| Paulus
Hochgatterer: Wildwasser Wien: Deuticke, 1997. Gebunden, 110 Seiten Literatur Links |
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| Die Erzählung Wildwasser
ließ mich verwirrt zurück. Der sechzehnjährige Wiener Schüler Jakob Schmalfuss lebt mit seiner Mutter, einer Kindergärtnerin, und seiner Schwester Franziska zusammen. Im September des Vorjahres kam Jakobs Vater von einer Wildwassertour nicht zurück. Die Leiche fand man nie, man beerdigte einen leeren Sarg. Im ersten Kapitel wird eine recht normale Familie (ohne Vater) charakterisiert. Mutter und Franziska sitzen auf der Loggia, trinken Campari-Soda und unterhalten sich über Frauenthemen. Jakob betreibt Marken-Fetischismus, dröhnt sich mit Dancefloor-Musik voll und glotzt Grand-Prix Autorennen. Sie haben unterschiedliche Ansichten über Zimmerpflanzen, den Namen des Katers und die aktuellen Filmstars. Am Ende des ersten Kapitels nimmt das vom Wildwasserunfall des Vaters aufgefundene Paddel, schwingt sich auf sein Markenrad und begibt sich auf eine Fahrt zum Unfallort. Dabei hat er einige sonderbare Stationen zu absolvieren. Zuerst besucht er den Bahnhof Hütteldorf, warum wurde mir nicht klar, vielleicht damit dem Leser deutlich wird, daß es in der Welt der Jugendliche Reliquien wie das Paddel des Vaters gibt, die bei allem Konsumzwang und - wahn doch unverkäuflich sind. Jakob besorgt sich Drogen, Sexhefte, onaniert, übernachtet in einem Autowrack und trifft wieder auf einen Dreier-Haushalt eines Kaplans, bei dem er Unterschlupf findet. Das Ende der Suchfahrt obwohl unspektakulär sei hier nicht verraten. Hochgatterer beschreibt eine Jugendlichenwelt zwischen Mode- und TV-Diktat und dem Drang zur Unabhängigkeit, zur Abkehr von den Zwängen (überlaute Musik, Ausbruch, Drogen). Die mag so stimmen. Trotzdem blieb mir viel im Nebel. Anscheinend wird Jakob nicht vermisst oder gar gesucht. Der Kaplan nimmt es recht gelassen, daß ein zugekiffter Sechzehnjähriger bei ihm Zuflucht findet. Normale Reaktion wäre doch, die Mutter zu informieren; bei der Polizei nachzufragen, ob ein Jugendlicher vermisst wird. Das vergrabene, geheimnisvolle Kästchen mit Foto und Zettel einer Schülerin ist ein Relikt der Gothic Novel. Der Selbstmord der Schwester des Kaplans blieb mir völlig unmotiviert. Diesen, wie vielleicht die anderen Ungereimtheiten, mit: So sind Heranwachsende eben, das verstehst du nicht! abzutun geht nicht. Wenn Selbstmord Brauch so normal wäre, gäbe es kaum Erwachsene. Ein Schlüsselstelle zum Verständnis der Botschaft der Erzählung könnte diese sein:
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| Der erwähnte Film Wenn der Postmann zweimal klingelt (S. 46-47) dürfte auf einem hervorragenden Krimi von 1934 beruhen: James M. Cain The Postman Always Rings Twice. |
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