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Pamuk
Orhan Pamuk: Rot ist mein Name
[Benim Adim Kirmizi]. Frankfurt: Fischer, 2003. Ingrid Iren, Übs. 556 Seiten – Pamuk LinksPamuk Literatur
Der Autor Orhan Pamuk bekam für Rot ist mein Name in Deutschland beste Kritiken. Vor allem wegen seines neueren Romans Schnee kam er ins Visier radikaler türkischer Nationalisten
(Pamuk Literaturzensur weltweitPamuk Bücherverbrennung in der Türkei verhindert) und bei mir in der Leseliste weit nach oben. Dann erhielt Pamuk noch den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2005: höchste Lesezeit für Rot ist mein Name.
In Istanbul wird im Jahr 1591 ein Buchillustrator ermordet. Der Padischah wollte sich durch ein opulentes Buch verewigen. Um niemand den gesamten Überblick zu gewähren, wird die Arbeit an diesem Werk auf viele Illustratoren verteilt. Zwischen den Künstlern entsteht Neid und Ehrgeizdruck. Dazu kommt der Widerstreit zwischen zwei grundsätzliche künstlerischen Richtungen: die "fränkische" = westliche neue Art der Illustration und Buchkunst versus der traditionellen osmanischen. Die fränkische Art zeichnet sich durch den Einbezug der Perspektive aus. Eine ähnliche Diskrepanz entsteht durch zu freizügige (aus Sicht des Islams) Bilddarstellungen. Dieses übergeordnete Thema der Kunst: Avantgarde gegen Tradition – auf der politischen Ebene:Westen oder Osten – ist immer aktuell. Zur selben Handlungszeit spielt sich in der Kirchenmusik ein ähnlicher Streit um Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 Palestrina – 2.2. 1594 Rom) ab. Hans Pfitzner setzte dies genial in seiner Oper Palestrina (1917) um. Als Buch- und Leseliebhaber und als Bewunderer der Oper von Pfitzner lag mir das Thema des Romans durchaus am Herzen.
Pamuk behandelt seinen Stoff in vielen kurzen Kapiteln, die von jeweils einem anderen Erzähler stammen. Dieser Perspektivenwechsel kommt dem Leser entgegen. Vor allem gibt es Pamuk auch Gelegenheit zur Wiederholung. Bei den vielen Personen und verästelnden Sachverhalten des Romans erleichert dies das Verständnis.
Dem Sujet wohl angemessen ufert der Roman mit eingeschobenen Geschichten, Fabeln und Anekdoten aus. Dazu liest man endlose Detaildiskussionen über die osmanische Buchmalerei. Neckisch wirken die heimlich verwahrten freizügigen Bilder, die bei Hausdurchsuchungen einiger Illustratoren entdeckt werden. Nach aussen sind alle tief religiös, züchtig und Allah-treu.
Die 556 Seiten werden angereichert durch
  • eine Liebesgeschichte zwischen Kara und der verheirateten Seküre. Der Klamauk um ihre Scheidung und Wiederverheiratung ist köstlich. Für mich am besten gezeichnet war die Jüdin Ester, eine gute Ergänzung zu dem kurz zuvor gelesenen Alexander Lohner: Die Jüdin von Trient (Pamuk Rezension).
  • einen zweiten Mord und damit eine durchgehende Kriminalgeschichte: Wer war es? Durch die Atmosphäre und Üppigkeit an Umberto Eco: Der Name der Rose (Pamuk Rezension) erinnernd.
Doch während die beiden genannten Romane von Alexander Lohner und Umberto Eco bis an den Rand der ertragbaren Detailfreude gehen überschreitet Pamuk diese Grenze weit. Vielleicht fehlt mir da die orientalische Erzählfreude und Geduld. Ein Höhepunkt des Romans war die Hochzeit im Beisein des aufgebahrten toten Großvater (S. 270-276). Ansonsten langweiligte ich mich oft. Die Frage, wer der Mörder ist, berühte mich kaum.
Fazit: Rot ist mein Name ist nur dem zu empfehlen, der Tausendundeine Nacht als weitaus zu knapp empfindet.
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Pamuk PamukOrhan Pamuk: Rot ist mein Name. Frankfurt: Fischer, 2003. Ingrid Iren, Übs. Broschiert, 556 Seiten Pamuk
Orhan Pamuk: Rot ist mein Name. München: Hanser, 2001. Ingrid Iren, Übs. Gebunden Pamuk
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 15.10.2006