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Céspedes
Augusto Céspedes: Teufelsmetall, auch: Das Metall des Teufels
[El Metal del diablo, 1946] Bornheim: Lamuv, 1982. Taschenbuch, 334 Seiten.
Nachwort: Oscar Zambrano, Ana Maria Brock, Übs. – Augusto LinksAugusto Literatur

Wie ich lese, ist dies der klassische Bolivien-Roman.
Er schildert die Karriere des Mestizen Zenón Omonte vom ärmlichen Hirten zum mächtigen Industriemogul, einem der reichsten Männer der Welt.
Er ist damit die Geschichte von Rohstoffen, hier: Zinn, das Teufelsmetall »diabolus metallorum«, und deren Gewinnung. Es versteht sich fast von selbst, dass die dazu nötigen Menschen gnadenlos versklavt und ausgebeutet werden. Ein Aufstand der indigenen Bevölkerung wird am Romanende noch brutal vom Militär niedergeschossen. Zugleich lernt man die Anfänge der Globalisierung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennen. Ausgebeutet werden nicht nur die Menschen, auch das ganze Land wird seiner Bodenschätze beraubt und muss für viele Jahrzehnte in jeder Hinsicht bluten.
Nutzniesser sind einzelne superreiche Familien und US-Firmen.
Die Umstände des Emporkömmlings zeigt alle Facetten, die man von ähnlichen Karrieren gewohnt ist. Je weiter er nach oben kommt, desto mehr vergisst er Herkunft und seine Leidensgenossen. Begleitet wird er von den Politikern, der Kirche und anderen Mächtigen (S. 121 u.a.). Auch die Muster der Desavouierung, Hrabsetzung und Unterdrückung sind bekannt. Die Indianer verarmen und Mr. Stevenson tut es ab mit: "Die Indianer wollen leben wir die Tiere". Sie "keinen keine Hygenie. Sie lieben den Schmutz und sterben daran, einfach weil sie sich vernachlässigen" (S. 209).
Augusto Céspedes über den gealterten Zenón Omonte: „Seine Verdauung hat einen solchen Zustand der Vollendung erreicht, dass er noch aus zehntausend Kilometern Entfernung die Stoffe assimiliert, welche die Indianer seines Landes mit Hilfe ausländischer Technik den Eingeweiden einer aufgebrochenen Erde entreißen. Sein Alter und sein Reichtum haben ihm beinahe den Rang eines lebenden Buddhas verliehen, ..." (S. 13).
Das ist eine der vielen Stärken des Romans: der Autor beschreibt mit einem oder wenigen Sätzen treffend eine Situaion. So auch die Motivation der Glücksritter in oder um die Zinnbergwerke: "Alle wollten binnen vierundzwanzig Stunden ihr Glück machen, und diese Hoffnung nährten sie ein ganzes armseliges Leben lang" (S. 51).
Globalisierung zu Beginn des 20. Jahrhunderts
"Großkapital ist international und muß von großen Zentren aus gesteuert werden" (S. 218)
Céspedes hatte als Vorbilder (die er nie zugestand) die bolivianischen Zinnkönige Simon J. Patiño, V. Aramayo und M. Hochschild. Er gehörte zur politischen und literarischen Gruppe Generación del Chaco, die nach dem Chaco-Krieg der dreißiger Jahre entstanden ist.
Der Autor selbst kam ab 1980 in schiefes Licht, als er sich ohne weiteres der hochgeputschten Militärjunta in Bolivien andiente.
El Metal del diablo erschien 1946 in La Paz; deutsch erstmals 1964. Es löste einen politischen Skandal aus: jeder wußte, wer mit Omonte gemeint war.
Noch heute sind die Reichtümer in Bolivien ungleich verteilt, die indigene Mehrheit hat weniger Rechte. Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas!
Ausbeutung und Karrieren auf Kosten aller anderen las man schon oft (Augusto Vergleichsliteratur). Hier werden die Mechanismen recht deutlich. Die Globalisierung zeigt ihr häßliches Gesicht schon ab 1900. Durch den Präsidenten Evo Morales rückte Bolivien mehr in den Blickpunkt, auch deshalb: überaus lesenswert!
Augusto Céspedes
bolivianischer Schriftsteller und Politiker, 6. 2. 1904 Cochabamba – 11. 5. 1997
Vergleichsliteratur
Augusto F. Scott Fitzgerald: The Great Gatsby
Budd Schulberg: Was treibt Sammy an? [What Makes Sammy Run?]
Augusto Stendhal: Rot und Schwarz
Links
AugustoGeschichte im Roman: Teufelsmetall
AugustoGerhard Dilger: "Streit um Zinn-Mine in Bolivien eskaliert", Taz 9.10.2006
AugustoChronik Boliviens
AugustoPeter Kümmel: "Ein Kind, dem man das Meer geraubt hat", Die Zeit, 9.6.2004
Simón Ituri Patiño, 1868-1947: AugustoEncyclopediaAugustoHall of Fame
Literatur
Aurelio Fuentes Rojo: "El Metal del diablo", Kindlers Literaturlexikon S. 6260
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Céspedes CéspedesAugusto Céspedes: Teufelsmetall. Roman aus Bolivien. Bornheim: Lamuv, 1982. Taschenbuch, 334 Seiten


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