Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Paulus
Dr. Bogdan Piwowarczyk: "Ein großer Bekehrter lenkt den Blick
direkt auf Christus – Zum Paulus-Jahr 2008" – Teil 1

Klerusblatt. Zeitschrift der katholischen Geistlichen in Bayern und der Pfalz. 87 12/2007 – Piwowarczyk Teil 2
1. Teil
Die Geschichte der Menschheit war immer markiert durch außergewöhnliche Persönlichkeiten, deren Botschaft und Leben eine dauernde Aktualität haben. Zu ihnen gehört ein Mensch namens Saulus, geboren vor 2000 Jahren in der griechischen Stadt Tarsus (die Südostecke der heutigen Türkei), als Sohn einer jüdischen Familie mit römischem Bürgerrecht. Er war also kein Jude aus Palästina, sondern aus der jüdischen Diaspora und war auch der griechischen Sprache mächtig. Dieser außergewöhnliche Mensch, der zuerst als Verfolger der ersten Jünger Christi bekannt ist, der nach seiner Bekehrung im Zuge des Damaskusereignisses zum Apostel Paulus wurde, lädt uns ein, sich tiefer mit seiner Lehre und seiner Lebensgeschichte zu beschäftigen. Er ist derjenige, der als ausgebildeter Schriftgelehrter den Heiden den Zugang zur Frohen Botschaft eröffnete.

Um Paulus besser zu verstehen, sollten wir seine ursprüngliche kulturelle Umwelt kennen lernen, und um nachvollziehen zu können, wie er sich selbst gesehen hat, ist es hilfreich, einige Fakten aus seinem Leben zu erwähnen.

Sein Geburtsort Tarsus, die Hauptstadt der Provinz Zilizien in Kleinasien, gehörte zu damaliger Zeit zu den bedeutendsten Städten des Römischen Reiches: ein großes, multikulturelles Zentrum  ein Zentrum griechischer Kultur und Philosophie. Diese Völkergemeinschaft, mit ihrer kulturellen Aufgeschlossenheit und religiösen Vielfalt, hat den jungen Saulus sicher tief geprägt.

Saulus hatte streng religiöse Eltern. Er wuchs in der Welt der Pharisäer und Schriftgelehrten auf und wurde später nach Jerusalem zu dem angesehenen Lehrer Gamaliel geschickt, wo er eine religiöse Ausbildung erhielt, die etwa einem Universitätsstudium entspricht. Saulus wurde Pharisäer und Rabbiner; ein religiöser Eiferer und zu einem erklärten Feind des aufkommenden Christentums. Dies erfahren wir aus der Apostelgeschichte, wo er über sich selbst sagt: "Ich bin ein Jude, geboren in Torsus in Zilizien, hier in dieser Stadt (Jerusalem) erzogen, zu Füßen Gamaliels genau nach dem Gesetz der Väter ausgebildet, ein Eiferer für Gott ... Ich habe die neue Lehre verfolgt bis auf den Tod ... " (Apg 22,3–4).

Dieser eifrige Pharisäer nahm an den Verfolgungen der ersten Christen teil, die er für gefährliche Häretiker hielt und ihren Glauben als Gotteslästerung ansah. Auslöser für die erste große Verfolgung war die Steinigung des Stephanus, in die auch Paulus einwilligt und die er aktiv unterstützt, auch wenn er selbst nicht zu den Steinen griff (vgl. Apg 6,8-10; 7,54-59). Die unmittelbaren Folgen werden uns zu Beginn der Apostelgeschichte geschildert: "An jenem Tag brach eine schwere Verfolgung über die Kirche in Jerusalem herein. Alle wurden in die Gegenden von Judäa und Samarien zerstreut, mit Ausnahme der Apostel. Fromme Männer bestatteten Stephanus und hielten eine große Totenklage für ihn. Saulus aber versuchte die Kirche zu vernichten; er drang in die Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und lieferte sie ins Gefängnis ein." (Apg 8,13)

Bekehrung und Berufung

Saulus' Reise nach Damaskus sollte ebenfalls der Christenverfolgung dienen. Auf diesem Weg, kurz vor der Stadt, passierte aber folgendes: "Als er sich bereits Damaskus näherte, geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich? Er antwortete: Wer bist du, Herr? Dieser sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst." (Apg 9,3-5) und (vgl. Apg 9,1-22; 22,3-16).

