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Burgforum
Wertevermittlung ohne Fragezeichen
Dr. Hans Zehetmair beim Wasserburger Burgforum
Wasserburg (koe) – Werteerziehung an den Schulen: Für Dr. Hans Zehetmair, den langjährigen bayerischen Kultusminister, blieb da kein Platz für Fragezeichen. Ohne Werte könne es keine Erziehung geben - schon gar nicht an bayerischen Schulen, so seine feste Überzeugung, die er als Referent beim Wasserburger Burgforum einmal mehr vortrug. Auf Einladung von Dr. Bogdan Piwowarczyk war der jetzige Vorsitzende der Hanns-Seidl-Stiftung nach Wasserburg gekommen, und wieder war die Veranstaltung Wochen vorher ausverkauft.
      Natürlich fiel zu Beginn des Referates, in dessen Themenstellung sich Dr. Zehetmair auch als Altphilologe sichtlich wohl fühlte, das Stichwort «Winnenden». «Wir kommen nicht weiter, wenn wir nur die Verantwortung hin und her schieben», so der Pädagoge zu dem jüngsten Amoklauf an einer Schule. Daher müsse auch die Schule ihren Erziehungsauftrag annehmen und könne nicht nur auf Eltern und Gesellschaft verweisen.
     Der Auftrag der Schule ist in Bayern Verfassungsthema: «Die Schule soll nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden», heißt es in Artikel 131. Und: «Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor...der Würde des Menschen, ...Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne.» Bei so klaren Vorgaben gab es für Dr. Zehetmair keinen Spielraum für Zweifel oder kritische Ansätze. Und er war auch zuversichtlich, dass «längst verschollen geglaubte Werte wieder im Aufwind seien und mit ihnen Disziplin, Respekt und Manieren.
     Eine klare Absage gab es an frühere und aktuelle pädagogische Strömungen, etwa die kritische Pädagogik der 70er-Jahre mit ihrer Zentrierung auf selbstbestimmte Persönlichkeitsentwicklung und Emanzipation oder eine übermäßige Wissensorientierung, wie sie Dr. Zehetmair für die vergangenen Jahre ausmachte: «PISA ist so schief wie der Turm dort», so seine Wertung von Wissensvergleichen. Denn: Nur wer Wissen auf dem Hintergrund eines festen Wertegefüges einordnen könne, sei auch in der Lage, damit umzugehen.
     Die Folgen daraus, dass es in den 70er-Jahren «nach 250 Jahren einen massiven Werteverfall» gegeben habe und inzwischen das Wissen explodiere, fand Dr. Zehetmair beängstigend. Er forderte als Konsequenz von den Lehrern, sich ihrer Vorbild-Funktion bewusster zu sein und Kinder und Jugendliche «in gegenseitiger Wertschätzung» zu erziehen.
     Als Orientierung zählte er sieben Tugenden aus Antike und Christentum auf: Klugheit, Tapferkeit, Mäßigung, Gerechtigkeit, Glaube, Hoffung und Liebe. Erst dann komme Toleranz, die wiederum nur auf der Basis eines eigenen klaren Standpunktes - in Bayern der christliche Glaube - überhaupt möglich sei. «Das erfordert Kraft und Ausdauer. Aber einen anderen Weg für ein friedliches Miteinander sehe ich nicht», so sein Fazit.
     Dem hatte das Publikum offensichtlich wenig hinzuzufügen, es gab keine Diskussion. Drei Lehrern wandten allerdings vorsichtig ein, dass die Schulpraxis etwas komplexer sei: Rechtsstreite mit Eltern, Pädagogik als Spielball der Politik sowie «liebessüchtige» und damit gegenüber ihren Kindern konfliktvermeidende Eltern seien nicht unbedingt hilfreich bei der für Zehetmair selbstverständlichen Wertevermittlung.
© Wasserburger Zeitung, 30.3.2009, S. 13; mit freundlicher Genehmigung
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