| Fritz
Mauthner: Der letzte Deutsche von Blatna. Erzählung aus Böhmen Berlin, Wien: Ullstein, o.J. Gebunden, 318 Seiten – |
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| Nach
Lektüre von T.C.
Boyle
The
Tortilla Curtain fand
ich den vergleichenden Aufsatz Bernd
Weiler:
"Tschechische »Scheerenschleifer« – Illegale »Beaners« (zu beidem siehe |
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| Drei Kinder in einem Steinbruch, nahe dem böhmischen
Städtchens Blatna, lassen sofort die Grundthemen des Romans
aufleuchten: Freundschaft über Sprach- und Sippengrenzen hinweg versus
sich im Laufe der Jahre steigernden Nationalstolzes und Hasses. Anton Gegenbauer und Zaboj Prokop sind gleich alt, befreundet, Katschenka Prokop ist fünf Jahre jünger und man ahnt, dass sich zwischen Anton und Katschenka etwas anbahnen könnte. Doch soweit kommt es nicht: die Anfeindung zwischen deutsch und tschechisch eskaliert; selbstverständlich von tschechischer Seite ausgehend. Dabei stellt sich Author Mauthner glatt auf die deutsche Seite und beschreibt die Tschechen als hasserfüllt, dumm, arbeitsscheu, gefährlich und schmutzig (habe ich ein diffamierendes Klischee ausgelassen? Mauthner nicht!). Bezeichnend dafür ist die Schilderung des tschechischen Teils des Ortes:
Zwischen Tschechen und Deutschsprachigen kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, Wahlmanipulationen und Totschlag. Anton bleibt, doch Zaboj geht nach Prag. Er sieht seine Chance nur auf dem politischen Weg. Das 20. Jahrhundert brachte dann eine der denkbar schlechtesten Lösungen, das aber ist sehr viel später. Der Roman erschien 1887. |
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| Zwischen 1880 und der "Heimholung ins Reich" 1938 gab es in der deutschsprachigen Literatur Böhmens eine Woge deutschnationaler Romane mit antitschechischer Schräglage: die Grenzlandromane. Im Grunde ist Der letzte Deutsche von Blatna dem Genre »Blut und Boden« zuzurechnen. | |||
| Die Grundthese des Romangeschehens: die Deutschsprachigen brachten den böhmischen Barbaren die Kultur und sie danken es nicht durch Unterwürfigkeit sondern bestehen auf eigener Sprache und planen den Raub: "... so haben die deutschen Bücher erst Licht und Wahrheit zu uns nach Böhmen gebracht" (S. 38-39) – Zaboj: "Was nutzt uns der Sieg unseres Volkes, wenn wir den Deutschen nicht ihre Meierhöfe und ihre Fabriken fortnehmen können" (S. 120) | |||
| Üble Tendenzliteratur, die ich dem Sprachphilosophen Fritz Mauthner nicht zugetraut hätte. Am besten geraten die Nebenfiguren wie Tomek, der Fabrikwächter oder Stjepa, der Wirt. | |||
| Links | |||
| Fritz Mauthner,
22.11.1849 Horice/Horitz – 29.6.1923 Meersburg: |
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| Peter Stachel
(2004): "»Die nüchterne Erkenntniskritik hat vorläufig zu schweigen«.
Fritz Mauthner und der Erste Weltkrieg oder Die Geburt der Sprachkritik
aus dem Geist des Nationalismus". In: Petra Ernst, Sabine Haring,
Werner Suppanz, Hg.: Aggression
und Katharsis. Der Erste Weltkrieg im Diskurs der Moderne.
Wien: Passagen. Studien zur Moderne 20, S. 93-134. |
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| Bernd Weiler
(2004):
"Tschechische »Scheerenschleifer« – Illegale »Beaners«. Über
die Ängste der Etablierten bei Fritz Mauthner und T.C. Boyle".
Newsletter Moderne. Zeitschrift des
Spezialforschungsbereichs Moderne –
Wien und Zentraleuropa um 1900. 7:2, S. 32-36. |
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| Vergleichsliteratur | |||
| Literatur | |||
| Berger, Michael (1995): "Von der böhmischen Heimat ins
sudetendeutsche Grenzland. Differenzierungsprozesse in der deutsch-böhmischen Literatur 1848-1939". In: Michael Berger, Kurt Krolop, Hg.: brücken. Neue Folge 3. Germanistisches Jahrbuch. Berlin, S. 241-277 |
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| Mauthner,
Fritz (1918): Erinnerungen,
1.
Bd.: Prager Jugendjahre. München |
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| Reif, Wolfgang (1995): "Kalter Zweifrontenkrieg. Der Grenzlandroman konservativer und (prä-)faschistisches Autoren der Zwischenkriegszeit. Vom heißen zum kalten Zweifrontenkrieg". In: Richard Faber, Barbara Neumann, Hg.: Literatur der Grenze, Theorie der Grenze. Würzburg: Königshausen & Neumann, S. 115-135 | |||
| Rinas, Karsten (2008): "Die andere Grenzlandliteratur. Zu einigen tschechischen Romanen mit antideutscher Tendenz". brücken - Germanistisches Jahrbuch Tschechien Slowakei 16. S. 115-164. | |||
| Rinas, Karsten (2005): "Deutsche und Tschechen in Grenzlandromanen von Fritz Mauthner und Gottfried Rothacker". In: Alina Kowalczyk, Jan Pacholski, Hg.: Stereotype in interkultureller Wahrnehmung. Nysa/Neisse: Universitätsverlag. S. 77-98. |
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| Fritz
Mauthner: Prager
Jugendjahre.
Erinnerungen. Frankfurt a. M.: Fischer, 1969. Gebunden,
357 Seiten |
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| Tazuko
Takebayashi: Zwischen
den Kulturen: Deutsches, Tschechisches und Jüdisches in der
deutschsprachigen Literatur aus Prag: ein Beitrag zur xenologischen
Literaturforschung interkultureller Germanistik.
Hildesheim: Olms, 2005 274
Seiten |
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