| Meja
Mwangi: Nairobi, River Road [Going Down River Road] Wuppertal: Hammer, 1982. Carola Bönhnk, Übs. Broschiert, 309 Seiten – |
| Ein Kenner bestätigte nach der Lektüre von Gioconda
Belli: Bewohnte Frau
( Ben zerrt uns in eine Slumbehausung in Nairobi, genauer in die Grogan Road. Er gibt nur immer River Road an, weil sie relativ besser ist. Keiner von uns würde es dort aushalten. Dabei hat es der Bauarbeiter Ben noch gut: er hat Freundin Wini mit Bürojob; sie brachte Baby, einen Sechsjährigen mit, von dem sich später herausstellt: Ben ist nicht der Vater. Der Hauptschauplatz ist aber nicht die schmutzige, unhygienische, lärmende Baracke oder Strasse sondern es sind das im Bau befindliche Development-Hochhaus und die zahlreichen Kantinen und Kneipen. Am Bau sind schreckliche Zustände, die oft an den Catch-22 ( Insgesamt haben die Leute um Ben keine Perspektive; sie könnten aus einem tief gesunkenen Tortilla Flat ( |
| Die rauen Sitten fordern eine raue Sprache und Mwangi
gibt sie uns. Von kleinen Übersetzungsschnitzern abgesehen ist die
Übersetzerin Carola Bönkh auf der Höhe des Autors, oder besser: auf
dessen Tiefe. Ein typischer Dialog am Bau: "Hast du den Sohn des indischen Stück Scheiße gesehen?" "Nein" "Ich bringe die Sau noch um ..." (S. 123). Gleich darauf droht der bekiffte Vorarbeiter Yussuf Wanjiru rauszuwerfen, wenn er noch einmal (am Bau!) eine der "Nagel-Frauen" ohne seine Zustimmung (!) vergewaltigt (S. 123). Andere verhasste Bauarbeiter kann Yussuf aber nicht feuern, da einer davon einen Bruder in einem hohen Amt hat. Da wird dann schon mal ersatzweise ein tödlicher Unfall arrangiert. |
| Köstlich schildert Mwangi den monatlichen Zahltag (S.
229-231). Er glich dem wöchentlichen Zahltag (im Jargon: "Marie
Empfängnis) beim Schülerjob auf dem Bau. Nach Beruhigung aller
Gläubiger war die Freitag-Nachtvorstellung im Kino oft schon wieder nur
auf Pump möglich. Großartig (OK, ist der Lage der Betroffenen nicht angemessen) sind die Razzien in den Slums. Aufgrund von Epidemien werden die Behausungen abgerissen; außer man kann mit Bestechung den Abriß hinauszögern. Sobald die Abrißleute weg sind beginnt der Wiederaufbau. |
| Alle Personen sind kantig und gut vorstellbar. Baby, der sechsjährige Junge bei Ben, erschien mir
etwas konturlos und ohne Eigenleben. Einziges Manko des Romans: es findet keine Entwicklung statt. Zwei Ausnahmen: • Bens Freundin Wini haut mit ihrem Vorgesetzten ab und lässt Ben mit Baby allein; Bens Wutanfall (in dem er einen hohen Scheck als Abschiedsgeschenk vernichtet) war im ersten Moment schwer verständlich, doch Mwangi gelingt es ihn glaubwürdig zu machen. Wini packte ihr Chance am Schopf. • Ben wird zum Vorarbeiter befördert, was wenig bedeutet und eher droht Freundschaftsbande zu zerreißen. In etlichen Konstellationen wird man nicht nur an Tortilla Flat erinnert, sondern allgemein an John Steinbeck, der oft die Symbiose zwischen aufeinander Angewiesene thematisiert; ganz typisch in Of Mice and Men. |
| Die Songtexte auf S. 176-79 konnte ich nicht
verifizieren. "Give me some of that funky thing" (S. 178) könnte Prince sein. Er singt in "Space (Funky Stuff)" aber: "Till you give me some of that funky stuff". In der Jukebox wird "Jungle Fever" gewählt (S. 179). Das ist wohl The Chakachas: "Jungle Fever" (1972; |
| Wer die Arbeiterliteratur der USA kennt und schätzt, findet in Nairobi, River Road ein afrikanisches Gegenstück, aber um etwas härter (Selby Jr. ausgenommen; Umwerfend, wenn mir auch jeglicher Hoffnungsansatz fehlte. Aber so ist es halt. |
| Meja Mwangi, * 1948 Nanyuki, Kenia, ist einer der bekanntesten zeitgenössischen Autoren Kenias. Deutscher Jugendbuchpreis 1992 für Kariuki. |
| Vergleichsliteratur |
| Hubert Selby. Jr.: Letzte Ausfahrt Brooklyn [Last Exit to Brooklyn] |
| John Steinbeck: Tortilla
Flat – |
| Links |
| Literatur |
| Bodil Folke Frederiksen (1993): "Living in the Neighbourhood of One's Dreams: The Role of Popular Wrinting in the Creation of the Ordinary". In: Raoul Granqvist, Hg.: Culture in Africa: An Appeal for Pluralism. Uppsala: Nordic Africa Institute |
| Bodil Folke Frederiksen (1995): "Ethnicity, Gender and Popular Culture in Kenya". In: Fiona Wilson, Bodil Folke Frederiksen, Hg.: Ethnicity, Gender and the Subversion of Nationalism. Routledge. S. 52-62 |
| Nici Nelson (1996): "Representations of Men and Women, City and Town in Kenyan Novels of the 1970s and 1980s". African Languages and Cultures, 9:2, S. 145-168 |
| Tom Odhiambo (2007): "Sexual Anxieties and Rampant Masculinities in Postcolonial Kenyan Literature". Social Identities 13:5, S. 651-663 |
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| Meja
Mwangi: Going Down River Road. Heinemann, 1976.
Taschenbuch, 215 Seiten
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