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Leonhard Frank
Leonhard Frank. Karl und Anna. Erzählung.
München: Nymphenburger, 1952, 63 S.– leonhard frank Leonhard Frank
Die Erzählung Karl und Anna erschien 1926 und brachte Leonhard Frank großen Erfolg. Zu recht. Zwei Jahre später arbeitete er es als Drama für die Bühne um.
Während der Gefangenschaft unter "dem fernen, fernen, planetar gewölbten Horizont" (5) der sibirischen Steppe erzählt Richard dem unverheirateten Schicksalsgenossen Karl alles über sich und seine Frau Anna. Richard wird noch weiter ostwärts verfrachtet. "Einen Tag nach Richards Abtransport flüchtete Karl aus dem Gefangenenlager. Das Verlangen nach Anna trieb ihn auf den großen Weg" (10). Das KLL schreibt hier falsch, Karl wäre durch Zufall ein halbes Jahr früher entlassen; richtig ist, daß sich Karl in das Traumbild Anna verliebt hat. Zuhause geht er stracks zu Anna und gibt sich als Richard aus. Auch von den Mitbewohnern im Mietshaus wird er "Herr Richard" genannt. "Die Hausbewohner halfen dazu. Für sie war Karls Annas Mann. Die Kinder sagten Richard zu ihm. Kolonialwarenhändler, Bäcker, Fleischer gratulierten Anna zur Rückkehr ihres totgeglaubten Mannes" (40). Karl übernimmt voll die Rolle des abwesenden Ehemanns Richard. Für mich als Leser ergab sich eine eigentümliche Vermischung. Frank will dem Leser zeigen: der eigentlich für Anna schicksalshaft bestimmte Lebenspartner ist Karl. Eine Bestätigung und Vorahnung erhält man Ende von Kapitel 5: "Schon wie sie aufsahen und sich zurücklehnten, beide, und Blick in Blick das unerforschliche Geheimnis ihrer Liebe fühlten, die dem Rechte Richards gegenüberstand, waren sie wieder zu sich zurückgekehrt, frei von dem Wunsche nach Richrads Tod und bereit, zu bezahlen, wenn bezahlt werden mußte" (51). Und bezahlten mußten sie, denn Richard kehrt heim. Frank hat im Gespräch die Alternativen scheinbar schon ausgelotet (43). Doch er erfindet – zu meiner Überraschung – eine weitere. Lesen!
Schlagt mich tot, aber ich fand in Uwe Timms Die Entdeckung der Currywurst (lesenswert!) eine gewisse Entsprechung zur Frankschen Erzählung.
Das Motiv: heimkehrender Gefangener nimmt die Stelle bei der Frau seines Kriegskameraden ein, gab es später wieder im Krimi Leonhard Frank Boileau, Pierre; Narcejac, Thomas: Ich bin ein anderer.
Aktuelle Ausgaben im leonhard frank Werksverzeichnis von Leonhard Frank.
Literatur
Kindlers Literaturlexikon, S. 5166-67

Leonhard Frank
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 5.5.2003