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Paulus
Dr. Bogdan Piwowarczyk: "Ein großer Bekehrter lenkt den Blick
direkt auf Christus – Zum Paulus-Jahr 2008" – Teil 2

Klerusblatt. Zeitschrift der katholischen Geistlichen in Bayern und der Pfalz. 88 1/2007 – Piwowarczyk Teil 1
2. Teil
Begründung seines missionarischen Auftrags

Trotz all dieser Kritik, Neid und Hindernisse, ist Paulus nicht entmutigt und, bewusst seiner göttlichen apostolischen Berufung und seiner Schwäche, begründet er demütig so seinen missionarischen Auftrag: "Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe, wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen: ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Dreimal habe ich den Herrn angefleht, dass dieser Bote Satans von mir ablasse. Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark." (2 Kor 12, 7-10).

Am Abend seines Lebens schrieb Paulus an seinen Schüler Timotheus: "Darum muss ich auch dies alles erdulden; aber ich schäme mich nicht, denn ich weiß, wem ich Glauben geschenkt habe, und ich bin überzeugt, dass er die Macht hat, das mir anvertraute Gut bis zu jenem Tag zu bewahren." (2 Tim 1,12); " ...die Zeit meines Aufbruchs ist nahe. Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten." (2 Tim 4,6-8).

Von daher sehen wir schon, dass alle Paulusbriefe, die frühesten christlichen Schriften, ihn als den größten unter den Auslegern der Botschaft Jesu und als Begründer der christlichen Theologie zeigen. Er schreibt von sich: "Ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich für Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt worden; nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat." (Gal 2,19-20).

Seine geistliche Reinheit, Aufgeschlossenheit und innere Freiheit charakterisieren sein neues Leben. Dieser geniale Mensch hat auf einem außergewöhnlichen Niveau die Gaben von Intelligenz und Herz vereinigt und sein Leben ganz in den Dienst des Evangeliums gestellt. Sein einziger Wunsch ist es, immer mehr den Herrn kennen zu lernen: "Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen. So hoffe ich, auch zur Auferstehung von den Toten zu gelungen." (Phil 3,10-11). Und "Mir, dem Geringsten unter allen Heiligen, wurde diese Gnade geschenkt: Ich soll den Heiden als Evangelium den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen und enthüllen, wie jenes Geheimnis Wirklichkeit geworden ist, das von Ewigkeit her in Gott, dem Schöpfer des Alls, verborgen war." (Eph 3,8-9).

Paulus trennt nie die Liebe zu Christus von der Liebe zu den Mitmenschen, denen er das Evangelium verkündigt: "Ich aber will sehr gern alles aufwenden und mich für euch aufreiben. Wenn ich euch so sehr liebe, soll ich deswegen weniger Liebe empfangen?" (2 Kor 12,15); „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt." (Kol 1,24).

Ein Missionar und freier Mensch

Paulus, Botschafter Jesu Christi, ist ein Missionar und freier Mensch, der zu den Menschen geht und Kontakt mit ihnen sucht. Darüber sagte er selber: "Da ich also von niemand abhängig war, habe ich mich für alle zum Sklaven gemacht, um möglichst viele zu gewinnen. Den Juden bin ich ein Jude geworden, um Juden zu gewinnen; denen, die unter dem Gesetz stehen, bin ich, obgleich ich nicht unter dem Gesetz stehe, einer unter dem Gesetz geworden, um die zu gewinnen, die unter dem Gesetz stehen. Den Gesetzlosen war ich sozusagen ein Gesetzloser  nicht als ein Gesetzloser vor Gott, sondern gebunden an das Gesetz Christi, um die Gesetzlosen zu gewinnen. Den Schwachen wurde ich ein Schwacher, um die Schwachen zu gewinnen. Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten. Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, um an seiner Verheißung teilzuhaben." (1 Kor 9,19-23).

