| Deon
Meyer: Devil's Peak [Der Atem des Jägers] London: Hodder & Stoughton, 2008. Broschiert, 409 Seiten – |
| Klischees
sind in Kriminalromanen und Thrillern weit
verbreitet. Moderne Autoren wollten sich davon frei machen und erfanden
neue: so der Kriminaler mit Familie und Beziehungen (Maigret war da
sehr bescheiden) und Schwächen. Meist werden sie irgendwann
hinausgeworfen oder des Auftrags enthoben oder pensioniert. Benny Griessel ist ein hervorragender Kriminaler, hat es aufgrund seiner Alkoholabhängigkeit im Dienst nicht weit gebracht. Seine Frau setzt ihn vor die Tür: Voraussetzung für seine Rückkehr ist ein halbes trockenes Jahr. Thobela Mpayipheli schaut zu wie sein Sohn in die Kugel von zwei Gangstern gerät. Die Tat wird gerichtlich nicht gesühnt. Thobela muss sich selbst helfen. Er sucht die beiden Täter und auf dem "Weg" dorthin wird er zum Serienmörder. Der Leser ist auf seiner Seite, da die Opfer scheußliche Täter sind und der Thobela nur der Gerechtigkeit nachhilft. Die dritte Hauptfigur ist ebenso klischeehaft. Christine van Rooyen litt unter einem religiös fanatischen Vater und flüchtet in die Prostitution. Sie gerät an den grossen Drogenbaron und in eine schwierige Situation. |
| Deon Meyers grosse Kunst besteht darin trotz der
formelhaften
Zutaten einen spannenden Krimi-Brei zu kochen, mit vielen
Überraschungen. Die drei Stränge werden ungezwungen verflochten. Zudem präsentiert Meyer etliche Varianten zum Thema: Eltern-Kind-Verhältnis. Benny hat zwei Kinder, Fritz und Carla, die ihm nach dem Rauswurf fehlen. Seine jahrelange Alkoholsucht verhinderte, dass er ein guter Vater wurde, trotzdem halten die Kinder auch zu ihm. Christine hat ein Kind, dessen Erziehung und Aufbewahrung sie mit ihrem Beruf vereinen muss. Bei Thobela ist der Kindverlust endgültig. |
| Standardvorwurf: fast alle zeitgenössischen Krimis sind zu aufgebläht, kurz: zu lang. Devil's Peak ist keine Ausnahme, manchen Absatz hätte man mit Gewinn streichen können. Nur ein Beispiel: Um den Showdown hinauszuzögern erzählt uns Benny zum zweiten Mal ausführlich, warum er kein Bassist sondern Polizist geworden ist (S. 372). Wohlgemerkt: Devil's Peak wird nie langweilig, hätte aber noch gewinnen können. |
| Devils Peak ist aus dem Afrikaans (Originaltitel: Infanta) ins Englische übersetzt. Ich fühlte mich verschaukelt, denn dann hätte ich auch die deutsche Übersetzung lesen können (ich vermutete, wie bei Coetzee es sei die englische Originalversion). Doch ich las, dass die deutsche Ausgabe aus dem Englischen übersetzt wurde. Das versöhnte. |
| Krimi
aus Südafrika bester Klasse. Devils Peak
hätte "allerbest" verdient, wenn Meyer nicht zuviel hinein gepackt
hätte. Er verstand es trotzdem ein stimmiges Bündel zu schnüren. Also: Traumnote minus 1. |
| Links |
| Literatur |
| Deon
Meyer: Der Atem des Jägers. Delta, 2007 4 Audio-CDs
Thomas Friebe, Sprecher
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