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Meyrink Gustav Dominikaner
Gustav Meyrink: Der weiße Dominikaner. Aus dem Tagebuch eines Unsichtbaren
München: Heyne, 1982. 271 Seiten. Mit einem Nachwort von Eduard Frank
meyrink Raimund von Pennafortemeyrink Handlungsort Wasserburg am Innmeyrink LiteraturmeyrinkLinksmeyrink Zitate
Im ansprechenden Büchlein meyrink Maler & Poeten in Oberbayern ... las ich, daß Gustav Meyrink (19.1.1868 Wien – 4.12.1932 Starnberg) seinen Roman Der weiße Dominikaner in Wasserburg angesiedelt hat. Flugs aus der Bibliothek geholt. Von Meyrink kannte ich aus meiner Schachspielerzeit nur Der Golem und das war mir zu okkult. Es wird darin vom weißen Dominikaner weit übertroffen. Vorab: wären nicht die Bezüge zu Wasserburg, mir wäre die Zeit zum Lesen zu schade gewesen. Wer jedoch spirituelle Durchdringung der Handlung akzeptiert, wer Vergeistigung des Lebens für erforderlich (und möglich) hält, hat sicher eine anregende Lektüre.
Christopher Taubenschlag ist das 11. Glied einer bemerkenswerten Ahnenreihe. In ihm leben – so der Ich-Erzähler – alle vorangegangen Generationen. Hier wirken stark die Arbeiten von Gregor Johann Mendel in den Roman, die erst um 1900 von den Pflanzenforschern C.E. Correns, E. von Tschermak und H. de Vries wieder entdeckt worden waren; Der weiße Dominikaner erschien 1921. Mehr jedoch wirken Ideen aus östlichen Religionen in das Handlungsgeflecht des Romans; vergleiche dazu meyrink Meyrinks Konversion 1927. Besonders die Ausführungen auf den Seiten 52-53 (um nur ein Beispiel zu nennen) scheinen mir reichlich abstrus, weit her geholt, nicht belegbar und was die Gesundheit anbetrifft sogar gefährlich: "... es ist einer krank und will gesund werden; solange er zu Arzneien seine Zuflucht nimmt, solange lähmt er jene Kraft des Geistes, die schneller und besser heilt als alle Medizin" (53). Schon der Name Taubenschlag unterstreicht eine der vielen metaphysischen Thesen im Roman: der Körper ist nur ein mehr oder minder zufälliger Raum, in dem viele Tauben/Seelen wohnen können.
Öfters hat Christopher Taubenschlag Begegnungen (meist indirekt: er sieht einen weißen Schatten [sic]) mit dem weißen Dominikaner. Die Sage erzählt, daß der meyrink Dominikanermönch Raimund de Pennaforte die Marienkirche gebaut hat (14). Die Umkehrung (weißer Schatten) findet – zumindest im Traum – auch von links nach rechts statt. Der Pflegevater Bartholomäus Freiherr von Jöcher erklärt dem Kind Christopher diese eigenartige Umdrehung: "Sogar wirklicher noch als dieses Reich hier auf Erden ist jenes drüben. Das eine ist eine Spiegelung des anderen , – besser gesagt: das irdische ist eine Spiegelung des »Drüben«, – nicht umgekehrt; was Drüben rechts ist ... das ist hier links" (60). Das erinnert stark an das Flatland von Edwin Abbott. Die zweidimensionalen Wesen wandern auf einem im Raum gedrehten endlosen, d.h. geschlossenen Band. Nach einer Durchwanderung des Bandes sind sie genau an derselben Stelle, doch alles ist seitenverkehrt. Den esoterischen Leser erwarten noch zahlreiche Kreislauf- und Wiedergeburtideen und im Kapitel 11 eine spiritistische Sitzung.
Die Hauptstellen zum meyrink Handlungsort Wasserburg zitiere ich. Die Bäckerzeile, in der die Jöcherfamilie wohnt, ist in Wasserburg zwar anderer Stelle zu finden, doch immerhin wohnte ich in meiner Kindheit meyrink jahrelang in der Bäckerzeile 3.
