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Ogawa
Yoko Ogawa: Schwimmbad im Regen
[Ninshin Karenda, 1991]. München: Liebeskind, 2003. 157 Seiten. Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler, Übs.
ogawa Linksogawa Literatur

In dem schmalen Band Schwimmbad im Regen sind drei Kurzgeschichten zusammengefasst.
Das Wohnheim – Tagebuch einer Schwangerschaft – Schwimmbad im Regen.
Alle drei werden von einer weiblichen Ich-Erzählerin vorgebracht. Sie erzählt realistisch, in "Das Wohnheim" über einen jüngeren Cousin, den sie in einem Studentenwohnheim unterbringt. Das Wohnheim hat einen sonderbaren Verwalter und auch sonst einige Merkwürdigkeiten. Die Erzählerin selbst ist verheiratet, ihr Mann beruflich in Schweden, geht davon aus, daß seine Frau nachkommt. Doch diese hält sich nicht an seine breiflich übermittelten Checklisten, sondern meint: "Ich würde Schweden wohl niemals erreichen" (S. 57). Den Grund kann jeder Leser nur selbst finden. Mich erinnerte es an Catch-22 (ogawa Rezension). Der US Air Force Soldat Orr rudert (!) vom Mittelmeer nach Schweden um dem Kriegsgräuel zu entkommen. Yossarain will ihm nach, doch Major Dunbar prophezeit: "You'll never make it. It's impossible" (S. 568).
In "Tagebuch einer Schwangerschaft" schildert die Ich-Erzählerin tagebuchartig die Misere mit ihrer schwangeren, älteren Schwester. Diese junge Frau magert zunächst ab, stürzt sich dann aber heißhungrig auf die Grapefruitmarmelade. Das hat Folgen.
Wie man ein Schwimmbad mit einer Schulküche zusammenbringt, erklärt in der titelgebenden dritten Geschichte ein Mann der Erzählerin.
Die beiden ersten Geschichten haben zwar einen Clou, der aber recht unspezifisch die Erzählung beendet. Alle drei Geschichten leben mehr von den Andeutungen, so wenn im "Tagebuch einer Schwangerschaft" die Schwangere seit langem einen Arzt (Psychotherapeut?) besucht. Ogawas Welten zeigen Risse, die aber von der Autorin nicht ausgebaut werden.
Yôko Ogawa regt die Fantasie an. Vielleicht deutet sie aber zuviel nur an (einmal wird Honig, ein andermal Eidotter als Blut gedeutet), läßt den Leser mit Vermutungen alleine. Aufgrund des guten Stils und der soghaften Handlung sind alle drei Geschichten sehr gut zu lesen.
Für Schwimmbad im Regen erhielt Yôko Ogawa den renommierten Akutagawa-Preis. Sie schaffte damit ihren Durchbruch. Der japanische Literaturpreis wird halbjährlich für die beste Prosa eines neuen japanischen Autors vergeben. Er wurde 1935 vom Autor Kikuchi Kan zu Ehren seines Freundes und Schriftstellerkollegen Akutagawa Ryunosuke gestiftet.
Yôko Ogawa
* 1962 Okayama; lebt mit Mann und Tochter in der Stadt Ashiya in der Präfektur Hyogo. Schwimmbad im Regen vereint drei preisgekrönte Erzählungen, mit denen Yôko Ogawa in Japan den literarischen Durchbruch schaffte. Sie ist Autorin mehrerer Romane und zahlreicher Erzählungen. in Japan zählt Yôko Ogawa zu den wichtigsten Autorinnen ihrer Generation.
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Ogawa blablaYoko Ogawa: Schwimmbad im Regen. München: Liebeskind, 2003. 157 Seiten. Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler, Übs. Gebunden

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