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Craig
Gordon A. Craig: Über Fontane
[Literature and History in the Bismarck Reich, Jürgen Baron von Koskull, Übs.] München: Beck, 1998.
2., durchgesehene Auflage. Gebunden, 293 Seiten – Gordon A. LinksGordon A. Literatur

Der englische Untertitel Literature and History in the Bismarck Reich entfiel im Deutschen. Der Untertitel ist berechtigt, da Gordon Alexander Craig Fontanes Leben anhand seiner Werke nachzeichnet. Der Wegfall ist ebenfalls berechtigt, da Craig natürlich nur einen kleinen Teil der Literatur (und Geschichte) zu jener Zeit als Vergleich mit Fontanes Werke heranzieht.
Gordon A. Craig gliedert seine literarisch historische Untersuchung in diese Kapitel:
• Vorwort
• Geschichte
• Schottland
• Wanderungen
• Krieg
• Bismarck
• Theater
• Historische Romane
• Gesellschaftsomane
• Anhang mit den Fussnoten, Literaturverzeichnis und einesm Orts- und Namensregister
Die Kapitelüberschriften passen zu den Inhalten, sie werden nachfolgend punktuell kurz erläutert.
• Im Vorwort bekennt sich der als Bub (* 26. November 1913 in Glasgow, Schottland) mit den Eltern in die USA ausgewanderte Historiker als Fontane-Fan: „Es gibt niemanden, der ihm gleicht“ (S. 10). Schon hier verteidigt Craig die These, dass der Romanschreiber ein zutreffendes Bild von der Gesellschaft vermitteln kann. Er beruft sich dazu auf Ernst Kohn-Bramstedt: „Heute vermittelt uns ein guter Gesellschaftsroman ein ebenso zutreffendes empirisches Wissen über einen Gegenstand wie eine sozialwissenschaftliche Analyse“ (Aristocracy and the middle-classes in Germany: social types in German literature 1830 - 1900, London: King, 1937). Diese Gabe billigt Craig auch Theodor Fontane und seinen Kriegsberichten und Romanen zu.
• Mit Fontane als Historiker und Autor historischer Romane setzt sich Craig dann im Kapitel "Geschichte" näher auseinander.
• Es folgen Fontanes erste Schreibversuche und erfolgreichen Balladen und sein Aufenthalt in London und Schottland.
• Fontane durchwandert – verteilt über mehrere Jahre – die Mark Brandenburg. Dazu entstehen seine umfangreichen Reiseerzählungen Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Craig wird nicht müde sie zu loben.
• Auch zu Fontanes Kriegsberichten gibt Craig lobende Analysen und Empfehlungen. Dazu schildert er die Entstehung und die Umstände. Das ist gleichzeitig (siehe englischer Untertitel) ein Exkurs in die Militärgeschichtsschreibung des 19. Jhdts.
• In "Bismarck" vergleicht Craig die beiden etwa gleichlebenden Otto von Bismarck (1815 – 1898) und Theodor Fontane (1819 – 1898). Bismarck rettete einst den in die Hände der Franzosen gefallenen Fontane aus der Gefangenschaft.
• Das nächste Kapitel behandelt Fontane als Theaterkritiker.
• Bei den historischen Romanen (im wesentlichen Vor dem Sturm und Schach von Wuthenow) verwendet Craig viel Raum für Fontanes Erstling Vor dem Sturm und seinen Zeitgenossen Willibald Alexis, von dem heute nur noch ein Romantitel präsent ist: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. (Leider wird dieser Romantitel heute noch, ohne dass diejenigen es wissen, woher er stammt, zu sehr beherzigt.) Da Craig Vor dem Sturm noch höher einschätzt als Schach von Wuthenow ist es aus seiner Sicht gerechtfertigt ihm mehr Platz einzuräumen. Einmal vergleicht er (wenn auch stark einschränkend) Vor dem Sturm mit dem Sittengemälde Krieg und Frieden.
• Auch die Gesellschaftsromane Fontanes, für die er vornehmlich beim Lesepublikum beliebt und bei den Kritikern geschätzt wird, bespricht Craig sehr aufschlussreich. Er hebt Fontanes Sicht als Romancier hervor. Fontane sah seine Aufgabe nicht darin zu zeigen, was man tun soll (das bemängelte Georg Lukács bei Fontane), sondern darin, zu zeigen, wie die Lage ist (S. 253).
Und Craig schließt nochmals mit einem Lob ab: Fontane ist „eindeutig der größte deutsche Romancier vor Thomas Mann“ (S. 213).
• Im reichhaltigen Anhang vermisst man stark einen Index der Werke. Da sich die Besprechung mancher Werke auf mehrere Kapitel verteilt, ist das besonders schmerzlich.
Craigs Untersuchungen zu Fontane und seine Zeit sind wunderbar zu lesen. Sie geben besondere demjenigen viel, der in jener Zeit geschlichtliche Lücken hat (wie ich), doch ich bin überzeugt sie sind auch für alle anderen erkenntniserweiternd, die sich für Fontane und die europäische Geschichte des 19. Jhdts. interessieren.
Links
Gordon A. Craig: CraigdeutschCraigenglisch (Wikipedia)
CraigZum Tod des Historikers Gordon Craig, DLF 2.11.2005
Craig Theodor Fontane
Literatur
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Craig Fontane Gordon A. Craig: Theodor Fontane: Literature and History in the Bismarck Reich. Oxford: Oxford UP, 1999. Gebunden, 248 Seiten Craig
Gordon A. Craig: Über Fontane. München: Beck, 1998. Gebunden, 293 Seiten. Jürgen Baron von Koskull, Übs. Fontane
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