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August Kühn
August Kühn: August Kühns Münchner Geschichten
Frankfurt am Main: Fischer, 1977. 143 Seiten
Das schmale Taschenbuch – derzeit 2/2004 nur antiquarisch erhältlich – versammelt Essays und Geschichten des Münchner Autors. Manche sind geschichtliche Blicke auf Münchens Vergangenheit, alle sind sozialkritisch aus der Sicht eines Vorstadtbewohners.
Erstaunlich ist einerseits, daß die Spannung zwischen Arbeitnehmer und Kapital, die Kühn nicht müde wird zu geißeln, gut in Situationen umgesetzt wird, und daß diese Spannung, ein Dauerthema der Arbeiterbewegung, heute ebenso aktuell ist, wie in den Zeiten, die Kühn zum Hintergrund nimmt. Kühn zeigt beispielhaft die Beziehung zwischen Einzelschicksalen und großer (Wirtschafts)Politik. So der Beginn der Geschichte "Lies, Dusä, es gibt noch viel zu reden":
Den Dusä kenn ich schon aus der Zeit, als es noch Zonen gab, vier, nach dem letzten Krieg, den eine Industrie, die sich »deutsch« nennt, gewünscht und geführt hat. (S. 35)
Eine der Geschichten ist allzu treffend; ich skizziere sie hier als Appetitanregung.
Bei einem Empfang sitz der bayerische Bundesratsabgeordnete Emmeran Almtrieb neben einem schwarz-afrikanischen Diplomaten. Nach dem Diner erkundigt er sich bei ihm: "Gut hamm-hamm, was?" und nach dem Trinkspruch: "Gut schluck-schluck?" Dann erhebt sich der afrikanische Ehrengast und hält eine Lobrede in geschliffenem Deutsch. Nach fünfzehn Minuten erhält er Beifall und neigt sich zum Emmeran: "Gut Blabla?" ("Wer hat was gegen uns Schwarze?", S. 120-121).
Zur Geschichte "s' Woipertingerfanga", S. 106-109, siehe Wolpertinger Die Bielefeldverschwörung, die Wolpertinger
August Kühn's Münchner Geschichten sind kurze, meist frische Erzählungen aus Arbeiterkreisen. Kühns Roman Zeit zum Aufstehn. Eine Familienchronik kommt auf meine Leseliste.
Derzeit 2/2004 nur antiquarisch erhältlich:
August Kühn: August Kühns Münchner Geschichten. Frankfurt am Main: Fischer, 1977. 143 Seiten

August Kühn
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© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 21.2.2004