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Cooke

Van Wyck Brooks über Rose Terry Cooke
Auszug aus: Neu-England. Spätsommer 1865-1915
    "Die besten Schilderungen des bäuerlichen Neu-Englands, die von bleibendem Wert waren, stammten aus der Feder von Frau Stowe und Frau Cooke, Rose Terry Cooke, die ebenfalls in Hartford lebte. Auch früher hatte es schon Schriftsteller, wie zum Beispiel Catherine M. Sedgwick, gegeben, die das bescheidene Dasein des Landvolkes beschrieben hatten, doch vor diesen bewunderswerten Realisten mit ihrer heimatlichen Kunst hat niemand seine Farbe und Würze, seine urwüchsige Kraft und seine Gefühlstiefe wahrheitsgetreu vermittelt." (S. 91-92)
    "Sie [Cooke] war es, die die ländliche Erzählung schuf, die dann später durch andere Schriftsteller mit mehr Geschick weiter entwickelt wurde. Rosen Terry Cooke war die Begründerin der Schule, die Fräulein Jewett, Fräulein Wilkins and Alice Brown hervorbrachte." (S. 92)
    "Wie viele Anzeichen einer geschwächten Lebenskraft machten sich in diesem Dorfleben bemerkbar, wie viele keifende Weiber und mürrische Ehemänner gab es da, welche Habsucht und Gemeinheit neben allem Mut. Und dennoch fand man in diesen Bergstädten des westlichen Neu-Englands, die auf fichtenbestandenen Granitkämmen errichtet waren - in diesen Stoneboros, Newfields und Wingfields mit ihren Gebirgstälern, denen der Teufel ebenso wie den Schluchten, Brücken, Punschbowlen und Kanzeln ihren Namen gab -, noch jugendlichen Ehrgeiz, sich befehdende Liebhaber, riesige Feste, Frohsinn und Lebensfreude. Ging in einer von Frau Cookes Erzählungen ein junger Mann nach Kalifornien, so fand sich stets ein anderer junger Mann, der an seine Stelle trat, ein unternehmungslustiger Yankee mit viel »Fähigkeit«, und bei all dem Häßlichen und dem Schrecklichen, das es in den besten dieser Erzählungen gab, war die umgebende Atmosphäre lebendig. Man hörte das muntere Glockengeläut der Schlittenpartien im Dunkel der Nacht, Tanzereien in Scheunen und sah fleißige Pikeestickerinnen. Stets fühlte man sich in eine der frischen kleinen Szenen versetzt, wie sie auf den Drucken von Currier und Ives dargestellt sind.
    Vielleicht waren es Frau Cookes Erzählungen, die Henry James im Sinne hatte, als er sagte: »Ich hasse diese alten Neu-England-Geschichten – denn sie sind dürftig und blaß, arm und häßlich.« Frau Cookes Welt war ungewöhnlich reizlos, und nur wenige ihrer Erzählungen hoben sich über diese Dürftigkeit und Blässe hinaus. Ihre Tanten Nancys und Fräulein Semanthas, ihre Aceldamas und Sary Anns, ihre Amasas, Celestys, Philurys und Sallathiel Bumps mit ihren Leberbeschwerden und ihrem Rheumatismus, ihren moralischen Kanten und geistigen Haken ließen einer lebhaften Phantasie allerdings nur wenig Spielraum. In diesen kunstlosen Erzählungen hörte man zu viel von Kamelhaarschals und schwarzem Alpaka, bestem schwarzem [sic] Seidenatlas, von muffigen provisorischen Schlafzimmern neben der Küche und verdunkelten, nach schlecht gelüfteten Federn riechenden Wohnzimmern. Leute, die bei Tisch nicht »plauderten« oder deren Gefühle und Gedanken nicht fein waren, konnten auf diesem dichtbevölkerten Planeten nicht damit rechnen, viele Liebhaber zu finden. »Wie eine taube Natter verstopfet der Leser sein Ohr vor ihnen, und er wird nicht auf die Stimme der Zauberin lauschen, wenn sie auch noch so geschickt betöret.« Allzuoft beschrieb Frau Cooke sie mit solchen Worten in einer provinzialen Umgebung, bei der jede Geziertheit unangebracht ist. Doch einige dieser Erzählungen waren mit ihrer rauhen Lebensechtheit als Geschichtsbilder niemals durch Werke späterer Schriftsteller zu ersetzen, und als Geschichten waren einige – Zu spät (Too Late) und Der Bericht des Thomas Tucker (Some Account of Thomas Tucker) – in ihrer glatten Endgültigkeit fast ohne Vergleich. Im Laufe zweier Generationen kamen viele Schriftsteller – Fräulein Jewett, Mary Wilkins und Edith Wharton, Robinson, Frost und O'Neill – in diesem alten Neu-England mit seinen verzweifelten Leidenschaften und seiner wilden Reue auf ihre Rechnung. Sie wußten, daß mit Weinlaub überwachsene Vulkane unter der sanft gewellten menschlichen Oberfläche lagen. Zumindest war Rose Terry Cookes Zu spät der Vorläufer all ihrer Erzählungen, Theaterstücke und Gedichte." (S. 93-95)
Auszüge aus: Van Wyck Brooks: Neu-England. Spätsommer 1865-1915. Wiesbaden: Metopen, 1950. Margarete Kraiker, Übs. [New England: Indian Summer]
Van Wyck Brooks, 16. Feb. 1886 Plainfield, N.J. – 2. Mai 1963, Bridgewater, Conn.
1936 Pulitzer Prize: History for The Flowering of New England
1940 New England: Indian Summer
brooksBrooks, Van Wyck (1886-1963)
brooksAnswers.com
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