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Burgforum
Dr. Angelika Niebler beim Burgforum
„Frauen-Quote als Türöffner”

Wasserburg (duc) – Ausschweifen, um den heißen Brei herumreden, polemisieren: Das ist ihre Sache nicht. Die CSU-Europaabgeordnete Dr. Angelika Niebler präsentierte sich beim siebten Burgform als erfrischend offene und geradlinige Diskutantin – und als hervorragende Repräsentantin des Tagesthemas: „Frauen auf der Überholspur”.
      Gleich zu Beginn stellte die Landesvorsitzende der Frauen-Union jedoch fest: „Auf der Überholspur sind wir Frauen nicht.” Wollen sie auch nicht sein, wie .Angelika Niebler ebenfalls betonte: Ihr Traum ist ein partnerschaftliches Miteinander von Frau und Mann, ein gemeinsames Voranschreiten auf Augenhöhe.
      Ohne zu beschönigen, legte die 46-jährige Rechtsanwältin vor den 105 Gästen im ausverkauften Burgforum jedoch die Faktenlage dar: Bei den 200 größten Dax-Unternehmen in Deutschland sind die Frauen nur zu 2,5 Prozent in den Vorständen vertreten. Nach wie vor verdienen in Deutschland die Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger als die Männer. Selbstkritisch auch ihre Bilanz zur Frauenpartizipation in der eigenen Partei: Trotz vieler Förderprogramme liegt der Anteil der Frauen bei „ernüchternden 20 Prozent” – nicht bedeutend höher als vor zehn Jahren. „Wir stellen in Bayern keine einzige Landrätin.” Ihr Fazit: „Wir brauchen die Quote als Türöffner.”
      Die Europaabgeordnete, die nach eigenem Bekenntnis diesem Mechanismus jahrelang kritisch gegenüber stand, sieht auch in der eigenen Partei keine andere Chance, Frauen breiter und dem in der Realität vorhandenen Anteil entsprechend zu positionieren. „Alle Appelle der vergangenen Jahre haben wenig genützt, der große Durchbruch bei der Frauenpartizipation ist bis heute nicht geschafft.”
      Politik, Wirtschaft und Wissenschaft benötigen nach ihrer Überzeugung jedoch mehr Frauen – auch in leitenden Positionen. Schließlich hätten viele empirische Untersuchungen aufgezeigt, dass Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in den Führungsebenen erfolgreicher und krisenfester seien. Das Talentpotenzial der Frauen müsse jedoch geweckt werden. Obwohl Frauen heute gut ausgebildet seien und beruflich in jungen Jahren durchaus erfolgreich durchstarten würden, gebe es jedoch nach wie mit der Familiengründung einen Knick in der Biographie. Kindererziehung und später oft die Pflege von Eltern würden verhindern, dass sich die berufliche Entwicklung konstant weiter fortsetze oder gar Zeit für ein politisches Engagement entstehe.
      Niebler, selber Mutter von zwei Buben, schob die Verantwortung jedoch nicht allein den nach wie vor nicht ausreichenden Kinderbetreuungsplätzen oder der mangelnden Bereitschaft der Männer, sich familiär zu engagieren, zu. Selbstkritisch betonte sie, dass es auch ihr zu Beginn ihrer politischen Karriere an Selbstbewusstsein gefehlt habe. „Kann ich das?” Diese Frage habe häufig im Mittelpunkt ihrer Selbstzweifel gestanden, während Männer in der gleichen Ausgangslage offensiv vermittelt hätten: „Das kann ich.”
      Frauen stehen sich also oft selbst im Wege, wobei die angeregte Diskussion im Burgforum unter Leitung von Pfarrer Dr. Bogdan Piwowarczyk deutlich zeigte: Viele Verhaltensmuster sind das Ergebnis nach wie vor nicht durchbrochener traditioneller Rollenbilder. „Die Frauen backen den Kuchen”, darauf würden Frauen immer noch oft reduziert – und diese Mechanismen auch zulassen, bedauerte Angelika Niebler.
      Die Rechtsanwältin erteilte jedoch auch Anstrengungen, „als Frau der bessere Mann” sein zu wollen, eine klare Absage. Frau müsse Frau bleiben – auch als erfolgreiche Berufstätige, sozial oder politisch Engagierte. Schließlich bringe sie viele Talente ein, die typisch für sie seien: ihr Organisationstalent, die Fähigkeit, vielschichtig zu denken, ihre Kreativität und ihre soziale Kompetenz.
      Als „Heldinnen des Alltags” charakterisierte sie denn auch Pfarrer Piwowarczyk, der das Wasserburger Burgforum heuer ganz den Frauen widmet: Am 1. Oktober ist die Bestseller-Autorin und bekannte Kinder-Psychotherapeutin Christa Meves zu Gast. Sie spricht über „Jesus und die Frauen.”
© Wasserburger Zeitung, 23.3.2010, S. 11; mit freundlicher Genehmigung
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© by Herbert Huber, Bogdan Piwowarczyk, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 25.3.2010