Der hl. Paulus weist auch darauf hin, dass die Sünde Adams für alle Menschen verhängnisvoll ist: "Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten" (Röm. 5, 12). Ebenso: "Ist durch die Übertretung des einen (Menschen), der Tod zur Herrschaft gekommen, (...) so werden erst recht alle, denen die Gnade und die Gabe der Gerechtigkeit reichlich zuteil wurde, leben und herrschen durch den einen, Jesus Christus" (Röm 5,17).

Deswegen ist der reale Mensch für ihn viel wichtiger als der ideale Mensch. Paulus nimmt die Sünde ernst, aber nicht tragisch. Auf seine außergewöhnliche Art und Weise erklärt er uns in seinem Römerbrief, dass die ganze Menschheit ihre Existenz lang durch die Sünde geprägt ist. Die Menschheit braucht einen Erlöser. Deswegen spricht er über die Bedeutung der Sünde: "Denn ich begreife mein Handeln nicht: Ich tue nicht das, was ich will, sondern das, was ich hasse. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, erkenne ich an, dass das Gesetz gut ist. Dann aber bin nicht mehr ich es, der so handelt, sondern die in mir wohnende Sünde. Ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist bei mir vorhanden, aber ich vermag das Gute nicht zu verwirklichen. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, dann bin nicht mehr ich es, der so handelt, sondern die in mir wohnende Sünde. Ich stoße also auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das Gute tun will. Denn in meinem Innern freue ich mich am Gesetz Gottes, ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mit dem Gesetz meiner Vernunft im Streit liegt und mich gefangen hält im Gesetz der Sünde, von dem meine Glieder beherrscht werden. Ich unglücklicher Mensch! Wer wird mich aus diesem dem Tod verfallenen Leib erretten? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn! Es ergibt sich also, dass ich mit meiner Vernunft dem Gesetz Gottes diene, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde." (Röm 7,15-25).

Der Glaube entsteht aus der persönlichen Begegnung mit dem auferstandenen Christus und wird zum Ausdruck des Mutes und der Freiheit, der uns in die Welt hinausrufen lässt: Jesus ist auferstanden und lebt für immer. Das ist die Sendung der Jünger des Herrn jedes Zeitalters und auch unserer heutigen Zeit: "Ihr seid mit Christus auferweckt; darum", so mahnt der hl. Paulus, "strebt nach dem, was im Himmel ist ... Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!"(Kol 3,1-2). Das heißt nicht, dass man sich den täglichen Pflichten entziehen, sich nicht mehr um irdische Angelegenheiten kümmern soll; es bedeutet vielmehr, jeder menschlichen Tätigkeit wie durch einen übernatürlichen Hauch Leben zu verleihen, es bedeutet, frohe Verkünder und Zeugen der Auferstehung Christi zu werden, der in Ewigkeit lebt (vgl. Joh 20,25; Lk 24,33-34).

Dass Gott den Menschen immer unendlich viele Möglichkeiten gibt, dass er immer Menschen für seine Mission sucht, konnten wir durch die Pauluslebensgeschichte sehen. Seine Bekehrung hat ihn zu einem neuen, starken, bis zum Tod treuen Menschen, zum Apostel Jesu gemacht. Er hat die Herde Christi in den schwierigen Momenten ihrer Anfänge geweidet, als es notwendig war, aus Galiläa hinauszugehen auf die Straßen der Welt. So wird Paulus imstande sein, sein Leben für Christus hinzugeben.

Deswegen ist die Kirche, das Volk Gottes, unterwegs. Sie ist keine statische Institution, sondern ein Bau, der ständig neu entsteht. Die Kirche ist nie fertig, sie ist immer unterwegs auf den staubigen Straßen  zusammen mit all den Mühseligen und Beladenen, die der Heilige Geist immer neu einführt in alle Wahrheit.

