| Alexandre Dumas, der Ältere: Der Graf von Monte
Christo [Le comte de Monte-Cristo]. München: Dtv, 1999. Broschiert, 760 + 721 Seiten. Entstehung, Rezeption Links Literatur Sekundärliteratur Thematik Verfilmungen Zitate |
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| Der etwa zwanzigjährige Seemann
Edmond Dantès kommt am 27. Februar 1815 zurück nach Marseille und
wird vom Reeder Morrel zum Kapitän befördert. Gerade als er sich mit
der siebzehnjährigen Mercédès verloben will, wird Edmond
verhaftet. Durch ein Komplott, an dem kunstvoll mehrere Personen beteiligt
sind, wird er als Napoleonsympathisant ohne Gerichtsverfahren in den Kerker der
berüchtigten Festungsinsel Château d'If verbannt. Dort wird er mit
dem scheinbar verrückten Mithäftling Abbé Faria bekannt. Er
verbringt 14 qualvolle Jahre im Kerker. Der Tod Farias ermöglicht
Dantès' Flucht. Außerdem wird er Farias Erbe: ein riesiges
Vermögen, das auf der kleinen Mittelmeerinsel Monte Christo versteckt ist.
In verschiedenen Masken führt er sich dank seines ungeheuren Reichtums in die Pariser Gesellschaft ein. Die meisten seiner Todfeinde haben einen sagenhaften Aufstieg hinter sich und sind dort wohl etabliert. Als Graf von Monte Christo beginnt er seinen Rachefeldzug. Dabei geht er äußerst geschickt vor, oft kommen ihm Geldgier und Neid unter seinen Feinden zugute. Wie der Graf sein geplantes Werk umsetzt und vollendet ist auch heute noch gut lesbar. |
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| Stil und Charaktere Oft wird über den Roman Der Graf von Monte Christo geurteilt, die lebhafte und spannende Schilderung wiege den konventionellen-romantischen Charakter auf; die Charaktere seien psychologisch unwahrscheinlich (so Kindlers Literatur Lexikon S. 2119). Das trifft nur zum Teil. Der Graf ist stark typologisiert; ungünstig wirkt sich dabei aus, daß er selbst von sich als eine Art Gottes Racheengel glaubt (gelingt ihm nicht 33-jährig die Flucht aus dem Kerker?) und unermeßlich viel Geld hat. Beides wirkt mit der Zeit arrogant und penetrant; insofern ist der Graf sicher psychologisch überzeichnet. Doch dem stehen doch eine Menge an Nebenfiguren entgegen, die überaus treffend und fein typologisiert werden, wie Caderousse, der Schneider, Albert de Morcerf oder Monsieur de Villefort. Dumas gab Edmond Dantès einige Parallelen zum Napoleon, stattet ihn aber auch mit zahlreichen exotischen Geheimnissen aus: Herkunft im 2. Teil des Romans (für seine Romanumgebung); orientalische Accessoires wie Haschischträume und die eingekaufte Königstochter Haidée. Dumas baut zahlreiche Geschichten innerhalb des Romans ein, so die spannende Flucht und Verfolgung von Andrea Cavalcanti (II/ 502; II/510 ff). Ich meine, aufgrund der Länge des Romans vergißt man viele plastische Situationsschilderungen.
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| Thematik Der Graf tritt seinen mehr als berechtigten Rachefeldzug an. Die Frage, die sich dem Leser (und auch dem Grafen) stellt, ist: Wie soll und darf er seine Vergeltung treiben? Diese Thema beherrscht in anderer Form auch Heinrich von Kleists: Michael Kohlhaas (
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| Entstehung,
Rezeption Dumas' Graf erschien 1845/46 und entwickelte sich zu einem Klassiker der Abenteuerliteratur. Die Handlung basiert auf Jacques Peuchet (1758 1830), Archivar der Pariser Polizeipräfektur: Der Diamant und die Rache [Le Diamant de la vengeance], 1837, und vom selben Autor: Mémoires tirés des Archives de la Police de Paris und Collection des lois, ordonnances et réglements de police 1818 1819. Dramatisierung durch Dumas und dem Historiker Adrien Maques (nicht: Maques, wie das ZDF anlässlich eines Buchvorschlags verbreitete). Uraufführung in vier Teilen in verschiedenen Pariser Theatern: 3.2.1848, 4.2.1848, 1.4.1851, 8.5.1851.
1942 ? Der Graf von Monte Cristo: Frankreich, Italien 1953 Der Graf von Monte Cristo: Italien 1955 Der Graf von Monte Christo, Regie: David Greene, mit Richard Chamberlain, Trevor Howard. USA 1975, 103 Minuten . Der Graf von Monte Christo, Regie: Jesée Dayan, mit Gerard Depardieu, Ornella Muti, Sergio Rubini. Frankreich 1999, 382 Minuten Monte Cristo, Regie: Kevin Reynolds, mit Jim Caviezel, Guy Pearce, Michael Wincott, Richard Harris. Großbritannien 2002, 126 Minuten |
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| Monte Christo
und Pianosa Die Insel Pianosa wird in Der Graf von Monte Christo oft erwähnt. Ja, einmal wird auf der Insel Pianosa sogar gejagt (S. I/ 356). Sie liegt einige Meilen nordwestlich von Monte Christo (Monte Christo ist "etwa fünfundzwanzig Meilen vor Pianosa", S. I/221). So entsteht der kuriose Umstand, daß der Schauplatz des vielleicht populärsten Roman des 19. Jahrhunderts unweit des Schauplatzes im populären, innovativen und erfolgreichen Anti-Kriegsroman des 20. Jahrhunderts Catch-22 von Joseph Heller ( |
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Die drei Landplagen der
Provence (S. I/286)
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| Falsche
Angustura, Sankt-Ignatius-Bohne (S. II/302) Die echte Angustura-Rinde stammt von der Rinde eines südamerikanischen Baums: Bonplandia trifoliata. Die falsche Angustura-Rinde erzeugt gefährliche und giftige Wirkungen. Sie stammt vom Brucea ferruginea. Sie liefert nach chemischer Untersuchung dasselbe Akaloid liefern wie z.B. die Ignazbohne u.s.w. |
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| Links | |||
| Sekundärliteratur | |||
| Kindlers Literaturlexikon S.
2119 Klotz, Volker: Abenteuer-Romane. Sue - Dumas - Ferry - Retcliffe - May - Verne. München: Hanser, 1979. |
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| Literatur | |||
| Der Dtv-Ausgabe liegt die deutsche Erstausgabe von 1846 zugrunde; Übersetzer: F. W. Bruckbräu. Sie wurde von Thomas Zirnbauer anhand der Originalausgabe revidiert und ergänzt. Diese Übersetzung ist gut lesbar und empfehlenswert; die Dtv-Ausgabe hat extrem wenig Druckfehler. |