| Elke Heidenreich. Kolonien der
Liebe. Erzählungen. Reinbek: Rowohlt, 1992. 174 S. – |
| Im Spiegel
37/2001 wird Heidenreichs neuer Erzählband Der
Welt im Rücken durchaus wohlwollend beschrieben und
darauf hingewiesen, daß ihr erster Erzählband Kolonien der
Liebe bereits 1992 erschienen ist. Elke Heidenreich machte,
trotz ihres kleinen mathematischen Lapsus in einer Fernsehsendung
1998, auf mich immer einen natürlichen, sympathischen
Eindruck. Meistens sind Fernseh- und Filmstars irgendwelche Zicken
und/oder ... kein Schimpfwort jetzt
(man erinnere sich an den Aufwand für die Heirat eines gewissen Heiner Lauterbach im
September 2001, den ich vorher nicht kannte, was diesen sicher
überrascht, empört oder verwundert hätte). Da scheint mir die Elke eine
löbliche Ausnahme zu sein, obwohl ich auch sie weder aus Funk, noch
Film oder TV (ausgenommen eine Diskussionsteilnahme 1998) kenne.
Aufgrund meiner Zitatseite
von ihr erhielt ich schon manche Anfrage, die ich nicht
beantworten konnte, da ich nichts von ihr wußte; viele Gründe, um ihren
Erzählband von 1992 zu lesen. Während bei Klettersteigen die Schlüsselstelle nahe dem Einstieg liegt, um unbedarfte Bergsteiger zur Rückkehr zu zwingen, sind in Kolonien der Liebe die beiden ersten Kurzgeschichten eher typisch konventionell. Das weckte eine gewisse Erwartungshaltung, die dann nicht erfüllt wurde. Es folgen Geschichten teils ohne erkennbare Handlung, mehr eine Aneinanderreihung von Charakterbeschreibungen, Tätigkeiten, Schlaglichter, oft mit einer Reise als roten Faden. Dabei haben mir die beiden ersten Geschichten "Die Liebe" und "Der Hund wird erschossen" gut gefallen. Als ich mich mit Elkes weiteren Gestaltung der Geschichten angefreundet hatte, kam die Leselust bald zurück. Die auf oberster Ebene eher saudumme Reisegeschichte "Erika", ist zum Beispiel recht gut gelungen. Sie bringt humorvolle Wendungen, die noch nicht abgedroschen sind. "Ihr Papi ist einer von den Typen, die im Speisewagen immer zu mir an den Tisch kommen und fragen: »Ist hier noch frei?« und die keinen Hunger mehr haben, wenn ich antworte: »Ja, aber da drüben auch.«" ("Kleine Reise", S.71-72). Elke Heidenreich bringt ihre Meinung (oder besser: die ihrer wechselnden Ich-Erzählerinnen) [zum Beispiel: "Ich hasse Berlin, habe es immer gehaßt." in "Kleine Reise", S.57] ohne lehrerhaft oder gar aufdringlich zu sein. Man stimmt nicht mit ihr überein, trotzdem gelingt es ihr, überzeugend zu formulieren. Eine seltene stilistische Begabung. Mein Favorit unter den Geschichten ist die letzte: "Das Herz kaum größer als die Leichenfaust". Stark. Insgesamt sind die Erzählungen von unterschiedlicher Qualität, doch keine ist langweilig. Jede hat einen gewissen Pfiff. Lesenswert, doch kein Muß. |
| Links |
| Literatur |
| Bei amazon nachschauen | Bei amazon nachschauen | |
![]() |
![]() |
|
| Der
Welt den Rücken. München: Hanser, 2001. 190 S. |