Dort erfährt er durch eine Vision seine Bekehrung und die Berufung zur Verkündigung des Evangeliums unter den Heiden und wird zum ersten Mal in seinem Leben Jesus Christus gehorchen!

Versteht man unter Bekehrung eine radikale Veränderung der Seele und des Herzens, dann wandelten sich alle Überzeugungen und Werte des Saulus grundlegend: An die Stelle seines selbstgefälligen Versuchs, die Gunst Gottes zu gewinnen, tritt eine Bindung seiner ganzen Person an die Person Jesu Christi.

Saulus ließ sich von seiner ursprünglichen Meinung bekehren, von der Illusion, er könne seine eigene Erlösung erreichen, indem er das Gesetz einhielt. Er wandte sich vom Glauben an seine eigene Vollkommenheit ab und gab sich Gott hin, voller Gewissheit, dass er nur durch den Tod und die Auferstehung Jesu sein Heil erlangen könne. So wird einer der eifrigsten Verfolger des Christentums durch Gottes Gnade zu einem der glühendsten Anhänger des Herrn Jesus Christus und seines Evangeliums.

Deswegen sagte Paulus "... vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir ..." (1 Kor 15,3-8). Der Kerninhalt dieser Zeilen ist allerdings schon in einem älteren Glaubensbekenntnis enthalten, von dem der heilige Paulus sagt, dass er es von anderen empfangen habe. Deswegen ist das Christentum keine Ansammlung von Lehren und Praktiken; es ist etwas viel Innigeres und Tieferes: eine Freundschaftsbeziehung mit dem Auferstandenen  mit der Person Jesu Christi.

Saulus' Damaskuserfahrung markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Religion so wie auch der westlichen Zivilisation. Saulus wurde nicht etwa von einer Religion zu einer anderen bekehrt. Ebenso wenig wurde er von einem sündigen Leben zu einem Leben für Gott bekehrt. Denn auch als Pharisäer war er Gott vollkommen ergeben gewesen. Er ließ sich auch nicht einfach durch eine neue geistige Überzeugung bekehren, demzufolge Jesus von Nazareth in Wirklichkeit der Messias sei. Vielmehr wurde Paulus ein ganz neuer Mensch, als er erkannte und spürte, intuitiv wahrnahm und erlebte, dass Jesus, gekreuzigt und angeblich von Gott verflucht, nicht nur von den Toten auferweckt worden war, sondern ihm, Saulus, auf dieser Strasse begegnete.

Dieser Dialog zwischen Jesus und Sauhis auf dem Weg nach Damaskus und dann durch seine ganze Geschichte, ist auf das Leben eines jeden von uns zu übertragen. In der Tat, die Geschichte seines Lebens und die Schönheit seiner Doktrin sind faszinierend. Durch das geistliche und intellektuelle Erbe ist er ohne Zweifel eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Christentums. Dieser geniale Denker erleuchtet die Inhalte des christlichen Glaubens. Bei ihm finden wir die innere Tiefe und Intuition, ebenso wie die Sachlichkeit der Argumentation.

Paulus interessierte und faszinierte immer viele Menschen. Auch die ihm gewidmete Kirche, die Basilika Sankt Paul vor den Mauern, eine der vier Hauptbasiliken Roms, die außerhalb der historischen City an der Via Ostia liegt, hat in der letzten Zeit von sich reden gemacht, ging durch die Medien und und zieht viele Besucher an. Warum eigentlich? – wird man sich fragen.
Die Antwort ist folgende: Der christliche Glaube hat die sterblichen Überreste der beiden Apostel Petrus und Paulus immer in Rom gesehen. An diesen beiden Gräbern, dem des Paulus an der Via Ostia und dem des Petrus im Vatikan, kommt man heute nicht mehr vorbei. Dies ist sehr wichtig, sich als Christen bewusst zu machen. Ja, es ist heute notwendig, in einer glaubenslos gewordenen Zeit ein augenfälliges Zeugnis zu geben, dass die Kirche auf historischen Fundamenten steht, die mit den Namen dieser beiden heiligen Apostel  im direkten Blick auf Christus, um den im Leben der beiden Apostel alles kreiste  untrennbar verbunden ist.

