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Burgforum
Europäische Werte exportieren
Erste Veranstaltung des „Burgforum" mit Dr. Ingo Friedrich
Wasserburg (koe) – Auf großes Interesse stieß das neugegründete "Burgforum" bei seiner ersten Veranstaltung mit Dr. Ingo Friedrich. Der CSU Europarlamentarier sah bei seinem Vortrag die weitere Globalisierung als unvermeidlich an. Für Europa allerdings bringe sie nicht nur Probleme, sondern auch viele Chancen, war seine Überzeugung.
      Europa ist eines der Themen, dem sich das Burgforum künftig bei seinen Veranstaltungen immer wieder widmen will. Grundsätzlich versteht sich der lose Zusammenschluss als Diskussionsforum, das aus christlichem Geist heraus Fragen der Politik und Gesellschaft behandeln möchte, ein Ansatz, der offensichtlich ankommt, denn die erste Veranstaltung war schnell ausverkauft.
      Dass zu diesem ersten Termin mit dem langjährigen Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments Dr. Friedrich ein Protestant gekommen war, wertete Initiator Dr. Bogdan Piwowarczyk, selbst katholischer Geistlicher, als "Zeichen der Offenheit". Tatsächlich gab es im Verlauf des Abends auch kritische Wortmeldungen zum Thema "Die christlich-abendländischen Werte Europas in der Globalisierungsfalle".
      Diese "Falle" wollte Dr. Friedrich so gar nicht stehen lassen. Internationalität sei wirtschaftlich durchaus ein Gewinn; wenn die Qualität stimme. Dies habe beispielsweise die Ost-Erweiterung der EU gezeigt, die Deutschland mehr positive als negative Marktimpulse brachte, wie er meinte.
      Was dem CSU-Politiker mehr Sorgen machte, waren Dynamik und Komplexizät dieser Welt, die mit der Globalisierung rasend zunähmen: "Was passiert mit denen, die damit nicht zurecht kommen?"; fragte er, ohne eine Antwort zu kennen.
      Gleichzeitig sah er keine Alternative zu dieser Entwicklung – und ihre Chancen. Denn: Die Probleme der Gesellschaft, die früher noch in einer Kommune zu lösen gewesen seien, dann Landes, Bundes oder europaweite Ansätze benötigten, seien inzwischen so komplex, dass auch die politischen Einheiten zu ihrer Regelung immer größer werden müssten. Beispiele dafür waren die Themen Sicherheit, Umwelt, Kommunikation oder Handels-Spielregeln. Und: "Nicht unsere reichen Nachbarn sind das Problem, sondern die armen."
      In den künftig erforderlichen weltweiten Öffnungs- und Wachstumsprozessen sah Friedrich Europa im Vorteil zu den USA, denn man habe im Unterschied zu diesen damit bereits reiche Erfahrung.
      Was die Werte angeht, war der Europaparlamentarier skeptisch, dass der ausdrückliche Gottesbezug in die europäsche Verfassung aufgenommen werden könne. Zu stark sei die laizistische Tradition von Ländern wie Frankreich und Belgien, wo die strikte Trennung von Kirche und Staat Grundlage sei. Man könne aber durchaus die Welt auf dem Hintergrund der christlich fundamentierten europäischen Werte beeinflussen, ja man müsse dies sogar, um ethische Spielregeln und Mindststandards einzuführen, die sich in Europa bewährt hätten: "Es gibt keine Region der Welt, wo es besser gelöst ist als in Mitteleuropa", war der Referent überzeugt.
      Offen blieb in der Diskussion, ob denn der Gottesbezug in der europäischen Verfassung überhaupt erforderlich ist. Andererseits vermisste ein Besucher Hoffnungsansätze für die mit den modernen Prozessen überforderten Menschen. Eine Zuhörerin fragte nach Lösungen für das verarmte Afrika, aus dem laut Friedrich geschätzte 100 Millionen Menschen nach Europa wollen. Es sei ein mühsamer Prozess, gestand der Politiker ein, man können nicht alle Probleme gleich lösen. Aber: "Wir können stolz sein auf das, was in den letzten Jahrzehnten geschafft wurde."
© Wasserburger Zeitung, 19.3.2007, S. 13; mit freundlicher Genehmigung
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