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Burgforum
Wirtschaft, Ethik und Glaube
Veranstaltung des „Burgforum" mit Dr. Claus Hipp
Wasserburg (vo) – Wer spontan zum jüngsten Burgforum wollte, konnte sich höchstens eines der Bücher von Professor Dr. Claus Hipp kaufen. Die Sitzplätze für diesen Abend im Rittersaal der Burg waren schon vor zwei Wochen vergeben.
      Er gehört zu den bekanntesten Unternehmern in Deutschland, auch als Künstler ist er kein Unbekannter und als solcher ist er derzeit tätig als Dozent an der Kunstakademie in Tiflis in Georgien. In Wasserburg sprach er über "Ethik im Wirtschaftsleben und ethisch-ökologisches Handeln". Das Thema Wirtschaft stand nun dieses Mal im Mittelpunkt des Austauschs im christlichen Glauben des Wasserburger Burgforums, veranstaltet wieder von Pfarrer Dr. Bogdan Piwowarczyk. Er bat den viel gefragten Gast Hipp: „Sagen sie uns, was wichtig ist für den Austausch im christlichen Geist mit der Wirtschaft".
     Wenig erbauliche Entwicklungen skizzierte Claus Hipp zunächst. So suche jeder seine persönlichen Vorteile, den Geist Gottes suchten immer weniger. Bei der Nachhaltigkeit habe man zwar für den Umweltschutz vieles gemacht, überlasse aber den folgenden Generationen einen Riesenbalast, etwa bei der medizinischen Versorgung oder Rentenzahlung. Überregulierung belaste Unternehmen unglaublich, alle zu berücksichtigen sei gar nicht machbar und die Gesetze verstehe keiner mehr.
     Die Erwachsenen könne man nicht mehr ändern, die Jugend schon und ihnen die Köpfe mit Wissen vollzupacken "ist ein Fehler". Die Forderungen von Pestalozzi nach Haupt, Hand und Herz nannte er dabei wie auch die von Aristoteles. Tapferkeit gehört dazu, "den Mut die Meinung zu sagen". Oder auch Maßhalten. Vieles habe man weil man glaube es wegen des Prestiges haben zu müssen. Sich davon loszusagen, sei sehr befreiend. Auch Demut gehöre dazu, und Demut sei das einfache Annehmens des Glaubens, für das was man nicht sehe.
     Und dann schilderte, Hipp die vielen Regeln, die in vielen Gesprächen in einem Heftchen zusammengefasst sind und die für die Mitarbeiter seines Betriebs gelten sollen. Diese Regeln aus allen Bereichen vom Qualitätsmanagement über einen guten Informationsfluss mit klaren Worten, Aus- und Weiterbildung, bis zur Besetzung von Leitungspositionen oder Einrichtungen, für Familien zeigten, was Hipp mit Ethik im Wirtschaftsleben meint und was sein ethisch-ökologisches Handeln ist. Erfahrungen ergänzten dies. So die Geschichte von dem jungen Mann mit viel Metall im Gesicht, der das Abi nicht bestanden hat, seit Jahren die Hipp-Schreinerei nun managt. Oder vom wieder abgeschafften Kindergarten für die ganz Kleinen, "hier muss der Staat Lösungen anbieten". Oder wie das ist, wenn ein Mitarbeiter im Ausland erpresst und bedroht wird. "Der ist mir dann näher als die deutsche Gesetzgebung."
     Die Fragen an Claus Hipp hatten meist aktuellen Hintergrund. Etwa die Managergehälter. Da habe er vieles gehört, was eigentlich über den Verstand hinausgehe. Dennoch, die Dummheiten würden beim Ausgeben gemacht, "Manager müssen dafür haften". Die Bankpleiten? Es sei, so Hipp, ein Scheingebilde aufgebaut worden und viele meinten, in den USA sei schnelles Geld zu verdienen. Sein Rat an die Politik: "Die Banken in Ruhe lassen". Es würden viele leiden, aber es sei auch so, dass wer spekuliert, auch verliert, "sonst wäre das ungerecht". Und zur Frage des Milchpreises und den Streiks der Bauern meinte Hipp, es gebe nur einen Ausweg. Der Bauer brauche einen gewissen Betrag, um sinnvoll wirtschaften zu können, dabei sei der Lebensmittelmarkt ruinös. "Ein Ausweg aus dem Dilemma ist, Qualitätsbewusstsein schaffen, damit die Bereitschaft wächst, für Lebensmittel den gerechten Preis zu zahlen. Ein Huhn für drei Euro ist nicht normal groß geworden".
     Und die letzte Frage: "Wieviele Unternehmer wie Sie gibt es denn?" Es seien, sagte Hipp, mehr als man glaube. "Man weiß das meist nicht, sie reden nicht darüber".
© Wasserburger Zeitung, 30.10.2008, S. 15; mit freundlicher Genehmigung
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