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„Benedikt - Patron Europas auch im 21. Jahrhundert?”

27. Oktober 2007 Wasserburg am Inn
mit Pater Abt, Dr. Odilo Lechner OSB aus München (Abtei Sankt Bonifaz) 
& Pfarrer Dr. Bogdan Piwowarczyk: Bogdan Piwowarczyk

Anfang – Mitte – Ende
Die Frage beim zweiten Wasserburger Burgforum lautete „Benedikt – Patron Europas auch im 21. Jahrhundert?” Der Gast des Abends im vollbesetzten Rittersaal, der Benediktinermönch Dr. Odilo Lechner, hat daran keinen Zweifel:
Wasserburg - Vom Heiligen Benedikt von Nursia, den Papst Paul VI. 1964 in dem einst von Benedikt gegründeten Kloster Montecassino zum Patron Europas ernannte, von dessen Lebensweise und seinen Klosterregeln erzählte der ehemalige Abt der Abtei St. Bonifaz. Und um Antworten auf die Frage des Abends zu entwickeln, zitierte er Philosophen, Wissenschaftler und Schriftsteller, auch den türkischen Nobelpreisträger Orhan Pamuk, denn auch dieser habe von dem Glück gesprochen, dass bei allen Verwirrungen des Lebens ein Roman einen Rahmen habe, einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Der Rahmen, die Notwendigkeit der Kontinuität, um Stabilität zu erlangen, eine Identität, das notwendige Innehalten, um zu prüfen, ob die Richtung stimme und vor allem das ständige Abwägen des richtigen Maßes betonte Odilo Lechner immer wieder.
    Benedikt sei kein Visionär gewesen, aber er habe gewusst, er müsse an einem Punkt anfangen und das sei eine Ordnung für die Mönche gewesen in einem Kloster, einer kleinen Einheit, wo man selber entscheiden kann, „wie im Europa der Regionen”. Und Benedikt habe gesehen, was der Einzelne brauche. Dass jeder etwas Kostbares sei, eine eigene Würde habe, sei ein europäischer Gedanke und in einer Leistungsgesellschaft bei beschränkten Ressourcen Aufgabe Europas, das rechte Maß für Gerechtigkeit und Verantwortung immer aufs neue zu suchen.
    Europa habe viele Ideologien erlebt, Kriege, Kämpfe Altes gegen Neues erlebt, aber auch immer wieder einen Dialog gefunden, auch der Dialog der Gegensätze, Egoismus gegen Kollektivismus und das gemeinsame Gespräch kennzeichneten Europa. Benedikt habe für das Zusammenkommen von Gegensätzen einen transzendenten Standpunkt über allen einzelnen Interessen gehabt – Gott als Ziel, der alles zusammenfasse. „Wir haben den einseitigen Blick, Gott sieht alles zusammen in einer Einheit und von diesem Blick kann jeder durchdrungen sein und wer so mit Gott verbunden ist, hat ein weites Herz”.
    Europa, so der Doktor der Philosophie, Odilo Lechner, sei eine gemeinsame Aufgabe, bei der jeder wichtig sei. Wenn man ein Ideal habe, erreiche man die Ziele besser, weil sich jeder einbringe. Und auf dem Weg sollte man, wie es Benedikt getan habe, immer wieder die Realität anschauen.
    Pfarrer Dr. Bogdan Piwowarczyk vom Burgforum, das sich den Austausch in christlichem Geist in die Statuten geschrieben hat, lud die Zuhörer ein zur Diskussion, die mit der Frage begann, ob es Koexistenz von Individualismus und Kollektiv geben könne, wenn man nicht von einem Gott ausgehe? Oder ob die Regeln, die im Kloster gelten und vielleicht auch noch in einem Betrieb gut sein können, auf die Gesellschaft übertragen werden können. Ob man nicht auch zufrieden sein müsse, wenn Kollektivismus und Individualismus im Diesseits nicht erreichbar seien. Zur Frage Trennung der Einheit von Kirche und Staat setzt Lechner auf die Zusammenarbeit beider. Allerdings sei Kirche etwas Tragendes und müsse so der Stachel der Gesellschaft sein mit Aufforderung zur Veränderung.   
    Kernpunkt der Diskussion mit Abt Dr. Odilo Lechner waren die Pole Kollektivismus und Individualismus.
© Wasserburger Zeitung, 30.10.2007, S. 11; mit freundlicher Genehmigung
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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 30.10.2007