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Meyer, Kai: Die Geisterseher
Meyer, Kai: Die Geisterseher. Ein unheimlicher Roman aus dem klassichen Weimar
Berlin, Rütten & Loening, 1995. 347 Seiten – Ergänzende Literatur
Die Gebrüder Wilhelm und Jacob Grimm sind 1805 zu Besuch bei Goethe in Weimar. Mit einer Medizin suchen sie den todkranken Friedrich Schiller auf. Dieser übergibt ihnen die Fortsetzung zu seinem Romanfragment Der Geisterseher (siehe Ergänzende Literatur). Um dieses Manuskript, es wird den Grimms noch auf dem Heimweg gestohlen, baut Kai Meyer einen turbulenten Roman.
Dabei stehen viele historische Persönlichkeiten im Mittelpunkt. Neben Wilhelm (Ich-Erzähler) und Jacob Grimm, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller noch dessen Frau Charlotte, E.T.A. Hoffmann und andere (siehe Ergänzende Literatur).
Stil
Wortwahl, Stil und Vergleiche sind gekonnt der Zeit und dem Genre angepasst. "Das Herz hämmerte mir in den Ohren wie Pferdehufe" (S. 35). Oder die Schilderung eines unheimlichen Gasthofes: "Nicht eine Wand schien im rechten Winkel zur anderen zu stehen, im riedgedeckten Dach klaffte gar ein mannsgroßes Brandloch" (S. 97). Dabei hat Die Geisterseher, wie viele Schauerromane, von allem etwas: Gruselroman (gothic novel; ), Historienroman, Krimi, Geheimbundroman.
Aufbau
Meyer gibt Zwischenzusammenfassungen (z.B. S. 40), was die Verfolgung der verwirrten Geschichte etwas erleichtert. Zunächst gibt es auch eine Zwischenlösung (das Manuskript taucht wieder auf; S. 77), doch dann zieht der Autor den verwickelten Knäuel bis zum Ende durch. Die Auflösung auf den letzten Seiten ist so verwoben, daß ich sie einfach ungeprüft hinnahm. Damit steht der Roman zwar in der Tradition des Wirr-Warr im Schauerroman, es mindert aber das Lesevergnügen.
Zu oft kündigt – oder besser: deutet – der Erzähler Wilhelm Grimm Künftiges an. Der Leser ist gespannt, doch der Bezug zur Ankündigung fehlt dann. Ein Beispiel: "Mehr und mehr wurden die Stätten der Toten zu wichtigen Stationen unseres Weges, zu Angelpunkten der Ereignisse" (S. 145). Daran ist richtig, daß viermal (so ich richtig mitzählte) Szenen im Friedhof spielen. Doch sind das weder wichtige Stationen noch Angelpunkte der Ereignisse, sondern Ingredenzien zur Gruselerzeugung.
Wer eine Gothic Novel mit historischen Bezügen und sich überstürzenden Ereignissen lesen will, ist mit Die Geisterseher sehr gut bedient.
Kai Meyer Anfang
Warschau, the city that never sleeps
Spätestens seit "New York, New York", Frank Sinatra, 1979, ist "The Big Apple", wie New York City auch genannt wird, “the city that never sleeps”: Kai Meyer macht das Warschau von 1805 dazu. "Auf den Straßen herrschte noch reges Treiben; in den nächsten Tagen sollte ich lernen, daß Warschau niemals zur Ruhe kam, nicht abends, nicht nachts, niemals." (S. 123).
Frank Sinatra: "New York, New York" (Fred Ebb, John Kander), 19.9.1979, Los Angeles
"New York, New York. I wanna wake up in a city that never sleeps." (Frank Sinatra singt " in a city", nicht wie oft falsch angegeben " in the city").
Ergänzende Literatur
Schiller, Friedrich: Der Geisterseher. Aus den Papieren des Grafen von O** (Schiller, Friedrich Rezension)
Seidel, Petra: Die Tradition des Schauerromans und der Umgang mit historischen Fakten in Kai Meyers Die Geisterseher. Manuskript. 34 Seiten.
Zum Autor: Kai Meyer Kai Meyer
Weitere rezensierte Klassiker des Genres
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Kai Meyer Anfang
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 16.8.2003