| Max
Brod: Der Sommer, den man zurückwünscht.
Roman Bergisch-Gladbach: Bastei, 1974. 156 Seiten Arno Holz "Vergiß!" Literatur Werksauswahl Rezensionen (Gesamtauswahl) |
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Der Roman Der Sommer, den man
zurückwünscht will aufmerksam gelesen werden. Schon der Titel
verleitet zur Schlamperei und das Buch wird oft antiquarisch als Der Sommer,
den man sich zurückwünscht oder Der Sommer, den man sich
wünscht angeboten. Eingangs weist Brod auf das Jahr 1899 hin. In
diesem Jahr verreisen die zwei Prager Kinder Erwin und Otto mit ihrer Mutter an
die Ostsee, der Vater soll folgen. Alles geht dabei seinen geregelten Gang;
meint man. Aber auf der ersten Seite heißt es: "..wir mögen wohl das
Jahr 1899 schreiben". Wenn man das "wohl" nicht überliest, wird man nicht
überrascht. Brod erzählt nicht nur diesen einen Sommeraufenthalt, er
webt zurückliegende und künftige Jahre mit hinein. Keine Angst: dies
geschieht unauffällig und nie aufgesetzt. Der Autor und sein Leser sollen
sich also nicht nur den Sommer 1899 zurückwünschen, sondern alle
Sommer dieser Art, als Prager Juden noch ungestört ins deutsche
Reichsgebiet einreisen konnte, wenn auch Brod um die Jahrhundertwende schon
vorhandenes antisemitisches Verhalten artikuliert. Hierzu eine kurze
Charakterisierung des Vaters der beiden Kinder.
Der Roman ist stilistisch auf diese Reminiszensen und Vorausahnung des kommenden Jahrhunderts abgestimmt. Brod schildert die Freuden und Leiden der beiden Kinder Erwin und Otto, in manchen Passagen läuft er zu grandioser Form auf, so bei der Schilderung der Kinderfreuden am Kurkonzert (S. 89-97) oder der Krise in der Sandmulde (S. 108). Stilbeispiel:
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| Hinweis zur Seite 109: "Jensens allzu brilliante »Margret am Tore«" ist von Adolph Jensen nach einem Text von Otto Roquette. Ich meine, Der Sommer, den man zurückwünscht ist ein Lesegenuß, wenn man sich auf die Stimmung und den impressionistischen Stil einläßt. |
| Literatur Binder, Hartmut: Kafka-Kommentar zu sämtlichen Erzählungen. München: Winkler, 1975. |