Aus Christus und mit Christus leben

Die Haltung des vollkommenen Vertrauens und der unendlichen Freude, die Paulus erfüllt hat, kommt aus seiner radikalen Zugehörigkeit zu Christus, sowie aus dem tiefen Bewusstsein, „dass wir in ihm sind". Aus diesem Bewusstsein heraus hat der heilige Paulus „aus Christus und mit Christus" leben können und ist so imstande gewesen, sich selbst hinzugeben und nicht mehr sich selbst zu suchen. Diese gegenseitige Durchdringung Christi und des Christen, sowie das Bewusstsein, dass der Getaufte nicht aus sich selbst gerecht wird, sondern allein durch Christus, aus Gnade, bildet unsere christliche Identität.

Papst Benedikt XVI. sagte in der Predigt zu seiner Amtseinführung am 24. April 2005: "Den Hirten muss die heilige Unruhe Christi beseelen, dem es nicht gleichgültig ist, dass so viele Menschen in der Wüste leben. Es gibt vielerlei Wüsten. Es gibt die Wüste der Armut, die Wüste des Hungers und des Durstes. Es gibt die Wüste der Verlassenheit, der Einsamkeit, der zerstörten Liebe. Es gibt die Wüste des Gottesdunkels, der Entleerung der Seelen, die nicht mehr um die Würde und um den Weg des Menschen wissen. Die äußeren Wüsten wachsen in der Welt, weil die inneren Wüsten so groß geworden sind". Der Papst fährt weiter fort: "Die Kirche als Ganzes und die Hirten in ihr müssen wie Christus sich auf den Weg machen, um die Menschen aus der Wüste herauszuführen zu den Orten des Lebens zur Freundschaft mit dem Sohn Gottes, der uns Leben schenkt, Leben in Fülle".

Es ist also mehr als archäologisches Interesse, das um die Gräber der Apostel Petrus und Paulus kreist. Es ist vielmehr eine Schule des Glaubens, wenn man sich auf diese beiden Gestalten der jungen Kirche einlässt und auf die Anfänge der Christenheit zurückblickt. Die innige und vertrauensvolle Nachfolge Christi hat die beiden Apostel zu den großen Missionaren der jungen Kirche werden lassen.

Am Anfang des dritten Millenniums ist es nötig, das Charisma unserer Berufung neu zu entdecken und entschieden gegenwärtig zu machen. Als Berufene, als Boten des Evangeliums müssen wir alles daran setzen, um den christlichen Glauben mit unserem kulturellen Leben zu verbinden, jedoch niemals auf Kosten seiner Identität und Wahrheit! In der Einheit mit unseren Brüdern in der Weltkirche müssen wir aufbauen und nicht zerstören, und dürfen niemals diese Worte des hl. Paulus vergessen: "Es gibt Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen. Wer euch aber ein anderes Evangelium verkündigt, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht, auch wenn wir selbst es wären oder ein Engel vom Himmel!" (Gal 1,78).

Der Apostel spricht nicht in seinem eigenen Namen, sondern im Namen Christi. Er wird geleitet durch das Wort Gottes und die ihm übertragene Sendung. Er ist von Christus erfüllt, von seinen Gedanken gesättigt. Durch den Glauben, der nicht mit der klaren Erkenntnis gleichzusetzen ist, muss er in der Liebe die Kraft der Auferstehung Christi, die Vereinigung mit seinem Leiden erkennen. Er muss Christus nachahmen, für ihn leben, mehr noch: sein Leben leben. "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir", sagt der heilige Paulus (Gal 2,20). Alles, was Saulus den Christen zugefügt hatte, hatte auch Christus erlitten. Christus war Saulus ausgeliefert, ihm überlassen, für ihn greifbar, schutzlos. .

Durch das Damaskuserlebnis hat Paulus seine Berufung begriffen. Ein einziger Blick auf den bereits verherrlichten Gekreuzigten ließ ihn sein Leben ändern und seine Berufung zum Apostel erfassen. Sein neues Leben hatte begonnen. Von jenem Tage an war Paulus bereit, auf eine Stimme zu hören, die schon immer in seinem Innersten gesprochen hatte. Er wusste, was fortan sein Leben erfüllen sollte: Die ganze Macht, die er "über Gott hatte" und die er gebraucht hatte, um ihn zu verfolgen, wollte er nunmehr einsetzen, um ihn zu ehren, um ihm zu dienen.

