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Max, Brod, Franz, Kafka
Max Brod: Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas
Frankfurt am Main: S. Fischer, 1959. 88 Seiten – BrodWerksauswahl
max brod franz kafka Wer über Franz Kafka etwas wissen will, greife zu seinem Werk und seinen Tagebüchern. Ergänzend kann auch Kafkas Freund Max Brod empfohlen werden, der sich um dessen Werk unschätzbare (ist hier nicht floskelhaft sondern völlig wörtlich gemeint) Verdienste erworben hat.
Das schmale Interpretationsbändchen Verzweiflung und Erlösung im Werk Franz Kafkas hilft beim Verständnis Franz Kafkas ungemein. Es hat folgende Kapitel
Der Glaube und die Verzweiflung
Wo steht ein Autor und wohin tendiert er?
Kafkas religiöse Entwicklung in der Reihe seiner drei Romane
Persönliches
Epilog
Die wichtigste These scheint mir gleich anfangs genannt:
"In Kafkas Werk findet sich viel Skeptisches, das an den Grundlagen des Glaubens rüttelt. Dennoch ist er kein Dichter des Unglaubens und der Verzweiflung. Er ist vielmehr eine Dichter der Prüfung des Glaubens, der Prüfung im Glauben." (S. 5)
Kafka ist viel mehr, doch sicher auch das von Brod Behauptete. Ich meine, er weist es in seinem Essay nach. Franz Kafka ist ein Sucher, der die Gefahren der Welt erkennt (übertreibt?) und daher einen Ausweg finden will. Er zeigt die Einsamkeit, die schier ausweglose Verzweiflung nicht aus Bosheit auf, sondern um jeden Leser die Augen zu öffnen (meine Interpretation).
Im Kapitel "Epilog" geht Max Brod auf einige Vorwürfe bezüglich seiner Werksausgabe und -redaktion ein. Seine Hinweise auf die persönliche Bekanntschaft mit dem Dichter und die daraus resultierenden "Eingriffe" ins Werk muß man respektieren. Ich fühlte mich an zwei Anektoden mit dem Dirigenten Willem Mengelberg erinnert, der gerne Änderungen an Partituren vornahm und sich auf Autoritäten berief.
Um Retouchen an einer Partitur Peter Tschaikowskys zu rechtfertigen berief sich Willem Mengelberg gerne auf dessen Bruder Modest. Ein Mitglied des Concertgebouw-Orchesters rief einmal, als Mengelberg eine nicht vorschriftsmäßige Instrumentenverdoppelung in einem Bach-Stück verlangte: "Oh, das hat er sicher vom Modest Bach!" (Rutger Schoute: Willem Mengelberg, Beilage zu Beethoven: Die 9 Sinfonien)
Bei einer Tempoauslegung zu Beethoven berief sich Mengelberg auf Franz Wüllner, einem Schüler Anton Schindlers, der Ludwig van Beethoven noch gekannt hatte. Ein Dirigentenkollege entgegnete Mengelberg, er habe das korrekte Tempo direkt von Beethoven und nach Mengelbergs erstaunter Rückfrage: "Sehen Sie, Beethoven selbst schrieb über die Partitur: »Andante«."
Für den Kafka-Leser, -Interpreten, -Fan ist dieses kleine Büchlein eine erhellende Hilfe.

Max Brod Franz Kafka
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 24.1.2003