| Ahmadou Kourouma: Die Nächte des großen
Jägers [En attendant le vote des bétes sauvages] Wuppertal: Hammer 2000. Cornelia Panzacchi, Übs. Mit einem Nachwort von Gudrun Honke. |
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| An sechs Abenden sitzen sieben
ausgewählte Jäger bei Koyaga, einem "der drei größten
Jäger der Menschheit". Zwei davon, der Sänger Bingo und der
"Antworter" Tiécoura erzählen ihrem Präsidenten und Herrscher
Koyaga die Geschichte des Aufstieges zahlreicher afrikanischer Diktatoren und
seine eigene Geschichte. Die Abende und ihre Kapitel sind mit
Sprichwörtern aus Afrika ( Koyaga ist in Wirklichkeit (zumindest sah ich es so) keinesfalls irgendwas Großes der Menschheit, sondern ein brutaler Tyrann, durchaus den anderen diktatorischen Figuren des Romans gleichkommend. Durch die magischen Kräfte seiner Mutter und eines Dorfzauberes ist er gegen alle Attentate gefeit. Ganz am Ende wird das erkannt und sein Heimatdorf attackiert. Ahmadou Kourouma verbindet die orale Tradition Westafrikas mit der Romanform der westlichen Kultur. Der Ich-Erzähler wird gelegentlich von anderen Jägern unterbrochen und ergänzt. Aufgrund des ungeheuren Nimbus, der Koyaga umgibt, werden die sechs Abende zu einem Loblied, einem höfischen Epos vergleichbar. Die vielen schrecklichen Diktatoren tragen phantasievolle, verfremdende Namen, doch sollen ihre realen Vorbilder leicht zu erkennen sein. Gudrun Honke führt sie im Nachwort (S. 358) auf. Da ich Bokassa, Mobutu und all die anderen nicht kenne, gab es für mich nur allgemeine Bezugspunkte zur realen Geschichte und zu den Mustern der Despotie. Im Laufe des Romans wird klarer, wie es aufgrund der Stammesgeschichten, der Befangenheit der Afrikaner in Magie und Tabus, aufgrund der Weltgeschichte ( Allerdings kommen in Die Nächte des großen Jägers nur die Potentaten und ihre Umgebung vor. Der unter ihnen leidende normale Bürger, der alltägliche Afrikaner wird kaum erwähnt. Allenfalls werden die Bürger pauschal angesprochen oder in Massenbewegungen genannt. |
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| Stil Durch die oralen Erzählmuster wird Koyaga oft mit "du" angesprochen; das verstärkt den lobpreisenden Charakter der Geschichte.
Kourouma ironisiert magische Erzählmuster gelegentlich durch rationale Erklärungen mit der Anmerkung: "Ganz offensichtlich ist dies eine kindische Erklärung der Weißen, die Rationalität brauchen, um etwas verstehen zu können." Damit erschöpfte sich für mich auch der in vielen Rezensionen gelobte Humor. |
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| Zusammenfassung Den "grossartigen, gleichzeitig afrikanisch-traditionellen und modernen Roman" las ich nicht. Wer mir eine dreizehnseitige Beschreibung einer Parade zumutet (S. 305-317) muss im restlichen Roman schon sehr gut sein. Das ist Die Nächte des großen Jägers nicht. Mir kam es wie ein prosaisches Geschichts- und Sittenwerk afrikanischer Oberschicht vor. Nur wer das sucht, der lese es. |
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| Sprichwörter | |
| "Zu Hause fühlt
man sich immer am wohlsten" (S. 71). "Wenn zwei voneinander scheiden und keinem der Abschied leid tut, dann kommt die Trennung zu spät" (S. 120). "Die Macht mißfällt nur demjenigen, der sie nie ausgeübt hat" (S. 167). "Aber wenn man den frosch zu weit werfen will, hat er Glück und landet in einem Sumpf" (S. 215). "An dem Feuer, das dich verbrennt, hast du dich gerade noch gewärmt" (S. 249) |
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| Anmerkungen | |
| Berliner
Afrika-Konferenz 1884/85 (auch: Westafrika-Konferenz oder
Kongo-Konferenz) In den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts ließ ein verstärkter Nationalismus die europäischen Staaten neue Kolonien und damit neue Absatzmärkte und Ausbeutungsobjekte erwerben oder sich aneignen. Auf dem Berliner Kongress 1878 verständigten sich die Großmächte über ihre Afrikapolitik. Auf Einladung Bismarcks trafen sich 1884 dreizehn europäische Staaten, die USA und das Osmanische Reich zu einer internationalen Konferenz in Berlin. Am 26. Februar 1885 wurde die Kongo-Akte verabschiedet. Am Ende des 19. Jahrhunderts war Afrika bis auf Liberia und Äthiopien unter den europäischen Staaten aufgeteilt. |
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| Mythen Vielleicht lese ist zuviel in Koyagas Unverletzlichkeit aufgrund magischer Unterstützung, wenn ich sie mit Siegfrieds Unverletzlichkeit und der von Achilles vergleiche. Auffallend ist aber ein Vergleich von Präsident Fricasse Santos (S. 72), dem große Unbill von Kriegsveteranen geweissagt wurde, und Herodes und den Weisen aus dem Morgenland (Mt. 2). Aber auch die orale Tradition der Sänger (Homer, Walther von der Vogelweide) und der Hofnarr haben ihre Entsprechung in der europäischen Geschichte. |
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| Ahmadou Kourouma | |
| * 1927 in der
Elfenbeinküste 11.12.2003 Lyon Als jugendlicher Rädelsführer wurde er von der Schule verwiesen, in die französiche Armee eingezogen, dann nach Indochina strafversetzt. Versicherungsmathematiker. 1963 wird Kourouma wegen eines angeblichen politischen komplotts verhaftet und wurde mit dem Roman Der schwarze Fürst berühmt. Wegen eines Theaterstücks verbrachte er zwanzig Jahre im Exil, zunächst in Kamerun, dann in Togo. Ab 1993 lebte er wieder in der Elfenbeinküste. |
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| Ahmadou Kourouma: Die
Nächte des großen Jägers. Wuppertal: Hammer, 2000.
Gebunden, 358 Seiten. Cornelia Panzacchi, Übs.[En attendant le vote des
bêtes sauvages]
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