In der Präfation zur Ehre der heiligen Petrus und Paulus lesen wir u. a.: "In Wahrheit ist es würdig und recht, dich, allmächtiger Vater in deinen Heiligen zu preisen und am Fest der Apostel Petrus und Paulus das Werk deiner Gnade zu rühmen. Petrus hat als erster den Glauben an Christus bekannt und aus Israels heiligem Rest die erste Kirche gesammelt. Paulus empfing die Gnade tiefer Einsicht und die Berufung zum Lehrer der Heiden. Auf verschiedene Weise dienten beide Apostel der einen Kirche, gemeinsam empfingen sie die Krone des Lebens. Darum ehren wir beide in gemeinsamer Feier..."

Die Gräber der Apostel, eine Schule des Glaubens

Im Jahr 2002 wurden VatikanArchäologen damit beauftragt, die exakte Stelle des Grabes des Apostels Paulus wieder ausfindig zu machen. Im Herbst 2006 konnte man die Ergebnisse vorstellen – man ist dort auf den Sarg gestoßen, wo man ihn vermutet hatte. Dort im Innern des Altars der Kirche hat man die Marmorplatte mit der Inschrift "PAVLO APOSTOLO MART" gefunden als Zeugnis dafür, dass die erste Kirche an dieser Stelle im vierten Jahrhundert über dem Grab des frühchristlichen Märtyrerapostels errichtet worden ist.

Nie hat ein Zweifel daran bestanden, dass an dieser Stelle der Missionsapostel Paulus begraben wurde, der nach der kirchlichen Überlieferung von den Römern durch das Schwert unter Kaiser Nero im Jahr 67 n. Chr. den Märtyrertod erlitten haben soll. Als römischer Bürger soll er nicht gekreuzigt, sondern geköpft worden sein  daher wird er oftmals mit einem Schwert dargestellt. Jetzt gibt eine Glasplatte den Blick frei auf die letzte Ruhestätte des heiligen Paulus.

Diese Freilegung des Grabes des heiligen Paulus, in dem die sterblichen Überreste des Völkerapostels unberührt liegen sollen, stieß auf große Aufmerksamkeit.

Der Erzpriester der päpstlichen Basilika Sankt Paul vor den Mauern, Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, hat sogar Papst Benedikt XVL, aus Anlass des zweitausendjährigen Jubiläums der Geburt des hl. Paulus, eine besondere Initiative vorgeschlagen: ein internationales Paulus-Gedenkjahr zu feiern. Die Antwort des Papstes war positiv: Am 28. Juni 2007 während des Vespergottesdienstes, am Vorabend des Hochfests Peter und Paul, hat Papst Benedikt XVI. ein "Paulusjahr", zum Gedenken dieses großen Völkermissionars ausgerufen, das vom 28. Juni 2008 bis zum 29. Juni 2009 begangen wird.

Paulus wurde zu den Juden und den Heiden entsandt, wo er die Mission Christi fortführte und erweiterte. Überall verkündete er dieselbe Frohe Botschaft: Gottes Liebe ist grenzenlos, außergewöhnlich, bedingungslos und bis in alle Ewigkeit treu. In den Anfangstagen der neuen Gemeinde wurde das Evangelium ausschließlich den Juden verkündet. Als die ersten christlichen Prediger durch Verfolgung zerstreut wurden, gelangten sie nach Samaria und in den Norden nach Syrien (vgl. Apg 8,1-4), wo sie sowohl Juden als auch Heiden das Evangelium verkündeten. Paulus stellte fest, dass die Nichtjuden (Heiden) vom Heiligen Geist erfüllt wurden und die Frohe Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe aufnahmen, die in Jesus offenbar wurde. Als Paulus seine Missionsreisen begann, so berichtet die Apostelgeschichte, suchte er normalerweise zuerst das Judenviertel einer Stadt des Römischen Reiches auf. Als gläubiger Jude besuchte er die Synagoge. Der Synagogenvorsteher gab ihm, zumal dieser bei dem berühmten Gamaliel studiert hatte, Gelegenheit zu predigen. Paulus verkündete dort, dass der durch Gott von den Toten auferweckte Jesus der Messias sei. Lehnten seine jüdischen Zuhörer diese Botschaft ab und das taten sie oft, dann wandte sich Paulus den Heiden der Stadt zu. Diese waren meist aufgeschlossener, denn schließlich wurde die Liebe Gottes durch den Tod und die Auferstehung Jesu allen Menschen bedingungslos zuteil, ebenso wie sie Paulus zuteil geworden war.

Der nach Vollkommenheit strebende Paulus hatte gelernt, dass weder Juden-Christen noch Heiden-Christen sich Gottes Liebe verdienen mussten. Diese Liebe, so schrieb Paulus später, werde vielmehr durch Jesus Christus auf jeden ausgegossen. Das gelte auch für die Zeit, als wir noch Sünder und Feinde Gottes waren (vgl. Röm 5,5-11).

