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Burgforum
Burgforum: Frauen vor
Wasserburger Nachrichten, 12/2010, 24. März 2010, S. 2 –
Bogdan 7. Wasserburger Burgforum März 2010Bogdan Piwowarczyk

Kämpferisch
Beim 7. Wasserburger Burgforum sind die Frauen im Mittelpunkt gestanden. Die EU-Parlamentarierin Angelika Niebler (CSU) forderte die Einführung der Frauenquote in ihrer Partei.
Von Eberhard Rienth
      Intention des Burgforums sei die Begegnung, eröffnete Pfarrer Bogdan Piwowarczyk vor rund hundert Gästen den Abend in der Wasserburger Burg. Der Pole und katholische Priester hieß am Freitagabend dazu die Landesvorsitzende der Frauen-Union willkommen, die nach ihrer rund dreiviertelstündigen Rede geduldig und konzentriert das Gespräch mit den größtenteils weiblichen Gästen suchte.
      „Die Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“ hatte das angekündigte Thema gelautet, woraus die 42 jährige Rechtsanwältin aus Vaterstehen im Landkreis Ebersberg dann „Frauen auf der Überholspur“ machte. Faktisch aber wurde es ein Abend, bei dem die EUAbgeordnete das aktuelle Thema der bayerischen Frauen-Union forcierte: Sie legte dar, weshalb es in der CSU der Einführung einer Quote für Frauen bedürfe. Dabei, so bekannte Niebler, die auch Mitglied im CSU-Landesvorstand und der CSU-Programmkommission ist, sei sie früher „eine streitbare Gegnerin“ einer zwangsweisen Festschreibung der Beteiligung von Frauen gewesen.
      Doch zeige die jetzt begonnene Diskussion über die Frauenquote eben auch das leider vorhandene Defizit. Niebler führte dazu auch die schlagzeilenträchtige Ankündigung der Deutschen Telekom ins Feld und nannte deren Absicht, den Anteil der Frauen im Telekom-Vor
stand zu quotieren, durchaus „revolutionär“. Denn: In den Vorständen der 50 größten Dax-Unternehmen sitze bislang nur eine Frau.
      Den Einfluss der Frau gelte es nicht nur in der Wirtschaft zu stärken, sondern auch in der Partei. „Wenn wir erfolgreich sein wollen, geht das nicht ohne die Frauen. Deshalb brauchen wir diese intensive, wenn auch sehr, sehr kontroverse Diskussion in der CSU.“ Denn Frauen hätten nun einmal „ein unglaubliches Talentpotenzial“. Ihr Umdenken hin zur Forderung einer Quote für Frauen bei Parteiämtern und Mandanten begründete die Mutter zweier Kinder mit der „ernüchternden“ Erkenntnis trotz vieler Appelle auch heute noch in der CSU nahezu unverändert der Anteil der Frauen nur bei rund 20 Prozent liege. „Unsere bisherigen Mahnungen haben nicht den erhofften großen Durchbruch in der Frauenemanzipation gebracht“ konstatierte Niebler. Ein entsprechendes Menoringprogramm, mit dem Frauen zur Mitarbeit in der Partei animiert werden sollten, sei zwar „wahnsinnig nachgefragt“ gewesen. „Aber wir haben damit lange nicht den erhofften großen Sprung gemacht.“ Deshalb gelte es nun, „die wahlfreien Jahr zu nutzen, dass die CSU offener, moderner und frecher wird“, gab sich die FU-Landesvorsitzende kämpferisch. Die Quote sei nicht nur ein moralisches Ziel: „Wir sind nur dann eine echte Volkspartei, wenn wir einen ausreichend großen Frauenanteil haben.“ Da klaffe aber etwas auseinander. Schließlich stellten die Frauen immerhin mit etwas mehr als 50 Prozent in der Bevölkerung die Mehrheit. „Wir müssen also als Partei attraktiv für Frauen werden“, forderte Niebler. Mit ihrem Satz „Die CSU muss die frauenfreundlichste Partei werden“, erntete sie gleichwohl an den Tischen verhaltenes Gelächter.
      Defizite sah Niebler allerdings auch bei den Frauen selbst: Sie müssten selbstbewusster, auch einmal laut werden können. Nur dann würden sie gehört.
      Beim 8. Burgforum am 1. Oktober spricht Bestseller-Autorin sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin Christa Meves zum Thema „Jesus und die Frauen“.
© Wasserburger Nachrichten, 24.3.2010, S. 2; mit freundlicher Genehmigung

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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 25.3.2010