Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Ogawa
Yoko Ogawa: Hotel Iris
[Hoteru Airisiu] München: Liebeskind, 2001. Gebunden, 223 Seiten.
Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler, Übs. – ogawa Linksogawa Literatur

Die siebenzehnjährige Mari arbeitet an der Rezeption des von der Mutter geführten Hotels in einem japanischen (?) Badeort. Trotz ihres Alters und ihrem ständigen Umgang mit Menschen ist sie völlig weltfremd. Das mag man der Unterdrückung und Gängelei ihrer Mutter zuschreiben. Sie verfällt einem alten Russischübersetzer und seinen perversen sexuellen Praktiken (Sadomasochismus). Er wohnt auf einer nahen Insel und beide treffen sich nun regelmäßig. Mari fallen gelungene und absurde Ausreden ein um ihren Job im Hotel für wenige Stunden unterbrechen zu können.
Eines Tages bricht in die Routine des Badeorts der Tod ein: es werden massig tote Fische ans Land gespült. Die Touristik geht schlagartig zurück. Konstant bleiben die Treffs mit ausführlicher Schilderung der abstoßenden Handlungen.
Wie schon in Schwimmbad im Regen (ogawa Rezension) schätzte ich das erzählerische Können der Ogawa. Sie schafft es in wenigen Sätzen Atmosphäre zu beschwören. Trotz der höchst unverständlichen Zuneigung Maris bringt Ogawa genau das glänzend zum Leser. Die Ich-Erzählerin sagt:
"Obwohl ich weinte, dachte ich an den Tonfall seiner Stimme, als er »Wagen Sie es nicht« gerufen hatte. Ja, es war wieder dieser ganz besondere Klang in seiner Stimme gewesen, der mein Herz zum ersten Mal im Hotel Iris so sehr berührt hatte. Seine Stimme war wie ein Lichtstrahl im finsteren Chaos. In ihr lag eine unbeugsame Stärke." S. 60
Auch Naturschilderungen fetzt die Autorin in drei Sätzen hin. Großartig.
"Nachdem wir auf der Insel angekommen und von Bord der Fähre gegangen waren, hatte der Wind stetig zugenommen. Die Zweige der Kiefern, die auf den Klippen der Bucht wuchsen, bogen sich nach Westen. Auf einmal zitterten die Fensterscheiben und innerhalb weniger Minuten blies der Wind so heftig, als wollte er das ganze Haus in die Luft heben." S. 199
Im Gegensatz zu Ogawas Erzählband Schwimmbad im Regen fehlt hier das geheimnisvolle Moment. Halt, doch, der Tod der Fische am Strand. Geheimnisvoll bleibt mir die merkwürdige Altersdifferenz, die nach Nabokovs Lolita jahrelang (so weit ich weiß) nicht thematisiert wurde, in den letzten Jahren aber einen unheimlichen Boom hat. Ich erinnere mich an die zahlreichen alter Professor – junge Studentin Affären (ogawa J. M. Coetzee: Disgrace, ogawa Philip Roth: The Human Stain, ogawa Zeruya Shalev: Liebesleben, ...). Seltsam ähnlich sind es immer wieder folgende unmögliche Konstruktion: alter, meist noch unsympathischer Mann und junges, bildhübsches, restlos verfallenes Mädchen.
Nun, diese seltsame Konstellation würde man gelassen hinnehmen, käme hier nicht der satt ausgewälzte S&M Kram hinzu. Wen es juckt oder gefällt, daß eine 17-jährige dem Opa den Anus ausleckt, der mag es lesen oder tun. Ich will darüber nichts lesen.
Was das Buch trotz aller Kritik lesenswert macht, sind die dichten Schilderungen der Szenen im Hotel, im Restaurant, auf dem Boot und der genügsame, schnell zeichnende Stil der Yoko Ogawa.
Links
ogawa Yoko Ogawa: Schwimmbad im Regen
Literatur
Bei Amazon nachschauen   Bei Amazon nachschauen
Ogawa OgawaYoko Ogawa: Hotel Iris. München: Liebeskind, 2001. Gebunden, 223 Seiten. Ursula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler, Übs. Ogawa
Yoko Ogawa: Hotel Iris. München: Dtv, 2005. Broschiert Ogawa

Ogawa
Email zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 1.3.2005