| Leonhard Frank. Die
Ursache Leipzig, Insel: 1915, 157 S. |
| Der junge, wenig erfolgreiche
Dichter Anton Seiler kehrt in seine Heimatstadt zurück. Dieses in
der Literatur sehr beliebte Motiv, vergleiche z.B.
Ohne zuviel zu verraten (denn diese Erzählung ist vor allem auch spannend): es geht um die Ursachen, die Strafe, genauer, die Todesstrafe und wie man sich als Schöffe verhalten sollte. In seiner Verteidigung gräbt Anton tiefe Ursachen aus. Er ruft im Gerichtssaal aus: "Seit Jahrtausenden verlangt der Mensch brüllend, stinkend demütig, stöhnend, irrsinnig, daß er atmen dürfe, ohne unnötigen Qualen." Diese bescheidene Forderung wird von einem Zeugen ergänzt: "Ich hasse die Repräsentanten all derer, die das verhindern" (78). Leonhard Frank geht es auch darum, diese Repräsentanten zu nennen und bloßzustellen. Sein Protagonist urteilt: "Gelogen wird in den Gerichtssälen! Am tatsächlichen Geschehen vorbeigesehen! Die Ursachen liegen tief. Man will sie nicht sehen. Man will nicht! ... Weil man sonst erkennen müßte, daß man mitschuldig ist" (91). Die Ursachennennung ist mitnichten einfach. Ein extremes Beispiel gab der amerikanische Philosoph Hilary Putnam. Ein Professor wird genau um Mitternacht splitternackt im Studentinnenwohnheim gefunden. Wäre er nicht eine Sekunde vor Mitternacht splitternackt im Studentinnenwohnheim gewesen, wäre der im vorigen Satz genannte Sachverhalt nicht möglich. Andrerseits ist das Ereignis um Mitternacht minus einer Sekunde nicht nur notwendig, sondern auch die ausreichende Ursache (es dem Professor nicht mehr möglich zu flüchten oder sich anzuziehen). [* ] Niemand würde diese Ursachenbenennung akzeptieren. Ist nicht vielmehr das ganze Leben eine einzige Ursachenkette? Für Anton Seiler jedenfalls "ist das Motiv der Impuls ein Glied der eisernen Ursachenkette seines ganzen Lebens" (105) und "der Mensch ist nur der Hammer, die Ursache aber die Faust, die den Hammer schwingt" (110). Die Faust aber sind die schon oben ausgemachten Repräsentanten. Seiler fordert hart: "Zum mindesten müßte jeder, der einen Menschen zum Tode verurteilt, bereit sein, den Kopf auch selbst abzuhauen mit dem Beil" (141). Thomas Anz von der Universität Bamberg weist in Bemerkenswert ist die Einstellung Anton Seilers zu Kindern und seiner Mutter. Er kann den biblischen Jesus nicht verstehen, der seine Mutter und seine Brüder (!) glatt verleugnete, als sie mit ihm reden wollten. Jesus: "Wer ist meine Mutter und meine Brüder?" (Mt 12,48; Mk 3,33). Anton wundert sich: "Welch hartes Herz ... hartes Herz muß Christus gehabt haben ..." (55). An der Härte der christlichen Botschaft ist schon mancher verzweifelt. Eine spannende, sehr lesenswerte Erzählung, die noch lange Denkstoff bietet. |
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| Suppose a professor is found stark-naked in a girl's dormitory room at midnight. His being naked in the room at midnight e, where e is so small that he could neither get out of the room or put on his clothes between midnight e and midnight without moving faster than light, would be a 'total cause' of his being naked in the girl's room at midnight; but no one would refer to this as the 'cause' of his presence in the room in that state (213). "Why There Isn't a Ready-Made World", in: Hilary Putnam. Realism and Reason. Philosophical Papers. Cambridge 1983 [zum Text] |