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Lewis Nkosi: Mating Birds
[Weiße Schatten]. London: Constable 1986. 184 Seiten – nkosi Autornkosi Linksnkosi Literatur
An einem nach Weissen und Schwarzen getrennten Strand sieht der schwarze Sibiya das englische [*] Mädchen Veronica Slater und verfällt ihr nur aufgrund von Verhalten und Mimik.
Der Roman beginnt mit Sibiya in der Todeszelle: verurteilt wegen Vergewaltigung Veronicas. Im Gespräch mit dem Psychologen Dr. Emile Dufré erzählt der Todeskandidat, wie es dazu kam und wie es ablief. Vor Gericht wird die Variante des Geschehens durch Veronica preisgegeben.
Da dem Ich-Erzähler im Roman nichts entgegengesetzt wird, bleibt der genaue Ablauf ungeklärt. Bedrückend wird der Unsinn, ja die Unmenschlichkeit der Apartheidspolitik in der Republik Südafrika gezeigt (nkosi Apartheit). Schon als Kind wird dem später zum Tode Verurteilten eingeprägt: die Weissen sind aalglatt, aber sie verschlingen uns wie Haie.
Wenn man aufmerksam liest, erfährt man auch einiges über die Kolonialpolitik allgemein. So muss sich Sibiya taufen lassen um zur Schule zugelassen zu werden (S. 50).
Egal ob man dem Ich-Erzähler glaubt oder nicht, stellt sich auch die Frage, ob es unvermeidbar ist, dass der Körper dorthin folgt, wohin ihn die Leidenschaft führt (S. 123). Oder ob man nicht irgendwo immer eine letzte Verstandesbremse anerziehen sollte.
Ich fragte mich, warum der Autor es nicht klärt, ob nun Sibiyas Version zutrifft oder die Veronicas oder eine dritte. Meine These: Es kommt ihn darauf nicht an. Unabhängig davon ist die Diskriminierung anderer zu verurteilen.
Die Idee der Erzählung eines Schwarzen aus der Todeszelle ist nicht neu. Siehe dazu Ernest J. Gaines: A Lesson Before Dying (nkosi Rezension). Die Themen Kolonisierung, Apartheid und Leidenschaft entwerfen in Mating Birds ein bedrückendes Bild für Südafrika und jegliche Diskriminierung anderer Menschen. Trotzdem schien mir die Geschichte etwas dünn, der Autor war gezwungen lange erotische Beschreibungen einzufügen. Er betonte in einigen Szenen die groteske Trennung zwischen dem Badestrand der Weissen und der Afrikaner, die ein Bach trennt. Es gipfelte im (recht unglaubwürdigen aber gut erzählten) Fern-Climax mit der Behauptung: "We had defeated apartheid" (S. 149-150). Dies ist symbolisch gemeint. Einmal zumindest erwies sich die Apartheid als überwindbar. Mich erinnerte dieser überschwengliche Ruf an: "Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?", 1 Kor 15,55. Die gesamte Situation deutet auf die mythische Erzählung von Hero und Leander (nkosi Hero und Leander).
Anmerkung
Sibiya nennt Veronica immer "English girl". Es ist nicht klar, ob er sich damit auf ihre Sprache oder auf ihre Abstammung bezieht. Warum ist es kein "white Southafrica girl"? nkosi zurück zur Rezension
Apartheid
Die Apartheid ist besonders mit der Republik Südafrika verbunden. Die Weißen setzten eine rigorose Politik der Rassentrennung von 1948 bis 1994 durch. Die Apartheidspolitik betonierte die Privilegien und die Vorherrschaft der Weißen und trennte scharf zwischen weißer und nichtweißer (Bantu, Mischlinge, Asiaten) Bevölkerung. Angeblich sollte so die Entwicklung der verschiedenen Bevölkerungsteile gewährleistet werden. Bestrebungen gegen die Apartheid wurden verboten oder unterdrückt. Erst von 1990 bis 1994 setzte Staatspräsident F.W. de Klerk in Verhandlung mit Nelson Mandela vom African National Congress (ANC) eine Rücknahme der Restriktionen ein. 1994 wurde die Apartheidgesetzgebung offiziell aufgehoben.
