| Juan
Pablo
Villalobos: Fiesta in der Räuberhöhle [Fiesta en la madriguera] Carsten Regling, Übs. Berlin: Berenberg, 2011. Gebunden, 76 Seiten – |
| Ein aufgeweckter Bursche erzählt aus der Tiefe
der Räuberhöhle, die – wenn man ihm glauben darf – ein Palast
ist. Schon bald merkt man warum: es handelt sich um eine mexikanische
Drogen- und Waffenhändlerbande, die weit ab von allen anderen
Ansiedlungen ihre Basis unterhält. Anscheinend ist Tochtli, so der Name
des Ich-Erzählers, der Sohn des Drogenbarons. Merkwürdig ist die
Perspektive des naiven Kindes. Tochtli geht mit Tod und Waffen schuld-
und sorglos um. Trotzdem wird er von den Verbrechern und besonders von
Mazatzin, einem gescheiterten Intellektuellen, soweit es geht
schulmäßig unterrichtet. Er lernt seltsame Worte und kategorisiert die
Nationalitäten. Franzosen sind beispielsweise anständige Menschen, da
sie die Guillotine erfunden haben und diese tötet ohne großen
Blutverlust. Nur ein kleines Indiz zeigt, dass Tochtli, trotzdem es weder an Pesos noch Dollars oder Euros mangelt, kein ideales Leben führt: er ist psychosomatisch angeschlagen. Im Mittelteil will die Bande den „Kinderwunsch“ nach einem liberianischen Zwergnilpferd direkt vor Ort erfüllen. Es gelingt nur bedingt. Zurück in Mexiko ist ein Verrat zu überstehen. Doch das Leben geht mit einer Fiesta weiter. |
| Wie weit der kleine Roman etwas Allgemeingültiges über die Situation in Mexiko offenbart kann ich nicht beurteilen. Man kann jedenfalls verstehen, dass der Gangstersohn das Geschehen nicht reflektieren kann. Ihm fehlt schlicht jede Vergleichsmöglichkeit. Lesenswert ist diese Miniatur aus der kindlichen Perspektive. |
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