Benedikt XVI. rief uns Christen zu einem furchtlosen und entschiedenen Einsatz für Jesus Christus auf. Dieses besondere Jahr wird, nach den Worten des Heiligen Vaters, ganz im Zeichen der Ökumene stehen: "Der Apostel der Heiden, der sich besonders dafür einsetzte, die Frohe Botschaft allen Völkern zu bringen, hat sich vollkommen für die Einheit und die Eintracht aller Christen verausgabt. Möge er uns während dieser 2000-Jahr-Feier leiten, schützen und uns helfen, in der bescheidenen und aufrichtigen Suche nach der vollen Einheit aller Glieder des mystischen Leibes Christi voranzuschreiten."

Dieses Jubiläum ist eine besondere Einladung der Kirche, die Quelle unseres christlichen Glaubens mit Paulus neu zu entdecken. Er ist derjenige, der die Botschaft Jesu Christi und das Wesen der Kirche am deutlichsten in Worte fasste. Sich mit ihm zu beschäftigen heißt, zu den Grundfesten des christlichen Glaubens zurückzukehren.

Der Heilige Geist, die Kraft Gottes war für Paulus der Ursprung seiner Leidenschaft sowie der Intensität und Kraft seiner Spiritualität. Seine Spiritualität war so komplex und dennoch einfach, so leidenschaftlich und dennoch kontemplativ, wie der Mensch Paulus selbst. Er konzentrierte sich aber immer auf Jesus Christus und die Frohe Botschaft, die Gott durch Christus offenbart hatte.

Das Wissen, das wir über Paulus haben, setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen: aus der Apostelgeschichte und seinen Briefen. Da der Bericht der vom Evangelisten Lukas verfassten Apostelgeschichte mit der Gefangenschaft des Paulus in Rom endet, wissen wir von seinen letzten Jahren wenig. Es gibt Hinweise darauf, dass er möglicherweise noch eine vierte Missionsreise nach Spanien unternahm. Jedenfalls gründete Paulus überall während seiner Missionsreisen, voll Mut und Glauben, die lokalen Kirchen. Die Informationen, die aus diesen Schriften gewonnen werden können, sind am wertvollsten, da sie direkte Rückschlüsse auf den Menschen Paulus und auf seine Theologie geben.

Jesus Christus war für Paulus' Leben, Denken, seine Entscheidungen, sein Fühlen und Lieben von zentraler Bedeutung. Er verwandte offenbar seine ganze Energie darauf, das Geheimnis Christi zu ergründen, und erlangte eine immer tiefere und genauere Kenntnis. Die frohe Botschaft Jesu Christi zu verkünden war sein größtes Verlangen. Durch seine Leidenschaft für Christus und das Evangelium, seine klare Vermittlung der Heilsbotschaft Jesu und seine Vorstellung vom erlösten Tod und der Auferstehung, gewann er zahlreiche Mitglieder für die von ihm gegründeten Gemeinden. Deswegen war er bereit, auch fir die Sache Jesu viel zu ertragen. Er hatte unter körperlichen Schmerzen zu leiden: Hunger, Kälte, Gefangenschaft. Er litt auch seelische Schmerzen: die Sorge um die neuen Gemeinden, die Auseinandersetzung mit Petrus, die Entfremdung von Barnabas, die Trennung von seiner eigenen jüdischen Gemeinde. Paulus kannte sicher spirituelle Schmerzen, insbesondere seine Abkehr von der Selbstgerechtigkeit und seine ständige Sehnsucht nach Gott.

Paulus war für seine jungen Gemeinden sowohl Vater als auch Lehrer. Er war kühn, zuversichtlich und voll leidenschaftlicher Fürsorge. Er sprach manchmal sehr zärtlich, manchmal aber auch sehr wütend zu den Gemeinden. Er war von inniger Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen erfüllt, aber er konnte auch verletzt und heftig reagieren, wenn seine eigene Liebe und Fürsorge vergessen, missverstanden oder gar verhöhnt wurde. Paulus war in seinen Briefen immer ehrlich, ein Mensch, der auf Gottes rettende Liebe angewiesen war. Er ermahnte die Christen, eine großzügige und liebenswerte Gemeinde zu werden und die Einheit zu wahren (vgl. Phil 2 ,1-7).

