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Burgforum
Im alten Rittersaal blüht Europa auf
Wie ein Wasserburger Seelsorger Menschen zum Dialog verleiten will
     Dr. Bogdan Piwowarczyk hat eine ganze Menge von Napoleon. Nicht nur, dass er von Statur
und Aussehen dem kriegerischen Franzosen-Kaiser ähnelt, auch mit der oft beschriebenen Dynamik und dem Durchsetzungswillen Napoleons kann Piwowarczyk viel anfangen.
"Ich habe so viel Energie, dass es direkt aus mir heraussprüht", sagt der 59-Jährige, der gerade im alten Rittersaal auf der Wasserburger Burg sitzt. Dort ging vor ein paar Tagen das jüngste Projekt des Pfarrers - jenseits von Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und Messen - über die Bühne. Herausragende Wasserburger Persönlichkeiten wie die Unternehmer Ulrich Bauer, Toni Meggle oder Zweiter Bürgermeister Otto Zwiefelhofer trafen sich zum ersten "Burgforum" in den altehrwürdigen Gemäuern hoch über dem Inn.
     Zu Gast war der Vizepräsident des europäischen Parlaments, Dr. Ingo Friedrich. Es ging um Europa und die abendländischen Werte. Am Ende des Abends waren sich die über 100 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft einig, den interessanten Gedankenaustausch weiter fortzusetzen.
    Initiator Piwowarczyk  zeigt sich über den Erfolg des Burgforums fast ein wenig überrascht. "Es ist toll, wenn Menschen ins Gespräch kommen, Probleme ansprechen und im Dialog lösen. Dass das gleich beim ersten Mal so toll funktioniert hat, freut mich besonders. Wir waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und mussten leider auch Interessierten absagen, weil der Platz im Rittersaal nicht ausreichte." Der 59-Jährige, der seit zehn Jahren in Wasserburg seelsorgerisch tätig ist und vielen Gläubigen auch als Vertreter des Stadtpfarrers bekannt ist, sucht den "Austausch im christlichen Glauben" als Lösung für viele Unwägbarkeiten, die die Globalisierung mit sich bringt. "Wir müssen mehr miteinander reden", sagt der Pfarrer, der vor drei Jahrzehnten in der Schweiz über Religion im Marxismus-Leninismus promoviert hat. Auf die Idee, das Burgforum zu gründen, ist Piwowarczyk nicht zuletzt durch die europakritische Stimmung, die von der polnischen Regierung geschürt wird, gekommen. "Es ist traurig, was da in meiner Heimat derzeit über die Bühne geht."
     Piwowarczyk will sich als Geistlicher nicht auf Trampelpfaden bewegen. Er sucht den Weg links und rechts derAutobahn. "Ohne die Traditionen zu vernachlässigen - für mich ist der Glaube allemal wichtiger als die Religion." Deshalb engagiert er sich bei zahllosen Projekten, nimmt an Kongressen in ganz Europa teil, hält Vorträge von Brüssel bis Bern und schreibt nebenbei auch noch an seinem neuen, dem dritten Buch. Das hat ihm in Wasserburg auch schon mal die Kritik eingebracht, auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen, was den Pfarrer mächtig ärgert. "Ich kümmere mich um die Menschen, um ihre Seele, Tag für Tag." Und dann zeigt er seinen Terminkalender, in dem die nächsten Wochen und Monate unzählige Namen und Uhrzeiten festgehalten sind. "Manchmal geht mein Tag von 5 Uhr morgens bis spät in die Nacht hinein, ohne große Pausen."
     Zu Piwowarczyks wichtigsten Terminen gehört das nächste Burgforum, das am 27. Oktober stattfindet. Gast ist dann der bekannte Geistliche Dr. Odilo Lechner. Unterstützt wird das Burgforum von der Sparkasse Wasserburg, die ab September auch den Kartenverkauf für die Neuauflage des Forums übernimmt. Mitfinanziert hatte den ersten Abend die Firma Meggle.
© hc, Pressewoche, 31.3.2007, S. 6; mit freundlicher Genehmigung – PressewochePressewoche
Welt christlich beeinflussen. Erstes Burgforum mit Ingo Friedrich fand großen Anklang
Wasserburg (koe)
     Auf großes Interesse ist die Auftaktveranstaltung des neugegründeten »Burgforums« mit dem
Vizepräsidenten des europäischen Parlaments, Ingo Friedrich, gestoßen. Dass als erster ein Protestant referierte, wertete der Initiator des Forums, der katholische Pfarrer Bogdan Piwowarczyk, als »Zeichen der Offenheit«. Tatsächlich gab es im Verlauf des Abends auch
kritische Wortmeldungen zum Thema »Die christlich-abendländischen Werte Europas in der Globalisierungsfalle«.
     Diese »Falle« wollte Friedrich so nicht stehen lassen. Internationalität sei wirtschaftlich durchaus ein Gewinn, wenn die Qualität stimme. Dies habe die EU-Ost-Erweiterung gezeigt. Was die Werte angeht, war der Europaparlamentarier skeptisch, dass der ausdrückliche Gottesbezug in die europäische Verfassung aufgenommen werde. Man könne und müsse die Welt aber durchaus auf dem Hintergrund der christlich fundamentierten europäischen Werte beeinflussen.       
© Münchner Kirchenzeitung, 1.4.2007, S. 16; mit freundlicher Genehmigung
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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 2.4.2007