| Sebnem
Isigüzel: Am Rand [Cöplük, 2005] Berlin: Berlin, 2008. Gebunden, 528 Seiten. Christoph K. Neumann, Übs. – |
| Klappentext und manche Kritiken lasen sich so verheißungsvoll, dass ich diesen Roman – besonders auch wegen dem angekündigten Schachbezug – bald lesen musste. Er ist ein Fiasko. |
| Auf einer Müllhalde nahe Istanbul findet Leyla einen übel zugerichteten, fast toten Mann. Dessen Rettung durchzieht die ersten hundert Seiten. In zahlreichen Erzählkringel erfährt man auch die Vorgeschichte dieser merkwürdigen Frau auf der Müllhalde. Sie war einst mit ihren Eltern in Russland und avancierte dort zu einer guten Schachspielerin (was man von der Autorin kaum sagen kann). Freilich trat durch dieses Erzählverfahren der Roman auf der Stelle. |
| Nun war ich durch orientalische Erzählschleifen türkischer, arabischer und afrikanischer Romane schon gewitzt. "Das darfst du nicht wie eine epischen Roman lesen," sagte ich mir, "suche nicht nach zeitlichen oder rationale Zusammenhängen, lies die vielen Mosaiksteinchen genüsslich, wie man ein Glas Wein trinkt. Überlass dich der Obhut der Erzählerin". Ich versuchte es. |
| Doch
es blieb langweilig. Endlich
tauchte ein zweiter Erzählstrang auf (S. 97).
Die zweite Protagonistin Yildiz trat ein. Doch die Hoffnung auf
Erhellung der Lage trügte. Sebnem
Isigüzel verliert sich weiter in Details. Sollte ich mich zur
Lektüre peitschen? Nein, zahlreiche vielversprechende Bücher stapeln
sich bei mir. Die Literaturjournalistin Maike Albath las tapfer weiter und erkannte erst nach etwa dreihundert Seiten die "Penetranz" der Erzählerstimme (SZ, Literaturbeilage, 14.10.2008, S. 4). |
| Schach aus
der Baumschule Leyla war in der berühmten Schule des ehemaligen Weltmeisters Michail Botwinnik, zusammen mit Garri Kasparow und auch Anatoli Karpow war ihr nicht unbekannt. Sebnem Isigüzel lernte Schach aber – wie wir sagen – auf der Baumschule. • Leyla spielt ein Damengambit (1. d4 d5 2. c4) (oder was?) und bietet dazu die Dame zum Gambit an (S. 13).• Wettkampf Karpow-Kasparow. Dieser "hatte mit dem Bauer e7 begonnen" (also hatte Kasparow Schwarz) und Karpow zieht e5!? Diese Zugfolge ist nur in der Vorstoßvariante des Französischen möglich (1.e4 e6 2.e5), die aber zwischen Karpow und Kasparow – nach allem was ich kenne – nie aufs Brett kam. |
| Manche
Rezensenten erkannten "ziemlich verworren" und meinten das wohl als
Gütesiegel. Ich klappte nach 120 Seiten verärgert zu. Yildiz sagte es
schon auf S. 97: "Was vorbei ist, ist vorbei". Brutale und
abschreckende Szenen alleine machen noch keinen guten Roman. Wie schon |
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