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Daniel Kehlmann
Daniel Kehlmann: Mahlers Zeit
Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2001. Broschiert, 160 Seiten – Daniel LinksDaniel Literatur
Daniel Kehlmanns Romantitel Mahlers Zeit ist mehrdeutig. Zum einen weist er darauf hin, daß hier knapp die Zeit, die der geniale Gelehrte David Mahler auf Erden verbrachte, beschrieben wird. Zum anderen benennt er gleich Mahlers großartige Entdeckung bezüglich der Zeit: es gibt sie nicht. Seit Einstein ist es Allgemeingut, daß auch die Zeit nicht absolut ist. Mahlers Entdeckung betrifft den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik: die Entropie nimmt zu. Durch Mahlers vier zusätzliche Formeln kann man den Zweiten Hauptsatz umgehen. Kehlmann expliziert den physikalischen Hintergrund und Mahlers Einfall soweit, daß es wissenschaftlich seriös wirkt und er läßt es insoweit im Dunkeln, damit es seriös bleibt. Eine gute Balance, denke ich. Allerdings betont Kehlmann nicht (oder zuwenig), daß Zweite Hauptsatz der Thermodynamik natürlich nur in energetisch abgeschlossenen Systemen gültig ist. Der Fall des Apfels hat nichts mit Statistik oder Wahrscheinlichkeit zu tun. Dagegen ist richtig, daß sich die Milch im Kaffee auch durchaus mal links oben in der Tasse sammeln könnte. Nun ist es nicht so, wie es der Rezensent im Spiegel las (Der Spiegel 41/1999), daß der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik nicht stimmen würde. Er bedarf, ähnlich wie Newtons Physik, der Einschränkung durch die vier vertrackten Gleichungen Mahlers. Wer nun befürchtet, einen wissenschaftsjournalistischen Roman vorgesetzt zu bekommen, irrt. Zum Verständnis reicht es, wenn man den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik im Lexikon oder hier nachliest.
Der 2.Hauptsatz der Thermodynamik (Entropiesatz) gibt die Richtung der Energieumwandlungen an: Die Entropie kann in einem abgeschlossenen thermodynamischen System nur zunehmen oder (bei reversiblen Prozessen) höchstens gleich bleiben.
(c) Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 1999
Mit Mahlers Entdeckung ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten, beispielweise die eines Perpetuum mobile. Neben dem Spott seiner Wissenschaftskollegen wird Mahler daher auch verfolgt. Oder glaubt er es nur? Jedenfalls passieren in seiner Umgebung sonderbare Dinge. Am Ende des Romans dreht sich der Roman zeitlich im Zirkel: Marcel kehrt zum Ausgangspunkt zurück.
Einige Symbole, wie die immer wiederkehrende Libelle, blieben mir ein Rätsel. Es klingt bei nur 160 Seiten sonderbar: Kehlmann hätte nicht soviel hineinpacken oder alternativ einen Roman von 400 Seiten schreiben sollen. Kurzweilig und lesenswert.
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Daniel Kehlmann Daniel KehlmannDaniel Kehlmann: Mahlers Zeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2001. Broschiert, 160 Seiten Daniel Kehlmann
Daniel Kehlmann: Mahlers Zeit. Frankfurt am Main. Suhrkamp, 1999. Frankfurt am Main. Suhrkamp, 1999. Gebunden, 160 Seiten Daniel Kehlmann
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 9.4.2003