| Wolfgang
A. Gogolin: Karawane des
Grauens Norderstedt: Book on Demand, 2002. 207 Seiten |
Durch den
Buchtitel etwas irregeführt (aber nur so auf das Buch gestossen, da ich
nach Wilhelm Hauffs Karawane suchte; Hauff siehe Links),
klärte mich der Klappentext auf, daß es sich um ein
Buch über Beamte handelt. Locker, sarkastisch, mit einem Augenzwinkern
wird über den Alltag in einer Hamburger Behörde erzählt. Ulrich Zeik,
aus Nürnberg zugewandert, ist der Prototyp des Bürovorstehers;
verklemmt, hohle Phrasen, aufstiegssüchtig. Den Bayernkurier
hält er für liberal (S. 80). Dazu gesellen sich weitere gut
herausgemeiselte, schräge Charaktere. Die einzige, der man Normalität
bescheinigen würde, Heike Fahrenkrug, ist zu Beginn bereits tot. Die
Lektüre ist kurzweilig, da Gogolin die Typen konsequent aber
schrittweise entlarvt. Das Panoptikum im öffentlichen Dienst wirkt
teilweise absurd, überschreitet jedoch nie die Realität. Alles könnte
sich so zutragen, vielleicht auch in anderen Büros. Soweit eine
amüsante Lektüre, wenn nicht der Stil hart an die Miserabilitätsgrenze
ginge.Gogolin schreibt zwar meist flott, doch oft auch ein umständliches Deutsch, gelegentlich undeutsch. Die Wortwahl ist klischeehaft: es fallen genau die Adjektive, die man erwartet. Beispiel: Blicke sind strafend (gängige Assoziation) und dann selbstverständlich stechend oder – etwas allegorischer – erdolchend. Gogolin schreibt: "... warfen ihm strafende Blicke zu, wie sie erdolchender kaum hätten sein können" (S. 32). Zu den erfüllten Lesererwartungen bezüglich der Eigenschaften der Blicke, gesellt sich am Ende eine umständliche Konstruktion mit "hätten sein können". Diese Konjunktive finden sich häufig und stören. Sehr viele Sätze beginnen mit "Und". Nun kann jeder Autor seine Sätze beginnen mit was er will, doch solche Formulierungen, gerade noch korrekt, dürfen nur spärlich eingesetzt werden. Noch mehr Sätze enden mit einem Punkt, sind aber kein Satz. "Nur sie nicht. Und sie fühlte ..." (S. 200). Im ersten "Satz" fehlt das Verb, der nächste ist ein Beispiel für (unnötigen) Beginn mit "und". Eine weitere Stilunart sind Wortwiederholungen. So betrachten Außenstehende die Arbeit "als langweilig und trocken", die Mitarbeiter (im selben Satz!) empfinden sie als "öde und trocken" (S. 37). Als ich mir den Hinweis über die leeren Kassen Hamburgs (des öffentlichen Dienstes oder ähnliches) als zu häufige Wiederholung anstrich, kam er noch dreimal. Der schlechte Schreibstil könnte bei wörtlicher Rede der Personen (oder in ihren Gedankengängen) ein Stilmittel sein; in diesem Roman verstößt der Erzähler selbst laufend gegen die Regeln. Die Karawane des Grauens ist eine gelungene Charakter- und Lagebeschreibung des Büroalltags. Sie ist abwechslungsreich und trotz der zahlreichen ärgerlichen Stilecken flüssig zu lesen. |
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Grauens.
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