, daß dieses Buch zuerst 1944 erschienen ist. John Avery krönt sich auf Madagaskar wie selbstverständlich zum König. Die einheimische Bevölkerung ist für die weiße Herrscherschar nur eine minderwertige Rasse und höchstens für Sklavendienste geeignet. "Die Eingeborenen sollen die Felder bebauen, von denen wir ernten werden. Wir werden sie nicht plagen, diese Eingeborenen, auch ihnen gegenüber werden wir mit der äußersten Gerechtigkeit vorgehen, aber sie müssen uns dienstbar werden." Sic! Gerecht ist, was uns nützt. Berndorff relativiert dieses Verhalten der hauptsächlich englischen Piraten nicht. Sicher stimmt er Avery hier voll zu. Der Autor Berndorff ist heute vergessen. Zurecht. Das besprochene Buch ist als Seeräuberpostille gut zu lesen. Auch die von mir ausgegrabenen anderen Werke Berndorffs lassen eine eher rechtskonservative Haltung vermuten: Spionage! Stuttgart, 1929 Diplomatische Unterwelt. Stuttgart, 1930 Sie rüsten! Stuttgart, 1931 General zwischen Ost und West: aus den Geheimnissen der deutschen Republik. Hamburg, 1951. Genug. Vergleiche auch den Roman von Horst Wolfram Geissler Die Frau, die man liebt. |