Konversion
Meyrink konvertierte 1927 zum Mahajana-Buddhismus. Er starb am 4. Dezember 1932 in Starnberg.
Der weiße Dominikaner (1921) zählt zu den Klassikern der phantastischen Literatur.
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Raimund von Pennaforte
* 1175 - 1180 auf dem Schloß Peñafort in Katalonien. Der Ordensgeneral der Dominikaner Raimund von Pennaforte stellte die Dekretalen des Papstes Gregors IX., genannt Liber Extra, zusammen und veröffentlichte sie 1234 als erstes kirchenrechtliches Gesetzbuch seit Gratian. Am 20.10.1248 wird Raimund von Pennaforte die Inquisition übertragen. + 6.1.1275 in Barcelona.
Meyrink Gustav DominikanerBiographisch-bibliographisches Kirchenlexikon
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Handlungsort Wasserburg am Inn
Tief unten strömt ein breiter, wellenloser, von Gebirgswasser grauer Fluß dicht an den uralten, rosa-, ockergelb- und hellblaufarbigen, aus kahlen Fenstern blickenden Häusern hin, auf denen die Dächer sitzen wie moosgrüne Hüte ohne Krempen. Als ein Kreis umströmt er die Stadt, die darin liegt, inselgleich, von einer Wasserschlinge gefangen; er kommt von Süden, wendet sich nach Westen, kehrt wieder zum Süden zurück, dort nur mehr durch eine schmale Landzunge, auf der unser Haus als letztes steht, getrennt von der Stelle, wo er die Stadt zu umarmen begann, – um hinter einem grünen Hügel dem Blick zu entschwinden.
Über die braune, mit mannshohen Planken eingefaßte Holzbrücke – der Boden aus rohen rindigen Stämmen, die beben, wenn der Ochsenwagen darüberfährt – kann man hinübergelangen ans andere, ans bewaldete Ufer, wo Sandbrüche ins Wasser abfallen. Von unserem Dach aus sieht man über sie hinweg weit ins Wiesenland hinein, in dessen dunstiger Ferne die Berge wie Wolken schweben und die Wolken wie Berge auf der Erde lasten. Mitten aus der Stadt ragt ein burgartiges, langgestrecktes Gebäude auf, zu nichts mehr gut oder schlimm, als die stechende Glut der Herbstsonne aufzufangen mit feuerglimmenden lidlosen Fenstern. In dem Eierpflaster des immer menschenleeren Marktplatzes, darauf die großen Schirme der Händler in Haufen umgestürzter Körbe wie vergessenes Riesenspielzeug stehen, wächst Gras zwischen den Ritzen der Steine. Bisweilen an Sonntagen, wenn die Hitze die Mauern des barocken Rathauses heiß sengt, dringen die gedämpften Klänge einer Blechmusik, getragen vom kühlen Lufthauch, aus der Erde herauf, - werden lauter, das Tor der Gastschenke »zur Post, genannt beim Fletzinger« gähnt plötzlich, ein Hochzeitszug marschiert gemessen zur Kirche in alter bunter Tracht ... (20-22).
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Literatur
Arbeitsgemeinschaft Spurensuche c/o Tourismusverband München-Oberbayern, Hg. Maler & Poeten in Oberbayern und im Allgäu, im Salzburger Land und im Salzkammergut. München o.J. 128 Seiten.
Meyrink Gustav DominikanerEvely Konieczny. Figuren und Funktionen des Bösen im Werk von Gustav Meyrink. Schriftenreihe und Materialien der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, Band 18. Wetzlar, 1996. 87 Seiten.
Ralf Reiter. Das dämonische Diesseits. Phantastisches Erzählen in den Romanen "Walpurgisnacht" und "Der weiße Dominikaner" von Gustav Meyrink. Schriftenreihe und Materialien der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, Band 19. Wetzlar.
  derzeit (4/2002) vergriffen
Meyrink, Gustav. Der weiße Dominikaner. Aus dem Tagebuch eines Unsichtbaren. München: Heyne,1982. 271 Seiten.Meyrink Gustav Dominikaner Gustav Meyrink Dominikaner
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