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Hero und Leander
Hero (Priesterin der Aphrodite) und Leander lebten zu beiden Seiten der Meereenge der Dardanellen. Leander schwamm jede Nacht zu ihr. Das Orientierungslicht, das Hero regelmässig entzündete, erlosch eines Nachts und Leander ertrank. Dieses mythische Motiv wurde in zahlreichen Varianten literarisch (u. a. Friedrich Schiller, Franz Grillparzer, Volksballade) und auch musikalisch (Giovanni Bottesini, Pop-Variante: Johnny Preston) verarbeitet.
nkosiHero und Leander bei WikipediankosiDie Königskinder, Volksballade – nkosiEl Hor: Hero und Leander, frühes 20. Jhdt.
Johnny Preston: Running Bear (J. P. Richardson) Mercury 71474, 1959
On the banks of the river
Stood Runnin' Bear, young Indian brave
On the other side of the river
Stood his lovely Indian maid
Little White Dove was-a her name ...
Running Bear erreichte sowohl in den USA als auch in Grossbritannien Platz #1 der Hitparade.
Deutsche Version: Gus Backus: Brauner Bär Und Weisse Taube, 1960
Autor
Lewis Nkosi, * 5.12. 1936 in Natal, Südafrika; Schriftsteller und Literaturkritiker (Neue Zürcher Zeitung, Times Literary Supplement)
1983 Mating Birds, Romanerstling
Links
nkosiLewis Nkosi
nkosiLewis Nkosi: Weiße Schatten (DTV)
nkosi Manfred Loimeier: "Tödliche Versuchung"
nkosi Ernest J. Gaines: A Lesson Before Dying
nkosi Wichtige Afro-Amerikanische Autobiographien
Literatur
Brink, Andre (1992): "An ornithology of sexual politics; Lewis Nkosi's Mating birds". English in Africa 19. S. 1-20.
Dodd, Josephine (1996): "The South African literary establishment and the textual production of
'Woman': J.M. Coetzee and Lewis Nkosi". In: M.J. Daymond, Hg.: South African
Feminisms; Writing, Theory, and Criticism, 1990-1994. New York: Garland, 1996. S. 327-340.
Harris, Janice (1994): "On tradition, madness and South Africa: an interview with Lewis Nkosi. Weber Studies 11. S. 25-37.
Lazarus, Neil (1987): "Measure and unmeasure: the antinomies of Lewis Nkosi". Southern Review 23. S. 106-118.
Lewis, Desiree (1996): "The Cardinals and Bessie Heads' Allegories of Self". World Literature Today 70, nkosiWorld Literature Today
Nuttall, Sarah (1991): "Under the Shadow of the Guns". Journal for Southern African Studies 17:3. S. 570-573.
Walder, Dennis (1988): „Power and Polemics“. Third World Quarterly 10:1, S. 323-326
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nkosi nkosiLewis Nkosi: Weiße Schatten. München: Dtv, 2003. Überarb. Neuausg. Eva Bornemann, Übs. Broschiert, 187 Seiten nkosi
Lewis Nkosi: Mating Birds. Kwela, 2004. Taschenbuch. 140 Seiten nkosi
attridge nkosi Derek Attridge, Rosemary Jane Jolly, Hg.: Writing South Africa: Literature, Apartheid, and Democracy, 1970-1995. Cambridge: Cambridge UP, 1998. Taschenbuch, 308 Seiten – Einige Texte in diesem Sammelband beschäftigen sich mit Lewis Nkosi: Mating Birds stiebel
Lindy Stiebel: Still Beating the Drum Critical Perspecives on Lewis Nkosi. Amsterdam: Editions Rodopi B.V. Gebundene Ausgabe: 410 Seiten nkosi
– mit ausführlicher Bibliography zu Lewis Nkosi und Sekundärliteratur
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