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Nationenfest
Nationenfest 8. Juni 2002 in Wasserburg mit den Christen
Mit Pfarrer Dr. Bogdan Piwowarczyk - Tel. 08071/ 95 95 8, Bogdan Piwowarczyk
    Unterschiedlichste Begegnungen gehören zu unserem Leben. Gerade angesichts der wachsenden Kluft zwischen den Menschen ist es wichtig, den Dialog, die Begegnungen zwischen den Kulturen und Nationen zu fördern. Dies ist sehr wichtig und verlangt eine sensible Annäherung.
    In Wasserburg am Inn ist seit 10 Jahren ein „Fest der Nationen” organisiert. Dieses Jahr wurde die Kirche eingeladen, das „Nationenfest 2002” mitzugestalten. Es wird am Samstag, den 8. Juni stattfinden.
    Ich freue mich, dass die Organisatoren dieses Festes sich an die Kirche gewendet und mich gebeten haben, für die katholische Kirche die Organisation und Koordination zu übernehmen. Dies tue ich mit Freude, denn persönlich bin ich sehr überzeugt von der Bedeutung solcher Veranstaltungen für den christlichen Glauben, wie auch für das Leben der großen menschlichen Familie.
    Deshalb habe ich schon letztes Jahr vorgeschlagen, hier in Wasserburg ein „Festival der christlichen Kunst und Kultur” zu organisieren. Dies ist am 23. September 2001 geschehen und war, wie Sie sich sicher erinnern, für uns ein großes geistiges, kulturelles Erlebnis und Grund zu wahrer Freude. Viele Teilnehmer waren und sind bis heute überzeugt, dass solche Begegnungen es den heutigen Menschen ermöglichen, den lebendigen Glauben zu erleben und ins Gespräch zu kommen.
    Es ist für mich wichtig, dass die Kirche Jesu Christi mit ihrer Botschaft einen besonderen Platz im Leben der heutigen Menschheit finden sollte. Es muss deutlich werden, dass die Kirche ein menschenfreundliches spirituelles Lernfeld für die heutigen Menschen ist.
    Dieses Nationenfest 2002 bietet den Menschen aus verschiedenen Kulturen und Kontinenten, eine besondere Gelegenheit sich zu treffen, um sich besser kennen zu lernen, um zu feiern und sich zu freuen, als Mensch unter Menschen zu leben. Es will ein Ort der Begegnung, des Dialogs mit anderen Christen und mit allen anderen Menschen sein. Die weltumspannende Dimension des christlichen Glaubens können die Besucher dabei auch durch die Beteiligung zahlreicher ausländischer Christen erleben.
    Die universale Sendung der Kirche und die ihr anvertraute frohe Botschaft - das Evangelium - möchten wir den heutigen Menschen anbieten. Wir wollen bekennen, dass Gottesliebe keinen Menschen ausschließt und dass der christliche Glaube die Gewissheit gibt, dass aller Grund zur Hoffnung besteht. Ein Leben, das der Botschaft Christi entspricht, verlangt von jedem Christen, sich unermüdlich für Menschlichkeit, Freiheit, Friede und Gerechtigkeit einzusetzen. Dazu muss er sich in der Gesellschaft, der Kultur und in der Politik engagieren.
    Ein Leben, das der Botschaft Christi entspricht, ist ein Leben, das sich in Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit entfaltet. Dies ist auch Aufgabe aller Menschen guten Willens und Denkens.
    Wir Christen müssen stärker Verantwortung übernehmen bei der Mitgestaltung einer menschenfreundlichen Globalisierung durch die Gestaltung einer neuen, von Werten getragenen Welt, das auch ethische und spirituelle Dimension hat.
    Für ein Europa, das mehr sein will als ein ökonomisches Projekt oder ein Markt, ist deshalb auch ein religiöser Dialog unverzichtbar. Neben dem Dialog muss auch die Begegnung zwischen den Gläubigen gefördert werden.
    Der Respekt zwischen den Kulturen und Gesellschaften, die Achtung der Menschenwürde und der Frieden zwischen den Völkern sind fundamentale Forderungen des Christentums. Um in der Auseinandersetzung mit anderen religiösen Traditionen und deren Einfluss auf Gesellschaften und Staaten die lebensgestaltende Kraft des Christentums einbringen zu können, bedarf es der Vergewisserung, welchen konstruktiven Beitrag christlicher Glaube zu einer von gegenseitiger Achtung geprägten menschlichen Gemeinschaft leisten kann.
    Dies wollen wir als Christen versuchen beim diesjährigen Nationenfest, um damit deutlich zu machen, dass Christen ihre eigene Position heute profilierter einbringen müssen, wenn sie den Herausforderungen einer pluralen Gesellschaft und einer multireligiösen Weltgemeinschaft gerecht werden wollen.
    Wenn man zu den tiefen Wurzeln der menschlichen Würde und ihres wahren Gutes zurückkehrt, wenn man sich auf das Fundament des im Menschen vorhanden Unvergänglichen und Wesentlichen stützt, kann man mit dem Menschen jeglicher Kultur einen fruchtbaren Dialog einleiten im Hinblick auf eine Gesellschaft, die sich an den Werten der Gerechtigkeit und Brüderlichkeit inspiriert.
    Oft fällt es uns leichter „nein” als „ja” zu sagen. Negative persönliche Erfahrungen, Menschen, die uns enttäuschten und verletzten, machen uns misstrauisch und skeptisch. Um uns herum erfahren wir brüchige Beziehungen, erleben Egoismus. Aber die Liebe Gottes bleibt für uns Menschen aller Zeiten gegenwärtig. Unser christlicher Glaube besteht nicht aus leeren Formeln, sondern will lebendig wirken und unsere Verbundenheit vor der Welt bezeugen. Deswegen möchte ich alle Menschen guten Willens, alle Christen und ganz besonders die, die aus anderen Ländern kommen, ganz herzlich einladen. Sie sind herzlich eingeladen, an diesem Tag auf dem Kirchplatz vor der Pfarrkirche St. Jakob in der Altstadt einen Stand aufzubauen, wo Sie auf Ihre Art und Weise über Ihre Tätigkeit informieren können.
    Dieses Fest beginnt um 15.00 Uhr und wird auf der kirchlichen Seite mit einer heiligen Messe um 19.00 Uhr beendet. Wir möchten diesen Gottesdienst in verschiedenen Sprachen feiern. Es wäre schön, wenn Sie dabei wären und diese hl. Messe (mit Liedern, Fürbitten, ... ) in Ihrer Sprache mitgestalten.     Ich wünsche allen Besuchern, die zu diesem Fest kommen, schöne Stunden, in denen Sie Wege zur Verständigung und zum Frieden erleben.
    Mit freundlichen - priesterlichen Grüßen
    Dr. Bogdan Piwowarczyk
Wasserburger Heimatnachrichten, 26.4.2002

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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 1.6.2005