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Burgforum
"Was ist das Leben?"
Wasserburger Pfarrer Gastredner in der Dombuchhandlung an der Frauenkirche

Pressewoche 14. Mai 2010, Seite 7 – Bogdan Piwowarczyk
München/Wasserburg - Als eine mit hochkarätigen Rednern besetzte Veranstaltungsreihe sind die Donnerstagsgespräche unter dem Motto „Theologie im Vorübergehen“ in der Dombuchhandlung an der Frauenkirche mittlerweile weit über die Grenzen Münchens hinaus bekannt. Einmal monatlich lädt die Buchhandlung zusammen mit dem Münchner Bildungswerk einen Referenten zum Vortrag aus den Bereichen Theologie, Kultur und Wissenschaft ein. Jetzt wurde diese Ehre Wasserburgs katholischem Pfarrer Dr. Bogdan Piwowarczyk zuteil.
     Fast bis auf den letzten Platz war die Dombuchhandlung mit Zuhörern gefüllt, die sich für das Thema des Abends „Mensch – Was ist dein Leben? Christ sein im 21. Jahrhundert“ interessiert zeigten. Ehe Pfarrer Piwowarczyk in medias res ging, erläuterte er den Anwesenden seine Herkunft aus Polen, seinen Weg zum Priesteramt und sein derzeitiges Wirken als Seelsorger in Wasserburg am Inn. Ebenso erzählte er von seiner Aktivität als Buchautor. Zwölf Bücher hat der polnische Geistliche bis heute geschrieben und publiziert. Laut Piwowarczyk kann die Zukunft der Menschheit nur christlich geprägt sein, wenn die Menschen an Gott glauben und sich mit Bescheidenheit sowie Ausdauer für Gott und ihre Mitmenschen einsetzen. Bei einer zentralen Aussage seines Referats berief er sich auf die Philosophin Edith Stein, dass derjenige, der die Wahrheit sucht, Gott findet. Wasserburgs Pfarrer sieht in der heute weit verbreiteten Unmenschlichkeit, dem Hass, der zu Kriegen führt, allen Formen von Terrorismus und Kriminalität eine Folge der Ungerechtigkeit und der immer stärker grassierenden Gottlosigkeit. Piwowarczyk kritisierte, dass viele Menschen, insbesondere in Europa, seit Jahren eine neue Weltordnung zu konstruieren versuchten, die sowohl völlig gottlos konzipiert sei als auch so gelebt werde. Der Pfarrer mahnte daher: „Eine gottlose Gesellschaft stellt für die Menschheit und vor allem für die Kirche die größte Herausforderung überhaupt in der Zukunft dar.“
     In den Tagen des Mixa-Rücktritts ging Piwowarczyk von sich aus auf die Tagesaktualität und die Krise, in der sich seine Kirche gerade befindet, ein. Der Pole gestand den Zuhörenden freimütig: „Ja, ich liebe die Kirche Jesu Christi, auch wenn sie heute mehr denn je in Frage gestellt wird.“ In einem leidenschaftlichen Plädoyer forderte Piwowarczyk „eine offene und einladende Kirche, die bereit ist, auch konstruktive Kritik zu hören, sich auf Neues einzulassen und Schritte ins Ungewisse zu wagen, so wie es einst Abraham schon tat“. Der mehrfache Buchautor definierte die von ihm postulierte „offene Kirche“ als keinen Zustand, sondern einen Auftrag, der immer wieder neu angenommen werden müsse.
     Piwowarczyk weiter: „Jetzt ist es Zeit, die fundmentalen Fragen zu stellen. Die zeitgemäße Glaubensvermittlung erfordert eine Auseinandersetzung mit den Problemen des Hier und Heute, mit dem, wozu es scheinbar keine Alternativen gibt.“
     Dem einen oder anderen Gast war die überraschende Offenheit des engagierten Priesters im Gesicht merklich anzusehen. So klare unmissverständliche Töne eines Vertreters der katholischen Kirche sind in diesen Tagen doch eher selten. Piwowarczyk nannte die katholische Kirche sogar „tot“, wenn sie nicht bald auf Offenheit und Transparenz umsattele. In dieser Entwicklung hofft der Pfarrer auf zurückgewinnende Kraft und Stärke, die seine Kirche für den Fortbestand unabdingbar benötigt. Eine mutlose und geschwächte katholische Kirche ist Piwowarczyk zufolge nicht dauerhaft überlebensfähig.
     Das Auditorium zollte dem rund einstündigen Vortrag großen Applaus, neben der Erkenntnis bringenden Inhaltlichkeit wohl auch für die praktizierte Aufrichtigkeit.
     Das nächste Donnerstagsgespräch in der Dombuchhandlung findet am 20. Mai um 19 Uhr statt. Redner ist dann Prof. Dr. Godehard Brüntrup von der Hochschule für Philosophie München. Er spricht zum Thema „Willensfreiheit und das Leib-Seele-Problem“. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Eine Anmeldung vorab ist nicht erforderlich.
Bogdan Godehard Brüntrup: Das Leib-Seele-Problem. Eine Einführung
© Pressewoche, 14. Mai 2010, S. 7; mit freundlicher Genehmigung

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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 21.5.2010