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Garcia Márquez Gabriel
Garcia Márquez, Gabriel: Die Liebe in den Zeiten der Cholera
[El amor en los tiempos del cólera]. Aus dem kolumbianischen Spanisch von Dagmar Ploetz. Kiepenheuer & Witsch 1987. 509 Seiten
Entgegen der landläufigen Meinung empfand ich beim Lesen der Hundert Jahre Einsamkeit [Cien años de soledad] von Garcia Márquez Langeweile. Ich mußte mich zum Lesen zwingen. Mit gemischten Gefühlen ging ich deshalb an die Lektüre des späteren Romans Die Liebe in den Zeiten der Cholera.
Die Handlung ist überzeugender als im weltberühmten Cien años de soledad. Sie erzählt von der fünfzigjährigen Ehe zwischen Fermina Daza und Juvenal Urbino und von der noch längeren Liebe und Verehrung Florentino Arizas für Fermina. Sie mündet schließlich in eine Altersliebe, die zum Schluß des langen Romans noch einen Höhepunkt bringt. Die Zeitstränge verwendet der Autor locker, was die Lektüre nicht erleichtert und oft Ereignisse und damit die Spannung vorwegnimmt. Gewitzt durch die Hundert Jahre Einsamkeit legte ich bei diesem Buch gleich einen großen Zettel bereit, um die vielen Personen und ihre Beziehungen aufzuzeichnen. Das hilft sehr. Trotzdem ich mich nicht zum Lesen zwingen mußte, kam nur selten Lust am Umblättern auf, die Protagonisten ließen mich auch hier merkwürdig kalt. Kleine groteske Einwürfe, die manch anderer Romancier zu ganzen Kapiteln ausgebaut hätte, erwärmen und erfreuen. Beispiel: auf Seite 109 spielt Florentino Ariza Geige auf dem Armenfriedhof (vergleiche griechischer Redner Demosthenes, Jazzsaxophonist Sonny Rollins auf der Brücke) "und ließ sich eines frühen Morgens von einer Militärpatrouille dabei überraschen, wie er mit seinen musikalischen Ausschweifungen die Keuschheit der Toten störte. Nur durch ein Wunder entging er einer sofortigen Exekution, hielt man ihn doch für einen Spion, der in G-Dur verschlüsselte Botschaften an die liberalen Schiffe übermittelte, die in den nahen Gewässern kreuzten." Graham Greene hätte darüber einen Roman geschrieben. Ein Hauptthema aus Die Liebe in den Zeiten der Cholera, die Liebe im Alter, fand ich vor wenigen Monaten in Alan Islers The Prince of West End Avenue ansprechender und kurzweiliger geschildert.
Insgesamt nur OK. Immerhin um einiges besser als Hundert Jahre Einsamkeit
"Dieser Roman ist die Vision der einzig möglichen Form von Utopie am Ende des Jahrhunderts; eine Utopie im Zeichen des Zorns (cólera) gegen eine Jahrhundertgeschichte, welche die Epochen der Utopien zu Ende geschrieben hat." Rössner, Michael (Hrsg): Lateinamerikanische Literaturgeschichte. Stuttgart, Weimar: Metzler 1995
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garcia marquez Gabriel
Gabriel Garcia Marquez. Die Liebe in den Zeiten der Cholera. München, DTV, 2001. Taschenbuch - 503 Seiten

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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 31.3.2004