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Burgforum
Beatrix Boutonnet: "Mehr Miteinander, Mut und Menschlichkeit"
Pressewoche, 4.4.2009, Seite 3 – Burgforumonline
Burgforum: Staatsminister a.D. fordert Rückbesinnung auf traditionelle Werte
Nie war Erziehen so schwer wie heute. Nie waren Erwachsene aber auch – trotz immer besserer Kommunikationsmöglichkeiten – so weit von den der Jugendlichen entfernt wie heute. Der jüngste Amoklauf führte das auf harte Weise vor Augen. Die Diskussion über fehlgeleitete Erziehung flammt nun in ungewohnter Heftigkeit auf. "Erziehung war noch nie leicht!" – das war das Eingangsstatement des ehemaligen bayerischen Staatsministers Dr. h.c. Hans Zehetmair, als er auf dem Wasserburger Burgforum über Werteerziehung an den Schulen sprach.
    „Die Jugend liebt heuttzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, achtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll ... und tyrannisieren ihre Lehrer." "Wie wahr, wie wahr", mochte sich so manch Uilnehmer des bis auf den letzten Platz besetzten Wasserburgen Burgforums insgeheim gedacht haben als der langjährige bayerische Kultusminister und jetzige Vorsitzende der Hanns-Seidel-Stiftung, Hans Zehetmair, damit seine Rede begann. Doch so aktuell das Zitat auch anmuten mag, der ehemalige Latein- und Griechischlehrer hatte zeitlich viel weiter, nämlich auf den griechischen Philosophen Sokrates zurückgegriffen. Auch er, der 470 bis 399 vor Christus lebte, hatte mit den Schwierigkeiten der Erziehung zu kämpfen. Leicht war die Erziehung tatsächlich noch nie. Über alle Zeiten und Kontinente hinweg hat man immer wieder über den Niedergang der Jugend gejammert. Den Schierlingsbecher müsse aber keiner seiner Schüler trinken, so der achtfache Großwater Hans Zehetmair lakonisch. Vieles werde zu schwarz gesehen. So, lese die Jugend laut jüngsten Studien beispielsweise weit mehr als die Erwachsenen.
    Hart ging der wertkonservative Politiker mit den vielen Studien über das Bildungsniveau ins Gericht. Schule dürfe nicht nur zur reinen Wissensvermittlung verkommen, sondern müsse auch Werte vermitteln, so seine Kernthese. All die Studien über den Wissensstand der Schüler seien so schief wie der Turm von Pisa. Ein Urteil darüber darf und kann er sich erlauben; war er doch lange der "primus inter pares", der unumstrittene Star unter den Kultusministern, da die bayerischen Schüler unter seiner Ägide mit Abstand die Besten bei den Erhebungen waren.
Es brauche vor allem Mut zur Erziehung und Konsequenz, so der ebenso streitbare, wie standhafte Ex-Minister. Die Schule dürfe sich dabei nicht taub stellen. Sie habe sogar die Pflicht, auch Herz und Charakter auszubilden, das sei auch in der Bayerischen Verfassung in Artikel 131 verankert. "Nur wenn Werte vorgelebt werden, haben Schüler Orientierungsrichtlinien, die ihnen
Verhaltenssicherheit geben. In der Jugend dürfen Schüler noch Fehler machen", so Zehetmair. Lehrer und Eltern seien dazu da, das zu korrigieren – auf eine gerechte, fordernde und fördernde
Weise zugleich. Loben sei dabei immer noch eine Wundermedizin.
    Nach kurzer Diskussion im Anschluss an dein Vortrag leitete Pfarrer Bogdan Piwowarczyk, Veranstalter des Wasserburger Burgforums, zum Abendessen über. Der promovierte katholische Priester ist gebürtiger Pole, vielsprachig und weit gereist: Vor allem aber ist der überzeugte Europäer tolerant und engagiert. Aus diesem Geist heraus rief er das Burgforum ins Leben. Für das zweimal jährlich stattfindenden "DinerDebat" im Rittersaal der Burg lädt er dazu Experten aus Politik, Kirche, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst ein, um gemeinsam mit ihnen zu debattieren. Der Veranstaltungsort ist mit Bedacht gewählt. "Die Burg ist einerseits Wahrzeichen der Stadt und zeigt die Verbindung mit der europäischen Geschichte, andererseits vermittelt sie auch Standfestigkeit und das gemeinsame christliche Erbe."
    Dass das nicht nur leere Worte sind, sondern dass diese humanistische Einstellüng von vielen mitgetragen wird, zeigt der Burgforumsbeirat. Er ist mit Birgitt Arnold, Ulrich Bauer, Hermann Brezina, Leo Hutterer, Helmut Kohlmann, Michael Kölbl, Toni Meggle, Peter Rink, Gerhard Schloots, Otto Sigl, Wolfgang Slatosch, Irmingard Stöberl und Richard Wagner hochkarätig besetzt. Sie alle wollen Zeichen setzen und Vorbild sein. Damit schließt sich der Kreis. Denn Vorbild und Vertrauen bilden die wichtigsten Ressourcen auf die Kinder und Jugendliche bauen – ganz im Sinne des Zehetmairschen Gedankengutes: "Verba docent, exempla trahunt": Worte belehren, Vorbilder jedoch reißen mit!
© Pressewoche, 4. April 2009, S. 3; mit freundlicher Genehmigung
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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.4.2009