Neue Menschen werden

Der Apostel Paulus fordert auch uns auf, den "neuen Menschen" anzuziehen und, indem wir uns verändern, die Verhältnisse ins Positive zu wenden. Die Zeit unseres Lebens gibt uns die Möglichkeit dazu. Nutzen wir sie!

Nicht dem heutigen Zeitgeist, nicht der Mode, nicht dem Haarschnitt sollen wir nachlaufen; wer heute ganz modern sein will, ist morgen schon wieder aus der Mode; Paulus sagt uns, wir sollen uns dem (Zeit-)Geist nicht anpassen, er will von uns eine Erneuerung des Geistes, des Denkens. Es geht nicht nur um eine neue Kirche, sondern um eine neue Art Kirche. Die alte Kirche ist nicht am Ende. Das Christentum fängt gewissermaßen neu an. Da ist noch was drin.

Die Verkündigung des Evangeliums Jesu Christi, die Evangelisierung, sollte für uns alle Berufenen eine innere Verpflichtung sein. In unserem Herzen sollten nach wie vor die Worte des Apostels Paulus wieder klingen: "Wenn wir nämlich das Evangelium verkünden, können wir uns deswegen nicht rühmen, denn ein Zwang liegt auf uns. Weh uns, wenn wir das Evangelium nicht verkünden!" (vgl. 1 Kor 9,16).

Der Apostel Paulus schreibt: "Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!" Das Evangelium bedeutet die frohmachende Botschaft vom Heil und der Erlösung des Menschen durch Gott. Die Kurzfassung dieser Botschaft ist Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten. Das ist die Botschaft, die der Herr durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung verkündet hat. Weh mir, sagte Paulus, wenn ich diese Botschaft nicht predige. So auch: Weh uns, wenn wir nicht füreinander Frohbotschaft und dadurch Gott wohlgefällig sind.

Der Herr sagt auch heute zu jedem Berufenen, wie damals in einer Vision zum hl. Paulus: "Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir, niemand wird dir etwas antun." (Apg 18, 9-10).

Das Evangelium Jesu Christi ist unverzichtbar für die Erneuerung unseres Glaubens, unserer Kultur, und für den Aufbau eines echten Friedens in der Zukunft. Als Christen sollten wir mit wachsender Zuversicht und Entschlossenheit auf dem Weg Jesu gehen. Eine erstaunliche Bewegung geht seit Jesu Zeit durch die Welt. Sie spricht von Vergebung und schenkt Versöhnung, sie spricht von Liebe zum Nächsten und zum Fremden. Sie geht sogar so weit, auch den Feind zu lieben. Sie will und braucht niemanden zu hassen. Sie will und braucht niemanden umzubringen. Sie will und braucht niemanden zu verachten. Denn Gott achtet sie alle, er kennt sie und nimmt sie an. Wer von Gott angenommen ist, kann auch den Mitmenschen, den Nächsten, den Fremden, ja selbst den Feind annehmen.

Wo Menschen mit der Liebe und der Erkenntnis Gottes Ernst machen, da werden keine falschen Fassaden aufrechterhalten, keine hohlen Traditionen und Moralvorstellungen konserviert, sondern da kommt die frohe Botschaft von der Rettung des Sünders wieder zu ihrem Recht. Eine Botschaft, die ansteckend ist. Das Evangelium fordert uns Menschen jederzeit heraus, bestätigt uns in dem, was in uns wertvoll ist, korrigiert uns dort, wo wir unmenschlich zu werden drohen. Letztlich geht es darum, dass Menschen erfahren, wie das Evangelium ihren Lebensentwürfen Sinn und Hoffnung vermittelt. So sehen wir, dass das Christentum nicht einfach eine Art Kultur oder eine Ideologie ist, selbst nicht ein System von noch so erhabenen Grundsätzen und Werten.

