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Josef Eschbach
Josef Eschbach: Die Gesichte des Johannes Bürling
Kempen: Thomas, 1947. 84 Seiten. Nicht, wie oft falsch bibliografiert: Die Geschichte des Johannes Bürling.
Johannes Bürling ist ein junger Kaplan, dem merkwürdige Gesichte erscheinen. Bald lernt er scheinbar zufällig Paul Singer einen Bildhauer kennen und erfährt, daß die Begegnung von diesem herbeigeführt wurde. Warum und welches Ende die Erzählung nimmt, möchte ich nicht verraten, da die 84 Seiten sonst nichts mehr hergeben. Dem Warum? unterliegt die Frage nach der Liebe und ihrem Wesen zugrunde. Eschbach stellt eine Überlegung zur Liebe des französischen Philosophen Gustav Thibon voraus. Ebenfalls wichtige Frage, die zwischen Bürling und Singer diskutiert werden, sind die Theodizee und die Existenz Gottes.
  1. Diese Frage stellt Johannes schon als Kind seiner Mutter: "Warum ist alles Leid auf der Welt?" (S. 15). Johannes ist von Anbgeinn ein Zweifler und wundert sich während des Studiums, daß andere alles ungefragt hinnehmen. Paul Singers Lebensphilosophie ist einfacher aber brutal: "Man hat mich mein ganzes Leben gequält. Nun will auch ich quälen. Ich quäle mich. Einer quält den anderen. Alle quälen sich." (S. 24). Der Schluß der Erzählung hängt damit zusammen, daß Paul auch Johannes teuflisch quälen will.
  2. Paul stellt dem Vertreter Gottes Johannes die Frage nach der Existenz Gottes. Dazu gibt der Kaplan ein (zu) einfache Antwort: "Alles was wir sehen, ist vergänglich. Es könnte demnach gleich gut auch nicht sein. Da es aber ist, muß es doch einen Grund haben, daß es ist. Sehen Sie, das ist Gott. Gott ist notwendig, darum ist er" (S. 37-38). Paul zieht daraus den Schluß: "Sehen Sie, wenn man Gott erwürgt hat, kann man sofort sterben" (S. 45). Das begründet er nicht. Denn eigentlich ist es genau anders: wer an Gott und an die ewige Existenz der Seele glaubt, kann genauso gut aus diesem Jammertal scheiden.
Das zeigt das Manko dieses kleinen Büchlein auf: es stellt (wörtlich!) zuviele selbstquälerische Fragen. Ich möchte, daß mir Fragen nicht explizit sondern durch das Geschehen selbst gestellt werden. Die wenigen Antworten werden nicht begründet.
Aufgrund der originellen Handlung ist die Erzählung trotz allen Einwänden lesenswert.
Gustave Thibon 1903 – 2001, französischer Philosoph, Priester (?), Bauer; wird meist als Bekannter und Nachlaßverwalter für Simone Weil, französische Philosophin und Aktivistin, genannt.
Theodizee: in Theologie und Philosophie der Versuch, den Widerspruch zwischen Gottes Allmacht und Güte und dem in der (seiner) Welt vorhandenen physischen Übel, moralischen Bösen und vielfältigen Leiden zu erklären. (c) Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 1999
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nicht erhältlich
 
Josef Eschbach Josef EschbachJosef Eschbach. Die Gesichte des Johannes Bürling. Kempen: Thomas, 1947. 84 Seiten.

Josef Eschbach
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 9.8.2003