Die Paulusbriefe sind Schreiben an verschiedene Christengemeinden, die er gegründet hat, sie gehen auch auf konkrete Anfragen dieser Menschen ein. Deshalb kannte die Urgemeinde bei weitem nicht seine ganzen Überlegungen und Entscheidungen. Und erst recht konnte sie diese nicht bewahren. Sie haben Paulus' partielle Wahrheit nicht verabsolutiert. Die späteren Christen jedoch entdeckten in den Briefen vieles, das sich zum Studium, zum Gebet oder zur Kontemplation anbot. Ebenso sind viele biographische Angaben in diesen Briefen enthalten, sowie Bemerkungen von Paulus über sich selbst.

Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin ...

Im ersten Korintherbrief sagt Paulus über sich: "... durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht  nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir." (1 Kor 15,10). Durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin. Paulus denkt bei diesem Bekenntnis an sein Apostelamt, das seine Identität in Christus begründet.

Er hatte verstanden, dass in Christus das ganze Gesetz erfüllt ist, und dass, wer zu Christus gehört und sich mit ihm vereint, das Gesetz erfüllt. Christus, und mit ihm den einen Gott, zu allen Völkern zu tragen, ist zu seiner Mission geworden.

Paulus ist überzeugt, dass seine Sendung und Lehre ihren Ursprung in Jesus Christus haben, letzten Endes in der ewigen Absicht Gottes selbst. Deswegen schreibt er in seinem Brief an die Galater: "Ich erkläre euch, Brüder: Das Evangelium, das ich verkündigt habe, stammt nicht von Menschen; ich habe es ja nicht von einem Menschen übernommen oder gelernt, sondern durch die Offenbarung Jesu Christi empfangen. Ihr habt doch gehört, wie ich früher als gesetzestreuer Jude gelebt habe, und wisst, wie maßlos ich die Kirche Gottes verfolgte und zu vernichten suchte. In der Treue zum jüdischen Gesetz übertraf ich die meisten Altersgenossen in meinem Volk, und mit dem größten Eifer setzte ich mich für die Überlieferungen meiner Väter ein. Als aber Gott, der mich schon im Mutterleib auserwählt und durch seine Gnade berufen hat, mir in seiner Güte seinen Sohn offenbarte, damit ich ihn unter den Heiden verkündige, da zog ich keinen Menschen zu Rate; ich ging auch nicht sogleich nach Jerusalem hinauf zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern zog nach Arabien und kehrte dann wieder nach Damaskus zurück Drei Jahre später ging ich nach Jerusalem hinauf, um Kephas kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Von den anderen Aposteln habe ich keinen gesehen, nur Jakobus, den Bruder des Herrn." (Gal 1,11-19).

Die Begegnung mit Gott war für Paulus ein Geheimnis, das er sein Leben lang, trotz aller Hindernisse, Neid und Kritik, erklären wollte. Überall war er mit Schwierigkeiten konfrontiert. Sein Apostelamt sowie seine Person wurden oft von seinen Gegnern in Frage gestellt und kritisiert. Darüber spricht Paulus deutlich in seinem zweiten Korintherbrief: "Seine Briefe – sagten seine Gegner – sind wuchtig und voll Kraft, aber sein persönliches Auftreten ist matt, und seine Worte sind armselig." (2 Kor 10,10). Und "... ich ertrug mehr Mühsal, war häufiger im Gefängnis, wurde mehr geschlagen, war oft in Todesgefahr. Fünfmal erhielt ich von den Juden die neununddreißig Hiebe; dreimal wurde ich ausgepeitscht, einmal gesteinigt, dreimal erlitt ich Schiffbruch, eine Nacht und einen Tag trieb ich auf hoher See. Ich war oft auf Reisen, gefährdet durch Flüsse, gefährdet durch Räuber, gefährdet durch das eigene Volk, gefährdet durch Heiden, gefährdet in der Stadt, gefährdet in der Wüste, gefährdet auf dem Meer, gefährdet durch falsche Brüder. Ich erduldete Mühsal und Plage, durchwachte viele Nächte, ertrug Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße. Um von allem andern zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin. Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne dass ich mit ihm leide? Wer kommt zu Fall, ohne dass ich von Sorge verzehrt werde?" (2 Kor 11,23-29).
Hier geht es weiter zu Piwowarczyk Teil 2 dieses Artikels
Anschrift des Autors: Innhöhe 5, 83512 Wasserburg am Inn

Paulus
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 21.1.2008