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Karin Kusterer
Kusterer, Karin. Märchen von der unglaublichen Liebe
Zürich: Gerd Haffmans bei Zweitausendeins, 2003. 190 Seiten
Das Märchen von der unglaublichen Liebe ist ein Roman über eine Schwangerschaft, die der Leser von der Zeugung bis zur Entbindung mitverfolgt. Dazu erzählt der Roman über den russischen Afghanistankrieg, über Altenpflege und Asylanten in München. Habe ich etwas vergessen? Wie ist es mit der unglaublichen Liebe? Ja, wenn die Betonung auf unglaublich liegt. Ich glaubte sie der Ich-Erzählerin Mara Welsch nicht.
Ethnologie-Studentin Mara arbeitet eher unschlüssig an ihrer Magisterarbeit. Sie arbeitet auch als Russisch-Dolmetscherin (was die Ereignisse ins Rollen bringt) und als Altenpflegerin. Nach einer Blitzliebe erwartet sie von Maksim, ehemals russischer Soldat in Afghanistan, jetzt Flüchtling in München, ein Kind, obwohl ihr ein Arzt versichert hatte, daß eine Schwangerschaft für sie nicht möglich ist. (Das zur Erklärung Maras Sorglosigkeit). Doch dann ist ihr Märchenprinz Maksim verschwunden und sie suchte ihn in verschiedenen Heimen und Lagern in München. Die Lage dort ist trostlos bis katastrophal. Unaufgeregt, ohne Anklage schildert Karin Kusterer die Zustände, die sie sorgfältig erkundet hat. Sie hat mehrere Jahre für Amnesty International gearbeitet. Mara findet Maksim zunächst nicht (das Ende sei nicht verraten), doch sie findet Juri. Auch er war Teilnehmer des russischen Afghanistankrieges und ist von damals stark traumatisiert. Nach einiger Überwindung erzählt Juri die Geschichte Maksims.
Mara nimmt trotz aller Sorglosigkeit ihre mißliche Lage respektabel an. Vielleicht erinnerte sie sich an ihren Vater, bei dem man alles aufessen mußte, "auch das Leben. Augen zu und runter damit wie mit Lebertran" (S. 95).
Schade finde ich den Titel. Das Märchen von der unglaublichen Liebe ist nicht märchenhaft, sondern realistisch. Man könnte das mißverstehen und meinen, die geschilderten Verhältnisse sind ein Märchen, wir Deutschen gäben der Welt Humanität zurück, die wir im 20. Jahrhundert vermissen ließen (um es gelinde auszudrücken). Nein, wir verfolgen weiterhin eine rigorose Abschiebepraxis, die im Roman spürbar wird. Notleidende Ausländer sind nicht willkommen. "Das Weite hier ist der Himmel über dem Land ... sonst sind überall Grenzen" (S. 171). Ist dann das Liebesverhältnis ein Märchen? Keinesfalls, wenn man an das bekannte Märchenende denkt: "wenn sie nicht gestorben sind ...". Insgesamt ein themenreicher Roman, schwungvoll erzählt, aber mir stilistisch zu einfach: kurze Sätze, oft im Telegrammstil. Dadurch leicht zu lesen; insgesamt sehr lohnend.
Hier geht's zur Musik, die dem Buch den Titel gab: brahem Anouar Brahem. Conte de l'Incroyable Amour.
derzeit (7/2003) bei Amazon nicht erhältlich  
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  Und hier die Musik zum Buchtitel (S. 162): Anouar Brahem. Conte de l'Incroyable Amour. ECM Anouar Brahem Anouar Brahem

Karin Kusterer
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 4.7.2003