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Kommen und Gehen
Kommen und Gehen
September 2006, Pfarrer Dr. Bogdan Piwowarczyk - Tel. 08071/ 95 95 8, Bogdan Piwowarczyk
Unser Leben ist mit einem Kommen und einem Gehen verbunden. Es gibt dabei viele Ereignisse, die uns begleiten: Einige bringen uns Freude – andere machen uns traurig.
Der September dieses Jahres hat eine besondere Bedeutung für uns Christen in dieser Gegend. Er steht unter dem Zeichen des historischen Besuches des Heiligen Vaters Benedikt XVI. in seiner bayerischen Heimat! Ich freue mich ehrlich mit Ihnen auf sein Kommen. Jede Station dieser Reise wird von symbolischer Bedeutung sein. Dieser Besuch wird sicher ein Fest des Glaubens werden. Deswegen sollten wir uns darauf vorbereiten und um ein gutes Gelingen beten.
Ein anderes Ereignis in diesem Monat macht viele von uns, viele Menschen in Wasserburg und Umgebung traurig, denn unsere Maria-SternSchwestern, werden uns nach vielen Jahren ihrer christlichen Mission auf der Burg verlassen! Persönlich erlebe ich diesen Abschied mit tiefen, ehrlichen Gefühlen der Dankbarkeit.
Danke, liebe Maria-Stern-Schwestern für so viel Bemühung und Aufmerksamkeit!
Seit meiner ersten begegnung mit den Schwestern entstand eine gute, aus christlichem Glauben wachsende Zusammenarbeit; mit einigen sogar eine wahre Freundschaft, die bis heute dauert und nie - auch durch diese Trennung und sogar durch Tod – scheitern wird.
Ade und auf Wiedersehen,
liebe Schwester Armella, Qualfarda, Tharsilla, Serapia, Ancilla, Hereswida und ... + Wilma ... und alle Schwestern die für immer in unseren Herzen bleiben!

Schon diese beiden Ereignisse zeigen uns deutlich, wie wichtig es ist, sein fragendes, zitterndes, besorgtes, oft leidendes, aber auch fröhliches Herz in beide Hände zu nehmen und Gott hinzugeben. Glaubend umfassen wir dann gleichsam die Mitte, den Kern unseres Wesens, unseres Lebens, unseres Tuns und unserer Berufung. Dabei erkennen wir, dass keiner von uns allein glaubt, keiner allein hofft, keiner allein liebt. Nur in der Gemeinschaft der Kirche, mag sie auch heute wie gestern menschlich unvollkommen sein, können wir glaubend leben und dem Leben standhalten.
Deswegen soll jeder von uns begreifen, „mit welch unergründlichem Reichtum Christi” (Eph 3,8) er beschenkt worden ist. Keine Macht der Welt, nicht einmal der Tod kann dem Menschen die Berufung zum ewigen Leben mehr rauben. Darum hat der dreifaltige Gott die Gemeinschaft der Jünger zum Leib Christi und Tempel des Heiligen Geistes gemacht. Alle Getauften dürfen sich einreihen in den langen Zug der pilgernden Kirche zum ewigen Vaterhaus.
Der Glaube an Jesus macht sehend in zweierlei Hinsicht: Er befähigt uns einerseits, unsere „erdhafte” Realität anzunehmen, uns also nicht zu überschätzen, sondern mit beiden Füßen auf der Erde zu stehen – andererseits schenkt der Glaube uns Erleuchtung von oben, von Christus her und lässt uns erkennen, dass unsere Existenz von Gott herkommt und dass wir zu ihm zurückkehren. Inspiriert durch eine solche Perspektive kann die Welt auch in der Krise der Lebensmitte wieder zu leuchten beginnen.
Das alles erinnert uns, dass auf Christus bauen heißt, alle seine Wünsche, Erwartungen, Träume und ehrgeizigen Vorhaben auf seinen Willen zu gründen. Unser Glaube muss Prüfungen bestehen und als Christus sind wir zum Zeugnis berufen.
Glaubenszeugnis und Weltverantwortung gehören zu den wesentlichen Glaubensvollzügen christlichen Lebens. Alfred Delp, Jesuitenpater und Märtyrer des zwanzigsten Jahrhundert sagte: „Die Menschen, die uns begegnen, müssen spüren, dass wir erlöste Menschen von heute sind.” Es geht hier nicht um eine optimistische Ausstrahlung, sondern darum, dass sichtbar wird, ein Mensch ist in seinem Innersten vom Glauben an Gott und vom Vertrauen auf ihn getragen und findet darin eine Freiheit, die ihm keine Macht der Welt nehmen kann.
In diesem Geiste wünsche ich unserem Heiligen Vater Benedikt XVI. und unseren Maria-Stern-Schwestern auf ihrem Lebens- und Missionswege Gottes reichen Segen, viel Freude und Lebenskraft aus dem Glauben, und verbleibe mit ihnen für immer im Gebet verbunden.
Nutzen wir, liebe Mitchristen, diese beide Ereignisse im September zu einer wirklichen, vertieften, geistlichen Erneuerung unseres Glaubens, Denkens und Handelns, denn nur daraus erwächst die bleibende Dynamik einer Neuevangelisierung, sowie die Erfahrung der Gemeinschaft der Kirche als Communio der Liebe, in der wir uns in unserem Glauben bestärkt wissen – im Kommen und im Gehen, im Leben und im Sterben, und in der wir die Kirche als unsere eigentliche Heimat entdecken.
Mit priesterlichen Grüßen Dr. Bogdan Piwowarczyk
 

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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 23.9.2006