| Leonhard
Frank. Die Räuberbande Das Ochsenfurter
Männerquartett Hamburg: Rowohlt, 1953. 168 und 160 S. |
Vorab:
1927 erschien dann die Fortsetzung Das Ochsenfurter Männerquartett. Die Übriggebliebenen von einst haben sich eine Existenz aufgebaut, die jedoch von der Wirtschaftskrise zerstört wurde. Mit guten Ideen und etwas Glück gelingt es ihnen und auch deren Kindern mit dem schwierigen Leben fertig zu werden. Ich finde, Frank hat stilistisch und handlungsmäßig gegenüber seinem Erstling dazugelernt. Die Kritiker bemängeln kitschige Auswüchse; das stimmt, doch wäre an Die Räuberbande mehr zu beanstanden. Ich meine eher, daß neben der etwas ausgiebigen Schilderungen der Liebes-Stelldicheins das Happy-End der Fortsetzung zur Abwertung führte. Im zweiten Band fand ich aber mehr beachtenswerte Episoden. So das störrische Kalb, das dann doch in lustigen Sprüngen zum Schlachthof hüpfte (15) oder die sarkastische Szene, in der der Onkel gelähmt im Totenbett liegt und die Tante vor seinen Augen alles für die bevorstehende Beerdigung vorbereitet. "Der Sterbende, der nicht sprechen und sich nicht rühren konnte, vollständig wehrlos war, starrte ununterbrochen seine Frau an, in biblisch furchtbarem Zorn, und stieß grauenvolle Töne aus. Sie nähte weiter" (23). Beiden Romanen gereicht der Lokalkolorit des Ortes und der Zeit zum Vorteil. Geistliche Herren wurden von Kindern auf offener Straße an der Hand gefaßt und "Gelobt sei Jesus Christus" gemurmelt oder gerufen. Im Ochsenfurter Männerquartett karikiert dies Frank, indem er es auch mit einem Mann im schwarzen Frack geschehen läßt (124). Sicher, man muß keines der beiden Bücher lesen; doch die Zeit damit ist gut verbracht. |
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