Der Apostel Paulus sagt in unserem Namen: "Wir verkünden nicht Weisheit dieser Welt oder Machthaber dieser Welt (...) Vielmehr verkünden wir das Geheimnis der verborgenen Weisheit Gottes" (vgl. 1 Kor 2,1-16). So sollen wir Priester nicht Manager, sondern geistliche Menschen sein. Wir sind nicht Verwalter, sondern Gesandte. Hier liegt das Geheimnis unserer Berufung.

Der Apostel Paulus, der von der Wahrheit des Evangeliums Jesu Christi überzeugt war, schrieb an seinen Schüler Timotheus: "... Schäme dich nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; ... Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus geschenkt ist. Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt" (2 Tim 1,8. 13-14). Und weiter schreibt Paulus: "Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommendem Richter der Lebendem und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht,  weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung. Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die dem Ohren schmeicheln; und man wird der Wahrheit nicht mehr Gehör schenken, sondern sich Fabelelen zuwenden. Du aber sei in allem wachsam, ertrage das Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinem Dienst". (2 Tim 4,1-5).

Diese Botschaft ist eine herausfordernde, persönliche Einladung an jeden von uns. Christen sind zu dieser Mission berufen: Gott zu bezeugen und mit Gott im Gebet verbunden zu bleiben. Ohne dieses Zeugnis wird jede christliche Äußerung belanglos. Glaubende Christen brauchen sich nicht entmutigen zu lassen, sondern sollten vielmehr mit einem gläubigen Selbstbewusstsein auf die veränderte, gegenwärtige Situation in der Gesellschaft, in unserer Welt reagieren. In allen stürmischen Zeiten ist es wichtig, aus Freude am Glauben auch die eigene Glaubensfestigkeit zu leben und zu verkünden. Christen sind nicht aufgerufen, mit Gottes Botschaft hinter dem Berg zu halten, sondern sie stehen in der Tradition einer Botschaft, die mit großartigen und hoffnungsvollen Zusagen Gottes an jeden Menschen verbunden ist. Es sind die Zusagen einer Lebensperspektive, die nicht im Tod endet.

Der Apostel Paulus sagt uns: "Jesus Christus ist das Ja zu allem, was Gott verheißen hat. Darum rufen wir durch ihn zu Gottes Lobpreis auch das Amen" (2 Kor 1,20). Dieses Wort ist ein Siegel für eine Verheißung Gottes in Fülle (vgl. Ofib 3,14). Das "wahre Wort" – Jesus Christus, als das "Amen" Gottes, ist deswegen Grund, Inhalt und Ziel unserer Hoffnung.

Angesichts der verbreiteten Zukunftsängste, sollten wir als Christen selbstbewusst auftreten und der heutigen Welt deutlich machen: Wir sind durch Jesus Christus erlöst und haben eine ewige Zukunft, die hier und heute beginnt.

Wie Paulus auf die "moderne Agora" der heutigen Welt gehen

Kühner Mut und demütige Treue gehören zusammen. Wie die Vergangenheit, sind Gegenwart und Zukunft Teil der Geschichte. So wie die Christen in der Vergangenheit mit der Kirche und in der Welt ihren Glauben bezeugt und gelebt haben, gegen Verfolgung und Gleichgültigkeit, trotz ihrer Schwäche, ihres Irrtums und ihres Versagens, so wollen wir uns der Gegenwart und der Zukunft stellen, indem wir uns zu Gott als dem Herrn der Geschichte bekennen. Unser Leben nimmt von Gott seinen Ausgangspunkt und führt auf ihn hin. Dies hat Paulus richtig verstanden und bezeugt. Seine Passion prägte sich seinen Zeitgenossen in der frühen Kirchengemeinde unauslöschlich ein. Während sich Paulus immer tiefer „in Christus" versenkte, wurde sein Herz durch das Mitgefühl für Christus fortwährend verwandelt.

