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Yasunari Kawabata
Yasunari Kawabata: Schneeland
[Yukiguni]. Oscar Benl, Übs. In: Die Tänzerin von Izu, Tausend Kraniche und andere Ausgewählte Werke. Zürich: Coron, 1970. S. 169-287
Shimamura, verheiratet, zwei Kinder, hat in den Bergen, im Schneeland, eine Geliebte. Seine jährlichen Besuche bei dieser Geisha Komako schildert der Roman.
Das Schneeland ist vom wirklichen Leben in der Großstadt (das nur marginal vorkommt) weit und dezidiert abgesetzt: es liegt in den Bergen, erreichbar per Eisenbahn nach einem langen Tunnel. In den Besprechungen zum Roman wird immer von der Kälte geschrieben. Ich sehe es begründet anders. In Schneeland geht es doch um die große Zuneigung des Großstädters Shimamura zu Komako und – so las ich den Roman – seine heimliche, uneingestandene Liebe zu der Nebenfigur Yoko. Kawabata selbst bezeichnet Schnee als Symbol für die Frische des Lebens (S. 268).
Wie schon in Tausend Kraniche wird zwar in 3. Person erzählt, aber der Leser sieht alles durch den Protagonisten. Die Sprache ist stellenweise (trotz der späteren, anscheinend angemesseneren Neuübersetzung) wunder schön und tiefsinnig bis zur Überspanntheit. Gleich eingangs heißt es beispielsweise: "Die Nacht war weiß bis auf ihren Grund" (S. 171). Oder:
Yokos Stimme, die so schön klang, daß einen Wehmut beschlich, tönte noch immer in seinen Ohren. Es war ihm, als hallte ein fernes Echo aus den schneeigen Bergen. (S. 224)
Mir gefällt die unauffällige Technik des Autors in das Beziehungsgeschehen kurze Beobachtungen, oft über die Natur einzuwerfen.
Shimamura ist mit Komako in einem Gasthof. Der Dialog wird unterbrochen und er sieht aus dem Fenster. Diese kurze Betrachtung der Außenwelt schließt mit: "Der Diener des Gasthofs warf aus dem Korridor, der zum Badehaus führte, den karpfen im Teich Futter zu" (S. 245). Noch ein Beispiel:
Als er das Fenster aufmachte, um die von Yoko getötet Motte hinauszuwerfen, sah er, wie Komako betrunken mit irgendeinem Gast ein albernes Gesellschaftsspiel trieb. Der Himmel war mit Wolken überzogen. Shimamura ging ins Bad. (S. 261, Hervorhebung H.H.)
Diese Einwürfe kommen mir wie Farbtupfer in einer ansonsten kargen Zeichnung vor.
Mir gefiel auch dieses (für mich zweite) Werk des Nobelpreisträgers ausgezeichnet.
Zur Neuausgabe bei Suhrkamp heisst es: "Eines der Hauptwerke des japanischen Nobelpreisträgers für Literatur Yasunari Kawabata (1899–1972) ist von Tobias Cheung neu, erstmals textgetreu übersetzt worden." Vielleicht liegt es an der Übersetzung Oskar Benls, daß mir Schneeland nicht ganz so poetisch und eingängig wie Tausend Kraniche erschien.
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kawabata Yasunari KawabataYasunari Kawabata: Schneeland. Tobias Cheung, Übs. Frankfurt am Mian. Suhrkamp, 2004. Gebunden, 150 Seiten

Yasunari Kawabata
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 13.3.2004