| Otmar
Leist: Wendepunkte. Drei Erzählungen Bremen: Donat, 1996. 117 Seiten – |
| Drei Erzählungen zeigen Menschen an Wendepunkten; sagt der Titel. Der Autor lässt Menschen mit verschiedenen Lebenseinstellungen mehr oder weniger zufällig zusammentreffen. In ausgefeilten Dialogen werden diese Lebensentwürfe einander gegenüber gestellt. Die Wendepunkte fand ich nicht dargestellt. Sie werden der Vorstellungskraft des Lesers überlassen. |
| „Der Mann mit der Mütze |
| Simone und Sven, am Wendepunkt zwischen Ausbildung und
Beruf, begegnen einem älteren, erfolgreichen Manager.
Anregend ist die
Frage wer nach dem ausgiebigen Gedankenaustausch von wem beeinflusst
wird. Die Frage bleibt offen und die Erzählung stellt sie wohl eher an
den Leser. Die Dialoge zwischen den drei Protagonisten sind recht direkt, manchmal etwas platt, so mit "Wir werfen mit Klischees um uns. Wir haben keine Ahnung" (S. 12). Insgesamt eine gelungene Erzählung, auch wenn ich bezweifle, ob es eine Sinfonie von Bela Bartok (S. 13) gibt. Siehe dazu den |
| Meine
Hoffnung, dass Leist sich bei den weiteren
Erzählungen „Das Foto“ und „Unter dem Brauenbogen“ steigern würde,
erfüllten sich nicht. „Das Foto“ sagte mir nichts. |
| Im „Unter dem
Brauenbogen“ gibt es ausführliche
Diskussionen über Kunst (Bilder, Skulpturen), die demjenigen, der die
entsprechenden Objekte nicht kennt, wenig sagen. Hauptsächlich geht es
um Alfred
Hrdlicka und Gerhard Marcks ( Weitere Themen sind • die Unterdrückung und das Aufbegehren dagegen; Daniel engagiert sich für den Kampf der Kurden • Vorurteile und Klischees. Da wird es sogar witzig: Frau Hennig: "Wenn ich irgendwo Gast bin, benehme ich mich auch anständig" kontert Daniel mit: "Nur dann?" (S. 90). |
| Die drei Erzählungen sind gesellschaftspolitisch ambitioniert. Doch Goethes Torquato Tasso paraphrasierend: Man merkt die Absicht, und schaltet auf Sparflamme. |
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