Persönlich kann ich mit dem Apostel Paulus sagen: "ich weiß, wem ich glaube" (2 Tim 1,12). Deswegen bedeutet für mich Christsein – Katholischsein  – Priestersein keineswegs das Gegenteil von modern sein, offen sein, sondern beten und arbeiten, nachdenken und sich auseinandersetzen mit Fragen und Problemen, die uns auf religiösem, gesellschaftlichem und weltanschaulichem Gebiet bewegen. Deswegen habe ich mich entschieden, auf meine Art und Weise, wie damals der Apostel Paulus, der die Zeit gefunden hat, auf die Agora im alten Athen zu gehen und zum Menschen seiner Zeit von jenem unbekannten Gott zu sprechen, dies auch auf der "modernen Agora" der heutigen Welt zu tun; d. h., ich habe mich entschieden, zu den suchenden, fragenden, zweifelnden Menschen zu gehen und ihnen zu sagen: Es gibt Gott, es gibt eine lebendige Wahrheit, und dass der Sinn des Lebens nicht gemacht werden kann, sondern gefunden werden muss.

Mit dem "Amen" des Glaubensbekenntnisses, mit meinem "Amen"  – das ich nicht allein, isoliert spreche, sondern mit allen bekennenden Christen – gebe ich demütig die persönliche Zustimmung zu allem Tun Gottes in meinem Leben und spreche von meiner Hoffnung und meinem Vertrauen. Mit dem Völkerapostel Paulus bitte ich: der Herr möge uns "schenken, dass wir in unserem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmen" und dass „wir Christen heute ... fähig werden, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt" (vgl. Eph 3,16.18-19).

Heute brauchen wir dringend diese Zuversicht, die der heilige Paulus so wunderbar in Worte gefasst hat: "Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? ... Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? ... All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn" (Röm 8,31-39).

Unser Glaube ruft nun zum Aufbruch, fordert uns heraus: Wir müssen stets lernen, so zu handeln, vernünftig zu handeln, wirksam zu handeln für ihr Heil, für das Heil der Menschheit und der Welt, wie es uns der Apostel Paulus gezeigt hat.

Wir Christen sind nicht nur brave Optimisten, wir sind vertrauende Seher, die der Spur Gottes folgen, die wissen, dass hoffen heißt, an das Abenteuer der Liebe zu glauben und dass der echte Glaube nur gebende Liebe sein kann.

Die Sache Jesu braucht auch heute Begeisterte Zeugen wie den heiligen Paulus, der für Christus lebte und arbeitete; für ihn litt er und für ihn ist er gestorben! Unsere Begeisterung muss sich, wie bei Paulus, von Kühnheit' und Ausdauer nähren, um alle Aktivitäten der Erde, unsere menschlichchristlichen Aktivitäten ständig zu beleben. Gott benötigt uns für seine Mission.

Jetzt ist die Zeit, gemeinsam zu handeln, Hoffnung auszustrahlen, Zeugnis zu geben, nicht aufzugeben, nach vorne zu schauen, sich mit allen Kräften anzustrengen und Gott zu bitten, bei unserem Tun mitzuwirken, es zu vollenden.

Möge der Apostel Paulus, der unermüdliche Bote Jesu, beim Herrn für uns erwirken, dass sich immer mehr Menschen durch die tausend kleinen Handlungen des täglichen Lebens zu einem "Werkzeug seiner Frohen Botschaft" machen lassen; dass diejenigen, die Verantwortung tragen, durch begeisterte Liebe für Gott und für die Menschen und durch den unbezähmbaren Willen, diesen durchzusetzen, beseelt sein mögen und angemessene Mittel wählen, um dieses Ziel zu erreichen.
Hier geht es zu Piwowarczyk Teil 1 dieses Artikels
Anschrift des Autors: Innhöhe 5, 83512 Wasserburg am Inn

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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 21.1.2008