Die
wichtigste These scheint mir gleich anfangs genannt: | "In Kafkas
Werk findet sich viel Skeptisches, das an den Grundlagen des Glaubens
rüttelt. Dennoch ist er kein Dichter des Unglaubens und der
Verzweiflung. Er ist vielmehr eine Dichter der Prüfung des
Glaubens, der Prüfung im Glauben." (S. 5) |
Kafka ist viel mehr, doch
sicher auch das von Brod Behauptete. Ich meine, er weist es in seinem
Essay nach. Franz Kafka ist ein Sucher, der die Gefahren der Welt
erkennt (übertreibt?) und daher einen Ausweg finden will. Er
zeigt die Einsamkeit, die schier ausweglose Verzweiflung nicht aus
Bosheit auf, sondern um jeden Leser die Augen zu öffnen (meine
Interpretation). Im Kapitel "Epilog" geht Max Brod auf einige
Vorwürfe bezüglich seiner Werksausgabe und -redaktion
ein. Seine Hinweise auf die persönliche Bekanntschaft mit dem
Dichter und die daraus resultierenden "Eingriffe" ins Werk
muß man respektieren. Ich fühlte mich an zwei
Anektoden mit dem Dirigenten Willem
Mengelberg erinnert, der gerne
Änderungen an Partituren vornahm und sich auf
Autoritäten berief. Um
Retouchen an einer Partitur Peter Tschaikowskys zu rechtfertigen berief
sich Willem Mengelberg gerne auf dessen Bruder Modest. Ein Mitglied des
Concertgebouw-Orchesters rief einmal, als Mengelberg eine nicht
vorschriftsmäßige Instrumentenverdoppelung in einem
Bach-Stück verlangte: "Oh, das hat er sicher vom Modest Bach!" (Rutger Schoute: Willem Mengelberg, Beilage zu Beethoven:
Die 9 Sinfonien) Bei einer
Tempoauslegung zu Beethoven berief sich Mengelberg auf Franz
Wüllner, einem Schüler Anton Schindlers, der Ludwig
van Beethoven noch gekannt hatte. Ein Dirigentenkollege entgegnete
Mengelberg, er habe das korrekte Tempo direkt von Beethoven und nach
Mengelbergs erstaunter Rückfrage: "Sehen Sie, Beethoven selbst
schrieb über die Partitur: »Andante«." |
Für den Kafka-Leser, -Interpreten,
-Fan ist dieses kleine Büchlein eine erhellende Hilfe.
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