Seltsamer Zufall. Gerade hatte ich
Josef Eschbach: Umbrüche gelesen und nun Brods Beinahe ein
Vorzugsschüler. Es ist eine Hommage an Brods Mitschüler Viktor
Mathias Freud, genannt "Vikmath". (In
Umbrüche wurden drei Weggefährten porträtiert).
Allerdings beginnen diese Erinnerungen einen Weltkrieg früher und im
deutschsprachigen Prag. Die Schüler gehen ins Stephansgymnasium. Die
Stimmung am Gymnasium und unter den Schülern wird gekonnt eingefangen.
Viktor ist Schachspieler und trifft in der Freizeit sogar auf einen der Lehrer,
den er dann im Unterricht "pièce touchée" zuruft. Er will
bezwecken, daß der Lehrer bei seiner Entscheidung bleibt. Brod
schildert das Aufkeimen des Zionismus, den Einsatz für einen
jüdischen Staat. Als Adolf Hitler 1938
das Sudetenland besetzt will die tschechische Regierung die Juden aus Prag
abschieben. Doch in den Fängen der Deutschen hätte das den Tod
bedeutet. Anders als heute bei den bayerischen Behörden (
Gnadenlose Abschiebung) hatten die Interventionen Erfolg: "Die
Behörden, die damals ihren menschlichen Kern doch noch einigermaßen
unversehrt bewahrt hatten, brachten schließlich Verständnis auf" (S.
160). Anderes dagegen berichtet Brod über die englische Regierung.
| Für die Palästinawanderung der vielen
Tausenden, ja Zehntausenden von Prager Zionisten hatte die
großmütige englische Regierung damals genau zehn
Einwanderungserlaubnisse oder Zertifikate bereitgestellt, nicht mehr und nicht
weniger. Sie hätte alle retten können; sie wußte, daß die
Deutschen sich zum Einmarsch in Prag rüsteten, wußte, daß
jeder Jude, der zurückblieb, verloren war sie machte auch einige
schwache Rettungsansätze und brachte noch manch einzelnen in letzter
Minute in Sicherheit , im ganzen aber zog sie es vor, den
überwiegenden Rest der jahrhundertalten Gemeinde Prag an Hitlers
Schlachtmesser zu liefern. (S. 161-162) |
Lohnende Lektüre für alle, die am
Schicksal der Prager Jugendlichen zu Beginn des 20. Jahrhunderts interessiert
sind. |