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Dumas
Alexandre Dumas: Tausend und ein Gespenst
[Les Mille-et-un fantômes. Une Journeé à Fontenay-aux-Roses]. Berlin: Reiher, 1991. 141 Seiten. Bearbeitet von Werner Liersch – LinksSekundärliteratur
Der Leser trifft den Ich-Erzähler Alexandre Dumas bei einer Jagd in Fontenay-aux-Roses. Ein Minenarbeiter stellt sich: er hat seine Frau geköpft. Er besteht darauf, daß der abgeschlagene Kopf noch gesprochen habe. Zu einem Mittagsmahl lädt Bürgermeister Ledru eine illustre Runde. Dabei geht es um die Glaubhaftigkeit des Minenarbeiters. Doktor Robert ist skeptisch. Er vertritt den aufgeklärten Wissenschaftler.
»Und Sie halten die Sache für unmöglich?« fragte Ledru.
»Unmöglich.«
»Sie glauben nicht, daß der Kopf noch einen Augenblick Leben und Gefühl behalten konnte, das der Gips alle Gefäße verstopfte und das Blut zurückhielt?«
»Nicht, wenn die Wirbelsäule zerstört ist. Da hört jedes Fühlen auf.«
»Und wer hat Ihnen das gesagt?« fragte Ledru.
»Mein Verstand«, sagte der Doktor.
»Hat nicht der Verstand den Richtern des Galilei gesagt, daß die Sonne sich dreht und die Erde stillsteht? Sie glauben also nur, was sie sehen?«
»So ungefähr ist es, verehrter Herr Ledru.« (S. 29)
Reihum erzählen die Teilnehmer des Mahles eigene Erlebnisse. Sie sollen belegen, daß Teile des Körpers noch (kurz) weiterleben können und steigern sich zu Gespenster- und Vampirgeschichten.
Dumas baut einige Zeitbezüge und Personen des Zeitgeschehens ein. Der Schauspieler Scarron (S. 21-23) könnte ein Nachfahre des Paul Scarron, 4.7.1610 Paris – 7.10.1660 Paris; Schriftsteller und Dramatiker; auf den deutschen Dichter E. T. A. Hoffmann bezieht sich der Bürgermeister Ledru ausdrücklich (S. 25); der bleichen Dame fällt bei ihrer Erzählung "die Ballade eines deutschen Dichters ein"; es ist "Leonore" von Gottfried August Bürger.
Wie E. T. A. Hoffmann, Edgar Allan Poe und Charles Nodier will Dumas eine Welt nach dem Tode postulieren. Er gewinnt diese Erkenntnis nicht durch Überlegung, sondern durch empirische Befunde in den Erfahrungen der Teilnehmer der Mittagsrunde. Dabei greifen nicht nur die Bewohner des Totenreichs in die Wirklichkeit ein, sondern die Personen dieser Welt beeinflussen über die zweite Welt die Dinge der unseren. Deutlich wird das, wenn sich Gregoriska erschaudernd zur Leiche seines Bruder tritt: "Je näher er der Totenbahre trat, desto stärker floß das Blut aus der Wunde des Bruders" (S. 121). Die zweite Wirklichkeit kann dann selbst Doktor Robert nicht mehr bestreiten.
Les Mille-et-un fantômes erschienen1849 in Fortsetzungen. Erst anhand der Sekundärliteratur merkte ich, daß die deutsche Ausgabe nur einen Teil der ursprünglichen Sammlung enthält. Skandal!
Wer phantastische Geschichten dieser Art mag, möge sie lesen.
Nach Norbert Miller (miller Sekundärliteratur) nimmt Dumas in diesen Erzählungen Themen und Stil von Charles Nodier (Inès de las Sierras), E. T. A. Hoffmann (hoffmann Ernst Theodor Amadeus Hoffmann) und Washington Irving (Adventures of the German Student) auf. Auch Edgar Allan Poe (hoffmann Edgar Allan Poe) ist da zu nennen.
Sekundärliteratur
Norbert Miller: "»La femme au collier de verlours«. Alexandre Dumas korrigiert Charles Nodier". In: Von Nachtstücken und anderen erzählten Bildern. München: Hanser, 2002. S. 159-185.
Links
millerDr. Werner Robl: Alexandre Dumas: Les mille-et-un fantômes
millerLes Mille-et-un fantômes : Une Journeé à Fontenay-aux-Roses
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dumas dumasAlexandre Dumas: Tausend und ein Gespenst. Berlin: Reiher, 1991. 141 Seiten. miller
Norbert Miller: Von Nachtstücken und anderen erzählten Bildern. München: Hanser, 2002. Broschiert, 260 Seiten miller

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